Skip to content Skip to left sidebar Skip to footer

Schlagwort: Stadtteil

Schillerhaus en miniature als Tastmodell in Bronze

Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig erweitert inklusive Besucherangebote

Wenn die Museen nach ihrer coronabedingten Schließung wieder öffnen dürfen, wartet das Schillerhaus Leipzig in der Gohliser Menckestraße mit neuen Angeboten auf: Ein Tastmodell aus Bronze im Maßstab 1:100 gleich hinter dem Eingangsportal ermöglicht insbesondere sehbehinderten und blinden Besuchern, sich eine Vorstellung des historischen Gebäudeensembles zu verschaffen. Das eigentliche Schillerhaus wie auch das Kastellanhaus und der Garten sind in ihrer Lage zueinander, ihren Größenverhältnissen und ihrer Beschaffenheit in vielen Details zu ertasten.

Das Tastmodell wurde entworfen und realisiert von dem Bildhauer Jochen Zieger und der Bronzebildgießerei Noack aus Leipzig. Die beiden haben bereits langjährige Erfahrung mit Tastmodellen aus Bronze vorzuweisen, auch die beliebten Modelle vor der Universität am Augustusplatz und an der Thomaskirche beispielsweise stammen aus der Bronzebildgießerei Noack. Die Erfahrung zeigt, dass inklusive Angebote wie diese auch bei allen anderen Besuchern und Neugierigen ausgesprochen beliebt sind.

Zugleich erhalten Besucher die Möglichkeit, sich mit Hilfe eines mobilen Audioguides auf einen Hörrundgang durch die Anlage und die Ausstellung führen zu lassen, der ebenfalls speziell für sehbehinderte und blinde Gäste entwickelt wurde. Hier versetzen nicht nur Texte und Beschreibungen, sondern auch Musikbeispiele den Besucher in die Sommermonate des Jahres 1785, in denen Friedrich Schiller in diesem Bauernhaus in Gohlis lebte, neue tiefe Freundschaften schloss und unter anderem seine berühmte »Ode an die Freude« dichtete. Für den Hörrundgang zeichnet die Berliner Firma Linon. Medien für Museen verantwortlich.

„Modell und Hörrundgang sind erste inklusive Angebote im Schillerhaus. Weitere Angebote werden in den nächsten Jahren folgen, wobei es in der denkmalgeschützten Anlage aus dem 18. Jahrhundert immer schwer bleiben wird, wirklich Barrierefreiheit herzustellen.“, so Ulrike Dura, stellvertretende Direktorin und Leiterin des Bereich Kunstsammlung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig.

Beide Projekte wurden gefördert durch das Investitionsprogramm Barrierefreies Bauen 2020 „Lieblingsplätze für alle“ des Freistaates Sachsen und der Stadt Leipzig.

Geschichte in Geschichten (Teil 4) – Schüler fragen Zeitzeugen: Dr. Karl Heinz Hagen

Von Valentina Michel, Alena Ackermann und Sophie Schmeiduch (Bearbeitet und gekürzt durch Ursula Hein und Wolfgang Leyn)

Dr. Karl Heinz Hagen, Jahrgang 1954, absolvierte 1973-77 bei Carl Zeiss Jena eine Berufsausbildung mit Abitur. Nach dem Pädagogik-Studium war er bis 1985 Lehrer für Geschichte und Deutsch an der 10-klassigen Polytechnischen Oberschule „Friedrich Schiller“ in Gohlis, der Turmschule. 1989 folgte die Promotion an der Uni Leipzig. 1990 wurde er vom Kollegium der Schillerschule zum Schulleiter gewählt. Gemeinsam mit Schülern und Eltern entwickelte er das Konzept eines allgemeinbildenden Gymnasiums mit beruflicher Orientierung. Doch Sachsen übernahm das gegliederte Schulsystem nach dem Vorbild Bayerns und Baden-Württembergs, das Thema war damit erledigt. 1992 wechselte er als Lehrer und Oberstufenberater ans Humboldtgymnasium, organisierte dort die ersten Schülerfirmen in Sachsen. 1995-2010 war er Referent am Sächsischen Institut für Lehrerfortbildung in Meißen-Siebeneichen, seit 2006 auch Lehrer am Beruflichen Gymnasium. Zur Zeit der Wende lebte er mit Frau und drei Kindern in Leipzig.

