Stolpersteinputzen
Auch in diesem Jahr wird der Bürgerverein den durch uns gestifteten Stolperstein am 9. November putzen. Dieser befindet sich in der Heinrich-Budde-Straße 50.
Auch in diesem Jahr wird der Bürgerverein den durch uns gestifteten Stolperstein am 9. November putzen. Dieser befindet sich in der Heinrich-Budde-Straße 50.
Der Bürgerverein Gohlis präsentiert voller Stolz sein neues Highlight zum Jahresende: das Gohlis-Quartett – ein Kartenspiel, das Tradition und lokale Besonderheiten miteinander verbindet.
Die Teilnahme am Jane’s Walk ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Veranstaltungskalenders des Bürgervereins geworden. Mit dem vierten Spaziergang in Gohlis konnte der Verein 70 Interessierte nach Gohlis Mitte locken.
In dieser Ausgabe beginnt die neue Reihe „Gohlis einfach erklärt“. Es soll Wissenswertes rund aus der Geschichte aber auch aus der Gegenwart des Stadtteils geben. Den Anfang dazu macht Gohlis Nord.
Die Durchführung des großen Straßenfestes zu 675-Jahre Gohlis und die Verhinderung des Verkaufs des Budde-Haues gehören zu den Gründungsmotiven des Bürgerverein Gohlis im Jahre 1992. Schnell kam ein weiteres Projekt dazu: die Würdigung des Gohliser Anger als das Zentrum des ehemaligen Dorfes Gohlis.
Dieser „Raum“ war über lange Zeit zentraler Punkt des Lebens in Gohlis. Sei es als Ort der Schule oder der Gerichts- und Gemeindestube. 30 Jahre hat es dann gedauert, bis im April 2023 die Zweckentfremdung des Angers als inoffiziellen Parkplatz beseitigt und der Platz mit Mitteln aus dem städtischen Haushalt saniert wurde. Dem vorangegangen war eine Bürgerbeteiligung, die sich klar für eine Anlehnung an eine historische Variante der Sanierung des Angers ausspracht. Dafür erhielt die Stadt Leipzig sogar einen Preis.
Dazu der zuständige Projektentwickler beim Amt für Stadtgrün und Gewässer Torsten Zech:
„Ich habe mich sehr gefreut, dass das engagierte, in Teamarbeit geplante und realisierte Vorhaben beim Sächsischen Landeswettbewerb „Gärten in der Stadt“ mit einem Sonderpreis prämiert wurde. Das zeigt, dass auch kleine Freiraumsituationen gerade in dicht bebauter Lage viel Potential haben, um positiv auf ihre Umgebung zu wirken und es wert sind, gut gestaltet zu werden.
In der Laudatio zur Preisverleihung wurde neben der Gestaltungsqualität besonders auf den Baumerhalt, die damit verbundenen Kompromisse, das Anliegen der Regenwasserversickerung, die Stärkung natürlicher Bodenfunktionen, das Relief und die Multicodierung des Technikschrankes mittels Infotafeln eingegangen.
Die Frage, ob jedes Objekt der Projektentwicklung ein Unikat ist, lässt sich generell und klar mit ja beantworten, da eine Vielzahl von Rahmenbedingungen (Lage, Größe, Bestand, Nutzungsabsicht…) immer anders sind. Trotz Einsatz von bewährten Detaillösungen und Standards bedarf es immer viel Engagement und Kreativität, um das Gelingen des Projektes sicherzustellen und auch die Nachhaltigkeit und Akzeptanz zu erreichen.“
Nun möchte man glauben, dass der Gohliser Anger nach der Sanierung zur Ruhe kommt und seinen Zweck als Aufenthaltsort und Kleinod in Gohlis Süd entfalten kann. Leider wird die Ruhe durch einen Antrag der Fraktion der Freibeuter im Stadtrat, den Platz in Turmgutplatz – Gohliser Anger umzubenennen, gestört. Die Stadtverwaltung setzt noch einen drauf und schlägt angesichts der Aversion gegen Doppelbenennungen vor, Gohliser Anger ganz aus dem Stadtteilbild zu streichen und den Platz nur Turmgutplatz zu nennen.
Angesichts solcher Geschichtsvergessenheit hat der Bürgerverein Gohlis dem Stadtbezirksbeirat Nord vorgeschlagen, die Bezeichnung Gohliser Anger offiziell ins Straßenverzeichnis der Stadt Leipzig aufzunehmen und somit jegliche ahistorischen Debatten, um den Platz ein für alle Male zu beenden. Diesem Vorschlag folgte das Gremium in seiner Sitzung am 08. Februar. Finale Entscheidungsbefugnis hat der Stadtrat. Dieser tagt am 28. Februar. Wir werden als Verein weiterhin dafür kämpfen, dass dem Votum des lokalen Gremiums gefolgt wird und werden dies gegenüber den Vertretern der Verwaltung und der Stadtratsfraktionen einfordern. Über die Ergebnisse dieses Vorhabens berichten wir in der nächsten Ausgabe.
Autor: Tino Bucksch
Anmerkung: am 28.02. ist der Stadtrat dem Antrag fast einstimmig gefolgt. Die Bezeichnung Gohliser Anger ist nun offiziell ins Verzeichnis der Stadt aufgenommen.
