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Schlagwort: Zistler

Gedenktafel im Poetenweg: Ehrung für zwei stille Helden

Von Ursula Hein und Wolfgang Leyn

Auch in Gohlis erinnern „Stolpersteine“ aus Messing im Straßenpflaster vor Häusern an Menschen, die einst dort wohnten und in der NS-Zeit ermordet wurden. Jene beiden Menschen, denen jetzt im Poetenweg 12a eine Gedenktafel gewidmet wurde, haben überlebt. Während einer kleinen Feierstunde am 20. Juni enthüllten Schülerinnen und Schüler einer 9. Klasse des Neuen Nikolaigymnasiums die Tafel zu Ehren des Ehepaares Zistler.

Vor dem Haus in der kleinen Gasse vom Poetenweg zum Durchgang in die Menckestraße hatten sich 25 Menschen eingefunden, darunter viele junge Leute. Und es waren auch Jugendliche, welche die Feier gestalteten. Seit April 2019 hatten sich 16- bis 18-jährige Schülerinnen und Schüler mit dem Schicksal der beiden „stillen Helden“ beschäftigt, die ohne Rücksicht auf ihre eigene Gefährdung Verfolgten geholfen hatten. Inhaltlich wurden sie dabei vom Erich-Zeigner-Haus e.V. unterstützt.

Anna Amalia Zistler, geb. Buchheim, kam 1878 in Leipzig zur Welt. In erster Ehe war sie mit Max Pollack, einem Juden, verheiratet. Dieser wurde von den Nazibehörden im Arbeitshaus Riebeckstraße inhaftiert, wo er starb. Anna Amalia lehrte Theaterpädagogik an der Leipziger Theaterhochschule und war Sängerin an der Großen Gemeindesynagoge in der Gottschedstraße. Ihren zweiten, deutlich jüngeren Ehemann lernte sie vermutlich als ihren Gesangsschüler kennen.

Isidor-Helmut Zistler, geboren 1908 in Anger-Crottendorf, arbeitete als Lebensmittelhändler. Zugleich war er als Schauspieler, Sänger und Sprecher am Operettentheater und am Schauspielhaus in der Sophienstraße, der heutigen Shakespearestraße, tätig. Wegen seines jüdisch klingenden Vornamens Isidor wurde er von der Gestapo verfolgt, inhaftiert und misshandelt. Trotz „Wehrunwürdigkeit“ musste er von 1940-43 als Soldat zur Wehrmacht.

Seit Kriegsbeginn beteiligten sich beide am Leipziger Rettungswiderstand, unterstützten Verfolgte finanziell und versteckten fünf Jüdinnen und Juden in ihrer Wohnung. Ihre Hilfsaktionen wurden nicht entdeckt. Nach Kriegszerstörung ihrer Wohnung am Blücherplatz neben dem Hotel „Astoria“ zogen sie nach Gohlis. 1948 heirateten sie und übersiedelten 1954 nach Westberlin, wo sie sich danach mühsam durchs Leben schlugen und 1965 starben.

Künstlerisch umrahmt wurde die Feierstunde mit Musik und Lyrik. Ein Schüler spielte auf der Geige Titel- und Schlussthema aus „Schindlers Liste“. Zwei Schülerinnen rezitierten Gedichte – „Vergiss mich bitte nicht“ von Werner Janssen und Bertolt Brechts „Der Nachbar“. Wer dabei war, erlebte eine würdige Ehrung für zwei stille Helden aus Gohlis.