Gibt es etwas, das typisch für die Erziehung der Kinder in der DDR war oder für Ihr Leben als Kind oder Jugendlicher?

Typisch war, dass wir eigentlich in der gesamten Schulzeit in eine Organisation eingebunden waren. Erst die Jungpioniere und später der Jugendverband FDJ. Die waren straff organisiert, mit Uniformen und Fahnen. Das haben wir als normal betrachtet und nicht groß darüber nachgedacht. Natürlich sind wir damit in gewisser Weise beeinflusst, ja sogar vereinnahmt worden. Andererseits hatte ich eine sehr glückliche Kindheit.

Unter welchen Verhältnissen sind Sie aufgewachsen?

Ich bin auf dem Land aufgewachsen, wir hatten den Wald vor der Haustür. Ich hatte einen großen Freundeskreis. Kinder waren damals unbeschwerter unterwegs, die Eltern hatten auch nicht so eine Angst um sie. Wenn wir mal mit einem aufgeschlagenen Knie nach Hause kamen, rannte niemand zum Anwalt, damit derjenige, der das Loch in der Straße zu verantworten hat, dafür bezahlen muss. Da kriegte man paar hinter die Ohren: Pass beim nächsten Mal besser auf. Das Leben der Menschen war damals von mehr Zusammenhalt geprägt. Das war aber auch dem Mangel geschuldet. Jeder hatte irgendwas, das man nicht ohne weiteres kriegte. Der eine hatte Holz, der andere hat selbst geschlachtet, das war auf dem Land so. Da hat man dann getauscht, hat sich auch gegenseitig geholfen.

Sind Ihre Träume und Ziele von damals vergleichbar mit denen der jetzt 20- oder 30-Jährigen?

Ich denke, wir waren in der gleichen Weise verrückt wie die heute 20-Jährigen, wir hatten nur andere Bedingungen. Bei uns gab es noch kein Internet, keine Handys. Wir hatten Freundinnen, Freunde. Wir haben uns nach der Schule verabredet, waren zusammen beim Jugendtanz. Was wir damals nicht hatten, das waren diese Reisemöglichkeiten, wie sie heute zum Beispiel meine Enkeltöchter haben. Wo die überall schon waren mit ihren neun bzw. viereinhalb Jahren! Aber ich frage mich manchmal, was für sie noch ein erstrebenswertes Ziel sein wird, wenn sie 20 … 25 Jahre alt sind, als Studenten. Wenn ich hätte reisen können, hätte ich das vielleicht auch gewollt. Aber das war für uns kein Thema. Ich habe an der Grenze im Sperrgebiet gewohnt. Am Zaun war die Welt zu Ende. Basta!

Würden Sie sagen, dass die Mauer heute noch in den Köpfen existiert?

Je nachdem. Die Leute haben ja ganz Verschiedenes erlebt. Manche haben überhaupt nicht verstanden, was da passiert ist. 1989 war ich 35 Jahre alt und hatte an der Uni promoviert, dann ist über Nacht alles umgekippt. Was bisher unten war, ist auf einmal oben, und du musst dich neu orientieren. Da gab’s Leute, denen ist das relativ leicht gefallen, die gingen damals über Österreich in den Westen. Manche haben sogar ihre Kinder zurückgelassen. Andere kamen mit der Entwicklung überhaupt nicht klar und sind in Depressionen verfallen. Wieder andere haben völlig euphorisch „Helmut, Helmut!“ gerufen, denen konnte es mit der Einheit gar nicht schnell genug gehen. Die Mauer in den Köpfen, die gibt es bis heute, nicht nur bei den Ostdeutschen. Wenn man in Bayern oder in Österreich mit Einheimischen zusammensitzt und ins Gespräch kommt, da staunt man, wie wenig die wissen von dem, was im Osten passiert ist. Für viele Wessis hatte man hier den Slogan: „Jung, dynamisch, erfolglos“. Eine anderer böser Spruch war: „Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, beim Wessi ist das anders rum.“ Andererseits galten wir als „Jammer-Ossis“. Ich sehe die Chance, diese Vorurteile zu überwinden bei eurer Generation und der Generation meiner Kinder – ich habe selber drei erwachsene Kinder – und ich sehe, wie entspannt, wie ganz anders sie an manche Sachen herangehen. Aber ich sehe auch die Verantwortung, sich mit der Geschichte zu beschäftigen.