Am 1. März öffnet das Leipziger Schillerhaus nach der Winterpause wieder seine Pforten. Die größte Neuerung dabei: der Eintrittspreis fällt weg! Sie können die Ausstellung „Götterfunken“ von nun an jederzeit kostenfrei genießen. Lediglich für Veranstaltungen oder thematische Führungen werden weiterhin Entgelte erhoben. Um die Ausstellung kennenzulernen, bieten sich die thematischen Führungen durchs Museum an, die am ersten Mittwoch im Monat um 15 Uhr angeboten werden. Neu im Programm ist der Stadtrundgang „Auf Dichterspuren durch das alte Gohlis“, der Sie jeden 2. Samstag im Monat um 14 Uhr vom Schillerhaus bis zum Gohliser Schlösschen führt. Natürlich können Sie auch weiterhin zu Ihren Wunschterminen Führungen im Schillerhaus buchen. Ob Familienfeier, Firmenausflug oder der Besuch mit einer Kindergruppe. Hier ist Vieles möglich. Sprechen Sie uns einfach an.
Im Garten des Schillerhauses erwartet Sie wieder ein buntes Sommer-Open-Air Theaterprogramm. Neben den bewährten Ensembles Kulturbeutel, TheaterPACK, Action & Drama oder den Fischelanden Gaffeedanden, wird der junge Leipziger Schauspieler David Leubner Goethes „Leiden des jungen Werther“ auf die Bühne bringen. Das Theaterkollektiv „Freie Radikale“ von der Gohliser Schiller-Schule wird ihr an Schillers „Kabale und Liebe“ angelehntes neues Stück „Der Liebeskomplex“ im Schillergarten spielen.
Musikalisch zelebriert das Schillerhaus am 15. Mai das 200. Jubiläum der Uraufführung von Beethovens Neunter Sinfonie mit einer Abendveranstaltung, bei der der Musikjournalist Claus Fischer Vertonungen dieses musikalischen Klassikers vorstellt und mit Ihnen diskutiert. Am 25. September um 16 Uhr stellen Ihnen Franziska Jenrich-Tran und Museumsbibliothekar Marko Kuhn die neueren Forschungen zum Schiller-Fälscher Heinrich von Gerstenbergk vor, der in großem Stil Schillers Handschriften fälschte und veräußerte. Kritisch befragen sie die museumseigene Sammlung von Schillermanuskripten und präsentieren Ihnen die Ergebnisse in einem Vortrag. Weitere Vorträge am 25. April und am 25. Oktober um jeweils 16 Uhr sind Schillers Mäzen und Lebensfreund Christian Gottfried Körner sowie den bildlichen Darstellungen des großen Dichters gewidmet.
Auch die bewährte Zusammenarbeit mit dem Gohliser Bürgerverein wird fortgesetzt. Den Auftakt bildet der Frühjahrsputz im Schillergarten, zu dem am 20. April ab 10 Uhr aufgerufen wird. Alle freiwilligen Helfer sind willkommen, sich erst im Garten zu betätigen und anschließend am Grill zu laben! Am 16. August um 16 Uhr liest der Schriftstellers Reinhard Bohse aus seinem Historischen Report 1945-1989 „Von einem, der auszog in eine nicht vergangene Zeit“. Das Team des Schillerhauses freut sich darauf, Sie zahlreich wiederzusehen!
Leipzig ist nicht nur eine Stadt, in der gern Wein getrunken wird, er wächst auch an einigen Stellen in der Stadt. Ein Standort befindet sich im Garten des Leipziger Schillerhauses. Aktuell kümmert sich der Gohliser Robert Severin ehrenamtlich um die Weinstöcke und produziert daraus seinen eigenen Tropfen. Perspektivisch möchte er diese Aufgabe jedoch übergeben. Daher werden nun Interessierte gesucht, die sich zunächst mit ihm gemeinsam um die Weinstöcke kümmern und dabei die grundlegenden Kenntnisse von Weinbau und -herstellung erlernen. Wer einen grünen Daumen besitzt und Lust hat, sich im Garten des Schillerhauses zu engagieren, meldet sich bitte unter: Schillerhaus-leipzig@leipzig.de oder unter 0341/5662170.
Autorin: Franziska Jenrich-Tran
Mit Unverständnis hat der Bürgerverein Gohlis e.V. zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Stadt Leipzig den Antrag der Fraktion der Freibeuter im Leipziger Stadtrat, den historischen Stadtplatz in der Menckestraße als „Gohliser Anger – Turmgutplatz“ zu benennen, unterstützt. Zugleich treibt die Stadt das Vorhaben auf die Spitze, indem im Verwaltungsstandpunkt die Doppelbenennung abgelehnt wird, dabei die Bezeichnung „Gohliser Anger“ gleich komplett aus dem Stadtteilbild getilgt werden soll und als Name „Turmgutplatz“ vorgeschlagen wird.
Der Bürgerverein Gohlis fordert die Stadtverwaltung und die Fraktion der Freibeuter auf, ihre beiden Vorschläge zurückzuziehen. Stattdessen sollte auf das Votum der lokalen Akteure und Gremien gehört werden. Aus diesem Grund wird sich der Bürgerverein für die offizielle Benennung Gohliser Anger einsetzen.
Der Gohliser Anger als Herz des ehemaligen Dorfes beherbergte auf seiner Fläche einst wichtige öffentliche Gebäude wie die Schule, die Gemeinde- und die Gerichtsstube. Noch heute ist die Bezeichnung Gohliser Anger tief in der Anwohnerschaft von Gohlis verankert und die Fläche dient als Begegnungsstätte für Nachbarschaftsfeste und Naherholung. Zudem hat der Verein erreicht, dass dieser Platz neu gestaltet worden ist. Diesen Bezug jetzt mit einem Federstreich auszuradieren, zeugt von enormer Unkenntnis der lokalen Bezüge.
„Nach der Umbenennung der Turmgutstraße Ende 2022, welche vom Bürgerverein Gohlis nicht unterstützt werden konnte, folgt nun – in Unkenntnis der lokalen Geschichte – der Versuch, den so wichtigen Namen Turmgut im öffentlichen Raum zu erhalten, dafür aber die Bezeichnung Gohliser Anger zu opfern. Eine Erläuterungstafel soll auch aufgestellt werden. Wir erinnern uns, dass erst im Frühjahr 2023 der sanierte Gohliser Anger der Öffentlichkeit übergeben wurde, versehen mit einer Infotafel mit kurzem Abriss zur Geschichte des Dorfes Gohlis und der Bedeutung des Gohliser Angers. Es erschließt sich uns nicht, was hier passiert und ob sich wirklich alle damit Befassten in der Verwaltung hinreichend mit dem Vorhaben beschäftigt haben.“, so der Vorsitzende des Bürgervereins Gohlis e.V., Tino Bucksch. Zumal der Bürgerverein mit seinen AGs Stadtteilgeschichte, Umwelt und Klima sowie Verkehr und Mobilität ein Positionspapier zur Weiterentwicklung des gesamten Bereiches der Menckestraße verfasst hat. Damit zeigt er, dass es nicht nur um ein Zurückschauen sondern auch um eine Zukunftsvision des Areals geht.
Gerne bietet der Bürgerverein der Stadtverwaltung und der Fraktion der Freibeuter einen Stadtteilrundgang mit einer ausführlichen Schilderung der Historie von Gohlis und der Bedeutung des Angers an. Die Arbeitsgemeinschaft Stadtteilgeschichte, die dazu seit drei Jahrzehnten forscht, kann den daran beteiligten Akteuren einige wichtige Informationen zum Thema anbieten.
Am Mittwoch, den 17.01.204 trifft sich ab 19 Uhr die AG Mobilität und Verkehr des Bürgervereins Gohlis e.V. im Musikzimmer des Budde-Hauses, Lützowstraße 19.
Zentrale Punkte der Tagesordnung wird der aktuelle Stand der Verkehrsprojekte im Stadtteil sein. Gerade die geplante Sanierung der Landsberger Straße und der Georg-Schumann-Straße aber auch die angestrebte Umgestaltung des Kreuzungsbereiches Virchowstraße und Lützowstraße stehen dabei im Fokus. Aber auch die Erkenntnis für Gohlis aus dem Entwurf des Stadtplatzprogramms sowie die Planungen für die Veranstaltungen 2024 sollen diskutiert werden.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, an dem Treffen teilzunehmen. Es können auch weitere Themen und Ideen eingebracht werden.
Bis zum 10. November wird unsere Ausstellung „30 Jahre in Gohlis, 30 Jahre Bürgerverein“ im Stadtbüro, Burgplatz 1 zu sehen sein.
2022 feierte der Bürgerverein Gohlis sein 30-Jähriges. Dabei schaute der Verein nicht nur auf die letzten drei Jahrzehnte des Vereins zurück, auch wie sich der Stadtteil in dieser Zeit verändert hat und an welchen Stellen diese Veränderungen durch oder mit dem Bürgerverein vollzogen wurden, stand im Fokus.
Auf dem Jubiläumsempfang des Bürgervereins am 23. September 2022 im Gohliser Schlösschen wurde die Ausstellung „30 Jahre in Gohlis, 30 Jahre Bürgerverein“ – bestehend aus 11 Rollups – präsentiert. Die Ausstellung soll den Wandel von Gohlis und den Beitrag des Bürgervereins dazu in den letzten drei Jahrzehnten dokumentieren.
Alle interessierten Bürgerinnne und Bürger sind natürlich herzlich eingeladen, im Stadtbüro vorbeizuschauen. Die Roll-Ups beinhalten u.a. das Schillerhaus, das Gohliser Schlösschen, das Budde-Haus, Denkmalschutz in Gohlis, den alten Ortskern, den Radbogen Nord, den Bürgerverein Gohlis, Handschwengelpumpen in Gohlis, Gohliser Plätze uvm..
von Hannes Meißner
geht man gern mal raus und erkundet die Nachbarschaft, denn man lernt nie aus. So gab es auch diesmal wieder viel zu hören und zu lernen. Anlässlich der 11. Tage der Industriekultur sowie des Tags des offenen Denkmals lud der Bürgerverein in diesem Jahr Interessierte zu einem Rundgang durch die Anlagen der ehemaligen Bleichert-Werke ein.