Zurück zu zwei Daten, dem 9. Oktober 1989 und dem 9. November. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ich sage ganz ehrlich, ich habe nicht zu den mutigen Männern und Frauen gehört, die über den Ring marschiert sind, mit dem Ziel, diese DDR zu beseitigen. Ich war zu der Zeit verheiratet, hatte drei Kinder und hatte erlebt, wie die Staatssicherheit über den Lebensgefährten meiner Mutter zugegriffen hatte. Uns war nicht klar, wie der 9. Oktober ausgehen würde. Es war ein großes Glück, dass Kurt Masur und die anderen fünf, darunter der 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung, sich mit der Bitte an die Bevölkerung gewandt haben, die Situation nicht in Gewalt ausarten zu lassen. Das hätte auch ganz anders ausgehen können. Es ist bis heute ungeklärt, ob es einen Schießbefehl wirklich gegeben hat. Ich kam gegen 17 Uhr aus der Uni, da standen Autos von der Kampfgruppe und von der Armee. Die Straßenbahngleise am Augustusplatz, dem damaligen Karl-Marx-Platz, waren schon gesperrt, man musste also drüben bei der Hauptpost einsteigen. Ich hatte große Sorge, ich musste meinen Jüngsten aus der Kinderkrippe abholen. Da kamen dann Autos gefahren mit Leuten von der Staatssicherheit, die hatten Maschinenpistolen zwischen den Knien. Ich hab meinen Sohn abgeholt, wir sind nach Hause gefahren und haben gewartet, was passiert.

Der neunte November, damit hat man echt nicht gerechnet. Das war ein Versprecher von Schabowski, der einfach eine Meldung falsch interpretiert hat. Die Frage hieß: „Ab wann gilt diese Öffnung?“ und er sagte: „Ich meine, ab jetzt“. Damit war dann natürlich die Grenze offen. Kurz darauf setzte dieser Run auf das Begrüßungsgeld ein. Die Züge waren überfüllt. Meine Frau hat das einmal mitgemacht, das hat unser Jüngster fast nicht überlebt, die Leute im Zug hätten ihn beinahe zerquetscht. Zu diesem Zeitpunkt stand die Frage der deutschen Einheit noch nicht auf der Tagesordnung. Das passierte erst im Dezember 1989. Da hat dann Helmut Kohl in Dresden seine Rede gehalten, hat sein Zehn-Punkte-Programm aufgelegt und da kam dann konkret die Forderung, die beiden deutschen Staaten zu vereinigen.

Bei der großen Demonstration am 4. November 1989 in Berlin, wo auch viele Künstler gesprochen haben, ging es den meisten darum, so wie mir auch, im Sinne von Gorbatschows Perestroika diesen Staat DDR zu reformieren. Dann haben wir 1990 durch Gorbatschow diese Chance bekommen: die Einheit zum Nulltarif. Die Russen haben ihre Soldaten bis 1994 komplett abgezogen. Das war mit Kohl ausgehandelt, und Gorbatschow hat sich daran gehalten.

Welche Auswirkungen hatten Mauerfall und Einheit für Sie und Ihre Familie?

Mein Vater war damals 63. Als Meister im Zeiss-Werk war er für zehn, fünfzehn Leute verantwortlich. 1991 kam er eines Tages in die Spätschicht und man sagte ihm: „Das ist heute deine letzte Schicht, ab morgen brauchst du nicht mehr zu kommen.“ Nach 42 Arbeitsjahren. Der kam abends mit seinem Bündel nach Hause und hat ein halbes Jahr gebraucht, sich wieder zu sortieren. Meine Schwester war Zahntechnikerin in einem Krankenhaus. Das Labor wurde von einem Wessi gekauft, und als erstes wurden danach alle Frauen rausgeschmissen.