Geführt von der Kunsthistorikerin Elisabeth Schulz hörten sich jeweils mehr als 50 TeilnehmerInnen Geschichte und Geschichten rund um das Thema Bleichert an. Einige ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brachten aber auch eigene Erfahrungsberichte mit ein.
So wurden hier in Gohlis und auch im benachbarten Eutritzsch neben den weltberühmten Drahtseilbahnen auch Krane, Schiffsverladeanlagen, Elektrohängebahnen, Lagerplatzbrücken und Elektrofahrzeuge hergestellt. Aber hier wurde hauptsächlich geplant und entwickelt, die Produktion erfolgte auch damals schon an günstigeren Standorten und der Aufbau schließlich vor Ort. Das ist auch ein Grund für die vielen Verwaltungsgebäude auf dem Gelände.
Dennoch vegetierte diese bedeutende Gohliser Industrieanlage viele Jahre vor sich hin und verfiel allmählich. Im Internet finden sich noch einige Videos zu diesem „Lost Place“, der bereits 1993 unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Danach wurde hier nichts mehr produziert, dafür aber geplant: das Areal sollte wieder nutzbar gemacht und in ein Wohnquartier umgestaltet werden. In einer Kombination aus Denkmalsanierung und Neubau konnte dieser Prozess 2021 abgeschlossen werden, sodass die ehemaligen Bleichert-Werke nun in neuem Glanz erstrahlen und wieder mit Leben gefüllt sind.
Der Bürgerverein Gohlis nimmt dieses Jahr am Tag des offenen Denkmals und am Tag der Industriekultur mit zwei Veranstaltungen bzw. Führungen teil.
Tag des Offenen Denkmals, 10. September
Gestatten: Budde-Haus. Ein besonderes (Kultur-)Denkmal stellt sich zum Tag des Offenen Denkmals vor.
Programm
14.00 bis 18.00 Uhr Ausstellung “30 Jahre in Gohlis – 30 Jahre Bürgerverein”
14.30 & 16.00 Uhr Führungen durchs Budde-Haus
15.30 Uhr Führung durch die ehemaligen Bleichertwerke mit dem Bürgerverein Gohlis (Eingang Bleichert-Werke, Lützowstraße 34)
17.30 Uhr Filmvorführung “Seilbahnkönig & Tagebaugigant” (mdr-Dokumentation über die Bleichertwerke)
Eintritt frei!
Einlass: ab 14.00 Uhr
Tag der Industriekultur, 15. September
14.00 bis 18.00 Uhr Ausstellung “30 Jahre in Gohlis – 30 Jahre Bürgerverein” ”
17.00 bis 18.30 Uhr Führung durch die ehemaligen Bleichertwerke mit dem Bürgerverein Gohlis ” (Eingang Bleichert-Werke, Lützowstraße 34)
Die Ausstellung “30 Jahre in Gohlis – 30 Jahre Bürgerverein” ist im Zeitraum vom 10. bis 15. September zu den Öffnungszeiten des Budde-Haus zugänglich.
von Tino Bucksch
Neues aus der Rubrik „Was bringt eine Mitgliedschaft im Bürgerverein?“ – am 20. Juli konnten die Mitglieder des Vereins zum zweiten Mal nach 2019 an einer exklusiven Führung in den Katakomben des Kauflandes teilnehmen. Es war beeindruckend zu sehen, was aus den alten Brauereikellern geworden ist. Teilweise sind diese für eine Tiefgarage umgebaut worden, teilweise sollen diese gastronomisch-kulturell genutzt werden. Über die Sinnhaftigkeit dieser Idee kann man streiten. Auf jeden Fall hat es allen Teilnehmenden gefallen. Auch der Input von unserem langjährigen Mitglied Hanswerner Herold zur Geschichte der Brauerei und dem Sanierungsprozess hat noch die eine oder andere Erkenntnis und humorvolle Anekdote zu Tage gebracht.
2022 feierte der Bürgerverein Gohlis sein 30-Jähriges. Dabei schaute der Verein nicht nur auf die letzten drei Jahrzehnte des Vereins zurück, auch wie sich der Stadtteil in dieser Zeit verändert hat und an welchen Stellen diese Veränderungen durch oder mit dem Bürgerverein vollzogen wurden, stand im Fokus.
Auf dem Jubiläumsempfang des Bürgervereins am 23. September 2022 im Gohliser Schlösschen wurde die Ausstellung „30 Jahre in Gohlis, 30 Jahre Bürgerverein“ – bestehend aus 11 Rollups – präsentiert. Die Ausstellung soll den Wandel von Gohlis und den Beitrag des Bürgervereins dazu in den letzten drei Jahrzehnten dokumentieren.
Als zweite Station wird die Ausstellung nun vom 05. Juli bis 25. August in der Stadtteilbibliothek „Erich Loest“ (Georg-Schumann-Straße 105) Station machen.
Daran wird das Budde-Haus im Rahmen des Tages des offenen Denkmals bzw. dem Tag der Industriekultur (10. September bis 15. September) anschließen.
Den Abschluss wird vom 30. Oktober bis zum 10. November das Stadtbüro, Markgrafenstraße 3 bilden.
Alle interessierten Gohliserinnen und Gohliser sind natürlich herzlich eingeladen, an einem der Standorte vorbeizuschauen. Die Roll-Ups beinhalten u.a. das Schillerhaus, das Gohliser Schlösschen, das Budde-Haus, Denkmalschutz in Gohlis, den alten Ortskern, den Radbogen Nord, den Bürgerverein Gohlis, Handschwengelpumpen in Gohlis, Gohliser Plätze
von Heidrun Zinecker
Gohlis, erstmals urkundlich erwähnt 1317, war im Spätmittelalter ein grundherrschaftliches Lehen des Bischofsstifts Merseburg und dann des Wettin‘schen Lehnsherrn, dem Markgrafen von Meißen. Lehen wurden, etwa von (Kur)Fürsten und Herzogen, im Gegenzug zu militärischer Gefolgschaft und politischer Treue an sog. Vasallen „verliehen“. Im Fall von Gohlis geschah das zunächst dem Ritter und markgräflichen Vogt Johannes Porzk/Porzig (auch Lehensnachfolger der Herren von Wahren) und dann, für mehr als zwei Jahrhunderte, der Adelsfamilie Pflugk (Meißen‘sche Linie). Die Pflugks stammten aus Böhmen/Prag und waren bereits zuvor in Strehla an der Elbe belehnt worden. Gohlis gelangte 1349 in ihre Hände. Insbesondere die Brüder Tham/Thammo/Dam (Damianus) (*ca. 1385 Knauthain – †1426 Aussig) und Otto Pflugk (*ca. 1382 Knauthain – †1426 Aussig) nahmen sich des Lehens an. Beide waren Söhne des Nickel Pflugk auf Knauthain, dem Herrn von Wildenfels, Strehla und Frauenhayn. Während Tham Amtmann von Quedlinburg und als Rat dem Markgrafen von Meißen, Friedrich d. IV. Streitbaren, verpflichtet war, diente Otto Pflugk selbigem als Hofmarschall. Die Brüder fielen in den Hussitenkriegen in der Schlacht bei Aussig, das damals zur Mark Meißen gehörte. Später übernahm Ururenkel Benno Pflugk (*ca. 1510 Zschocher – † vor 1579), seines Zeichens Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld, Amtmann bzw. Hauptmann zu Sangerhausen sowie kursächsischer Rat, das Gut Gohlis, das er dann seinerseits seinem Schwiegersohn Carl Dieskau (*1528 Zschocher – †1620 Zschocher) vermachte. Ab 1393 fand die Pflugk‘sche Familiendynastie ihr Grab in einer eigens errichteten Marienkapelle an der Nordwand der Leipziger Paulinerkirche. Beide Familien, die Pflugks wie die Dieskaus, sollen „wenig Sorgfalt“ (Otto Moser) auf Gohlis verwendet haben, zumal sie dort weder Sitz noch Hof hatten. Den Dieskaus schließlich verursachte der Dreißigjährige Krieg, der in den Dörfern des Leipziger Umlands etwa zwei Drittel der Bevölkerung dahinraffte, derart viel Schaden – Gohlis wurde dabei fünfmal niedergebrannt –, dass sie das Gut 1659 an einen Bürgerlichen, den Professor der Medizin Dr. Michael Heinrich Horn, weiterverkauften.
von Tino Bucksch
2022 feierte der Bürgerverein Gohlis sein 30-jähriges Jubiläum. Dabei schauten wir nicht nur auf die letzten drei Jahrzehnte ehrenamtlichen Engagements zurück. Auch wie sich der Stadtteil in dieser Zeit verändert hat und an welchen Stellen diese Veränderungen durch oder mit dem Bürgerverein vollzogen wurden, stand im Fokus.
Auf dem Jubiläumsempfang des Bürgervereins am 23. September 2022 im Gohliser Schlösschen wurde die Ausstellung „30 Jahre in Gohlis, 30 Jahre Bürgerverein“ – bestehend aus 11 Rollups – präsentiert.
Als Auftakt konnte die Ausstellung vom 04.05. bis zum 30.06. im Pflegedienst Ambulantis Sylvia Ohnsorge besichtigt werden. Danach wird die Ausstellung vom 05.07. bis 25.08. in der Stadtteilbibliothek „Erich Loest“ (Georg-Schumann-Straße 105) Station machen. Vom 10.09. bis zum 15.09. wird die Ausstellung im Rahmen des Tages des offenen Denkmals bzw. dem Tag der Industriekultur im Budde-Haus (Lützowstraße 19) zu sehen sein. Den Abschluss wird die Station im Stadtbüro vom 30.10. bis zum 10.11. (Burgplatz 1) bilden.
Alle interessierten Gohliserinnen und Gohliser sind natürlich herzlich eingeladen, an einem der Standorte vorbeizuschauen. Die Rollups informieren u.a. über das Schillerhaus, das Gohliser Schlösschen, das Budde-Haus, Denkmalschutz in Gohlis, den alten Ortskern, den Radbogen Nord, den Bürgerverein Gohlis, Handschwengelpumpen in Gohlis und Gohliser Plätze.
Auch mit der dritten Teilnahme am Stadtteilrundgang im Rahmen von Jane´s Walk konnte der Bürgerverein Gohlis eine Begehung auf die Beine stellen, die enorm viele Interessenten anlockte. Mit über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war der Rundgang durch die Krochsiedlung am 07. Mai unter Leitung von ehemaligen Vorständen des Bürgerverein Krochsiedlung wie Herrn Dr. Seidel oder Herrn Krause ein Höhepunkt der Jane´s Walk-Woche.
Dabei erfuhren die Gäste nicht nur spannende Details zu den architektonischen und stadtentwicklungspolitischen Hintergründen der 1929-1930 erbauten Siedlung, sondern es gab mit einer Vielzahl von Anekdoten auch einen Einblick in den Lebensalltag der Bewohner der Siedlung seit deren Bestehen.
Natürlich wurde auch die wichtige Rolle, die der mittlerweile aufgelöste Bürgerverein Krochsiedlung spielte, deutlich gemacht. Das in Verhandlungsprozessen auch die zivilgesellschaftliche Perspektive wichtig ist, zeigt die erfolgreiche Arbeit des ehemaligen Bürgervereins der Krochsiedlung. Als Zeichen der Würdigung und Unterstützung der Arbeit des Bürgerverein Gohlis überreichte Dr. Seidel dem Vorsitzenden Tino Bucksch ein Beitrittsformular. Für alle Teilnehmenden war der Sonntag ein voller Erfolg.
von Tino Bucksch
In der 2. Ausgabe unseres Gohlis Forums haben wir dem Schillerhaus 4 Sonderseiten gewidmet. Diese sollten dem inhaltlichen Auftakt für die Wiedereröffnung des so wichtigen kulturellen Kleinodes in Gohlis dienen. Seit September 2022 war das Schillerhaus für Besucherinnen und Besucher nicht zugänglich und es fanden auch keine weiteren Veranstaltungen statt. Umso mehr hat es den Bürgerverein gefreut, am 1. April zum Tag der offenen Tür und Wiedereröffnung des Schillerhauses mit einem Stand dabei gewesen zu sein. Mit unserem Gohliser Historischen Heft Nr. 6 „Straßennamen in Gohlis“ (mehr dazu auf Seite 5) sowie unserem Gohlis Kalender konnten wir den ca. 850 Gästen die Arbeit des Vereins präsentieren. Die besondere Beziehung zum Schillerhaus und die jahrelange gute Kooperation aber symbolisierte eines von 12 Roll-Ups unserer Ausstellung „30 Jahre in Gohlis, 30 Jahre Bürgerverein“, bei der extra eine Stellwand dem Schillerhaus gewidmet ist. Unzählige interessierte Gäste sind davor stehen geblieben und haben die eine oder andere neue Information mitgenommen.
Unsere Ausstellung geht auf Wanderschaft im Stadtteil: Auftakt wird am 03. Mai bis zum 30. Juni die Ambulantis Sylvia Ohnesorge (Foyer der Einrichtung in der Breitenfelder Straße sein) sein. Danach vom 05. Juli bis 25. August in der Stadtteilbibliothek „Erich Loest“ (Georg-Schumann-Straße 105) und im Budde-Haus (Lützowstraße 19) wird sie im Rahmen des Tages des offenen Denkmals bzw. dem Tag der Industriekultur 10. bis 15. September zu sehen sein.
Dieses Positionspapier des Bürgervereins und seiner Arbeitsgemeinschaften Stadtteilgeschichte, Mobilität und Verkehr sowie Umwelt und Klima ist an den Bürgermeister Rosenthal und Dienberg, die Fraktionsvorsitzenden der Parteien im Stadtrat und an die Fachabteilungen versandt worden.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dienberg,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Rosenthal,
mit Spatenstich am 5. September 2022 begann die von unserem Bürgerverein und vielen Anwohnerinnen und Anwohnern schon lang ersehnte Sanierung des Gohliser Angers. Darüber freuen wir uns sehr, wird doch nun aus dem wilden Parkplatz wieder eine ansehnliche Grünfläche im Herzen der Menckestraße. Auch die Idee, mit einem Trinkbrunnen Menschen vor der zunehmenden Hitze zu schützen, begrüßen wir. Allerdings wird aus unserer Sicht bislang mit dem Umbau des Angers eine große Chance vertan, über die Sanierung der Grünfläche hinaus ein Modellprojekt für einen modernen, klimagerechten und autoarmen Stadtumbau zu wagen. Das möchten wir ändern.
Im Frühjahr erhielt die Stadt den Zuschlag von der EU, als eine von 100 Modellkommunen „Klimaneutrale Stadt 2030“ zu werden. In der Ratsversammlung am 13. Oktober beschloss der Stadtrat das Energie- und Klimaschutzprogramm 2022. Beide Ereignisse begrüßen wir sehr. Doch: Wie will Leipzig diese sehr ambitionierten Ziele so kurzfristig erreichen?
Wir meinen: Am besten, indem sie konkrete Projekte in den Stadträumen dafür nutzt. Dabei muss die Stadt das Rad nicht neu erfinden, sondern sollte bei den Projekten, an denen sie bereits arbeitet, gleich Klimaschutz und Klimaanpassung mitdenken und vor Ort umsetzen.
Nach Auffassung des Bürgervereins Gohlis bietet sich die Maßnahme am Gohliser Anger bestens an, um über die reine Sanierung der Grünanlage hinaus zu denken und den gesamten Straßenraum neu zu gestalten.
Was aus unserer Sicht in diesem an sich sehr schönen Projekt fehlt, ist die Berücksichtigung von Fragen wie:
Wir meinen: Das Areal der Menckestraße rund um den Gohliser Anger wäre eine wunderbare Gelegenheit, eine Maßnahme auf viele gesamtstädtische Ziele auszurichten. Wir sehen den Raum zwischen Schlösschenweg und Gohliser Straße als echte Chance, ein Exempel zu statuieren, bei dem vermeintlich so gegensätzliche Interessen wie Aufenthalt und Bewegung im Freien, generationenübergreifendes Quartier, familienfreundliches Wohnen und quartiersnahe Sport- und Freiraumangebote, nachhaltige Mobilität und vor allem klimabewusste Stadtgestaltung miteinander in Einklang gebracht werden können, zum Vorteil aller.
Tatsächlich wurden diese Punkte im Gespräch mit dem Grünflächenamt vor Ort geführt, bei der kurzfristig anberaumten Bürgerveranstaltung im Gohliser Schlösschen im August 2021. Bei der dortigen Vorstellung erster Überlegungen hatten wir bereits darum gebeten, das Projekt über die Grünfläche hinaus zu überdenken und soziale und klimaschützende Aspekte mit einzubeziehen. Dabei baten wir ganz konkret um Abstimmung mit dem VTA, dem Referat für Nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz und dem Stadtplanungsamt. Wir hätten uns gewünscht, dass diese Hinweise aufgegriffen und ein Konzept über die Grünfläche hinaus entwickelt würde. Dies war leider nicht der Fall. Nun kommen wir auf diesem Weg darauf zurück.
Wir, der Gohliser Bürgerverein, haben im Nachgang zu der Bürgeranhörung in einem breiten Meinungsbildungsprozess zwischen AG Umwelt und Klimaschutz, AG Verkehr und Mobilität, AG Stadtteilgeschichte und Vorstand eine Vision entwickelt, wie das soziale Leben auf der Menckestraße zwischen Gohliser Straße und Schlösschenweg aussehen könnte. Wir wünschen uns einen Mencke-Kiez, weg von reiner (Auto-) Verkehrsplanung, wo die Begegnung von Menschen und die Aufenthaltsqualität im städtischen Raum im Vordergrund stehen, einen Kiez, bei dem nicht nur der Platz, sondern der gesamte Straßenraum mitgedacht wird. Einen Gohliser Anger, der – wie es seiner historischen Funktion entspricht – ein Platz im Herzen von Gohlis-Süd ist, wo Menschen allen Alters und mit und ohne körperliche Einschränkungen gefahrlos miteinander die Grünfläche nutzen können, sich gern aufhalten, begegnen und miteinander ins Gespräch kommen.
Dafür bitten wir Sie um Entwicklung eines konkreten Konzeptes. Hierfür haben wir bereits umfangreiche Anregungen und Ideen gesammelt.
Konkret stellen wir uns – beispielgebend – Folgendes vor:
Weitere Schritte:
Wir freuen uns sehr, wenn die Ideen, konkrete Projekte, die von engagierten Bürgern vorangetrieben werden, seitens der Stadtverwaltung dazu genutzt werden, den Stadtumbau hin zu einer ökologischen, klimaneutralen und krisenfesten Stadt mit den Menschen im Mittelpunkt schnell und zielgerichtet voranzutreiben. Der Livia-Platz war hierfür ein sehr gutes Beispiel. Wir begrüßen das sehr und bieten gern unsere Unterstützung bei der weiteren Ideenfindung, Bürgerbeteiligung und Umsetzung an.
Herzlichen Dank. Wir freuen uns auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit.
von Petra Voigt
Als Einstieg auf den Stadtteilrundgang folgt ein Interview mit Herrn Dr. Seidel und ein Beispiel, was ein Verein alles so leisten kann.
Ein Vorwort:
1928 plante die 1922 von Hans Kroch gegründete AG für Haus – und Grundbesitz wegen der akuten Wohnungsnot in Leipzig die Errichtung einer großen Wohnanlage im Stil des „NEUEN BAUENS“ oder auch Bauhausstil am nördlichen Rand der Stadt.
Hans Kroch entstammte einer angesehenen jüdischen Familie in Leipzig und war ein geschickt agierender Geschäftsmann und Bankier. Mit ihm verbindet man auch das „Kroch-Hochhaus“ am Augustusplatz mit seinem Glockenspiel, Industriepalast und das Königshaus.
Nach einem Architekturwettbewerb planten die Berliner Architekten Mewes und Emmerich eine Wohnanlage mit 1018 2 – 4 Raumwohnungen, die heute noch im Bestand sind.
Herr Dr. Seidel lebt mit seiner Frau seit über 60 Jahren in der Siedlung. Er hat diese Zeit engagiert verfolgt und insbesondere nach der Wende machte sich der Bürgerverein Krochsiedlung e.V. zur Aufgabe, die Restitutionsansprüche der Krocherben, die Sanierung durch den neuen Eigentümer zu unterstützen und mit diesem gemeinsam eine kleine „Schlacht“ gegen die Denkmalschutzbehörde zu schlagen.
Das Interview führte Petra Voigt (2.Vorsitzende Bürgerverein Gohlis)
Herr Dr. Siedel, zunächst herzlichen Dank, dass Sie die Führung durch die Siedlung übernehmen. Ohne Ihren Berichten und Erzählungen vorgreifen zu wollen, geben Sie uns doch eine kleine Über-sicht zur Geschichte der Krochsiedlung:
Herr Dr. Seidel: Die Gebäude wurden im Zeilenbau mit quergestellten Kopfbauten errichtet. Variantenreiche Gestaltung der Grundrisse, farbliche Gestaltung der Fassaden, unterschiedliche Hauseingänge, Loggien und Balkone zeichnen diese Bauten aus. In jeder Zeile befand sich ein mit Hecken umfasster Spielplatz mit Bänken für die Eltern, Teppichklopfstangen u.s.w.. Bereits damals gab es Heizung und Warmwasser, gesichert durch 7 Heizkeller. Ebenso 14 Waschküche mit damals moderner Technik nebst Trockenräumen. Zugleich wurde in der Max -Liebermann – Str. eine Ladenzeile errichtet, die heute noch gewerblich genutzt wird. Sieben Gärtner pflegten die parkähnlichen Anlagen zwischen den Zeilen mit ausgewähltem Baum – und Straucharten. Am 30.10.1930 wurde das Areal offiziell unter „Wohnstadt Gohlis – Nord“ eingeweiht. Schon bald erhielt die Wohnanlage von der Bevölkerung den Namen „Krochsiedlung“. Wenn wir am 07.05.2023 das Areal besichtigen, kann ich Ihnen Geschichte und Geschichtchen näherbringen.
Herr Dr. Seidel, vielleicht doch noch ein paar Ausführungen:
Herr Dr. Seidel: „Nun, anhand der Siedlung ist die wechselvolle Geschichte vom Dritten Reich, über die DDD bis zur Wende 1989 nachzuvollziehen. 1938 verschleppten die Nazis Hans Kroch in ein KZ. Nachdem die Familie auf den gesamten Besitz verzichtet hatte, kam er frei und emigrierte. Seine Frau wurde im KZ Ravensbrück ermordet. Ein Stolperstein, den meine Frau und ich gestiftet haben, vor dem Haus in der Sebastian-Bach-Str. 53 erinnert daran. Die DDR hat die Krochsiedlung 1951 in Volkseigentum überführt und völlig überraschend 1980 auf die Denkmalschutzliste der Stadt Leipzig aufgenommen. Dies hatte in der DDR keine weitreichenden Folgen. Diese überlies die Siedlung sich selbst und sie bot 1989/90 einen doch recht erbärmlichen Anblick. Nach der Rückübertragung der Siedlung an die Krocherben 1996 verkauften diese 1997 an den mittelständischen Bauunternehmer, Gaedeke, aus Mölln, der das Areal weiter liebevoll sanierte. Am Rande: Zuvor hatte bereits die LWG mit der Sanierung begonnen, jedoch nach Fertigstellung von 20 % gestoppt. Es dauerte 5 Jahre, bis die Sanierung weiterbetrieben wurde. Plötzlich war das Thema „Denkmalschutz“ auf dem Plan. Baustopps wurden verhängt. So, wegen der geplanten Anbringung von Wärmedämmung. Die Denkmalschutzbehörde Leipzig lehnte dies ab. Die Firma Gaedeke suchte sich Unterstützung unseres 1992 gegründeten Vereins. Gemeinsam, ich würde sagen, kämpferisch, haben wir erreicht, dass sich eine bewohnbare Siedlung auf aktuelle Herausforderungen einstellen musste. Es wird auch deutlich, dass Bauen, Denkmalschutz und Umweltschutz durchaus realisierbar sind. Dafür hatte sich der Bürgerverein Krochsiedlung eingesetzt und es geschafft.
Herr Dr. Seidel, vielen Dank für die kleine Vorschau. Wir sind gespannt auf den 07.05.2023.
Ein Nachwort: Der Bürgerverein Gohlis e.V. hatte 1999 eine Sonderausgabe „Krochsiedlung“ herausgegeben. Diese Ausgabe werden wir auf unserer Homepage bereitstellen und ggf. einige Exemplar am 07.05.2023 mitbringen.
Für Interessenten zum Thema Kroch in Leipzig verweisen wir auf das Buch: Kroch Der Name bleibt. Von den Autoren Hans-Otto Spithaler/Rolf H. Weber / Monika Zimmermann. Erschienen im Mitteldeutschen Verlag Halle (Saale)
von Tino Bucksch
Im Rahmen des weltweiten Projektes Jane´s Walk, an dem sich seit 2019 auch Leipzig beteiligt, veranstaltet der Bürgerverein Gohlis am Sonntag, dem 07.05.2023 einen Stadtteilspaziergang durch die Krochsiedlung. Ab 14 Uhr (Treffpunkt: Helgoländer Weg Ecke Norderneyer Weg) laufen wir gemeinsam entlang der markanten Punkte der Siedlung. Die Führung wird Dr. Seidel, Bewohner der Krochsiedlung und langjähriger Vorsitzender des Bürgerverein Krochsiedlung durchführen. Mit seinem Wissen aus 60 Jahren wird dieser einen Einblick in die komplexe Geschichte der Siedlung und deren Architektur und Grundstruktur geben.