Meine Frau hat sich vor allem um die Familie gekümmert. Aber ich hatte den Ehrgeiz, mich als Schulleiter einzubringen, den Unterricht neu zu konzipieren, das Schulgebäude zu verändern. 1990 war das einzige Mal, dass in Thüringen und Sachsen ein Schulkollegium seinen Schulleiter wählen konnte, und ich bekam über 80% der Stimmen. Dann gab es 1992 eine Ausschreibung für die neuen Schulleiterstellen, weil in Sachsen die Schularten so wie in Bayern und Baden-Württemberg installiert worden sind. Damit war ich draußen und musste mich ganz neu bewerben. Nach dieser „Klatsche“ lag ich ein halbes Jahr am Boden. Da musst du dir überlegen, stehst du wieder auf und es geht weiter oder verfällst du in Selbstmitleid und ziehst dich zurück.

Würden Sie das heutige Schulsystem oder das von früher als erfolgversprechender bezeichnen?

Meine größte Erwartung war eigentlich, dass mit der Wende das Bildungssystem in ganz Deutschland verändert wird. Ich war sehr enttäuscht, dass aus dieser einmaligen Chance so wenig gemacht wurde. Beide Bildungssysteme hatten Vor- und Nachteile. Man hat leider nicht versucht, abzuwägen, was man hätte aus beiden Systemen machen können. Das DDR-System war ideologisch völlig überfrachtet und so wie es war, nicht erhaltenswert. Beim heutigen System sehe ich als entscheidenden Nachteil, dass die Entscheidung über die weiterführende Schulart nach der 4. Klasse zu früh ist. Ich glaube, mit 13 oder 14 Jahren weiß man das besser. Ihr habt natürlich am Gymnasium ab Klasse 5 ein anderes Anspruchsniveau. Andererseits habe ich auch erlebt, dass Kinder ins Gymnasium hineingeschoben wurden und dann nach der 7. Klasse abgegangen sind. An der Mittelschule galten sie dann als Loser, die das Gymnasium nicht geschafft haben. Es braucht schon für das Gymnasium eine große Leistungsvoraussetzung, Willensstärke und auch Unterstützung, damit sich ein Kind in dem Alter ordentlich etablieren kann. Ich fand die naturwissenschaftliche Ausbildung in der Breite früher besser. Heute ist in den Lehrplänen meines Erachtens zu viel Spezialwissen drin. Meine Hoffnung wäre gewesen, diese solide naturwissenschaftliche Ausbildung zu kombinieren mit Kurssystem und Wahlmöglichkeiten.

Wie haben Sie als Geschichtslehrer sich auf die neuen Anforderungen eingestellt?

Das war ganz einfach und zugleich schwierig. Einfach insofern, als es jetzt eine große Anzahl von Schulbuchverlagen gab, die uns regelrecht überschüttet haben mit ihrem Angebot an Unterrichtsmaterialien. Wenn man halbwegs interessiert war und sich gekümmert hat, dann hatte man jetzt Möglichkeiten, sich einzubringen. Damals habe ich nebenher nochmal angefangen zu studieren. Das, was wir früher gelernt hatten, war ja im Schwerpunkt DDR-Geschichte mit der Arbeiterbewegung, Marx, Lenin usw., aber zum Beispiel die Französische Revolution wurde nur gestreift. Allerdings hatten wir gelernt, ordentlich wissenschaftlich zu arbeiten. Dann habe ich mich also in die Deutsche Bücherei gehockt und neben meinem Unterricht gelesen, gelesen, gelesen. Ich habe nochmal ein gesamtes Studium für mich durchgezogen, und als ich dann am Humboldtgymnasium war und Leistungskurse hatte, da war man richtig gefordert. Ich habe von niemandem mehr verlangt als von mir selbst. Den Schülern muss man günstige Rahmenbedingungen schaffen, muss ihnen etwas zutrauen und sie laufen lassen. Genauso wie bei unseren Schülerfirmen: Wir hatten ein Schüler-Café, ein Reisebüro, einen Schreibwarenladen. Die Schüler haben gearbeitet, sie waren Sonnabend früh da, ohne dass sie gezwungen wurden. Mit dem Reisebüro haben sie sich ihre Kursfahrt verdient.

 

Geschichte in Geschichten (Teil 5) – Schüler fragen Zeitzeugen: Ludmila Adelheid Scholz

von Frederik van Suntum, Mathilda Uhlmann, Juliana Henke (Bearbeitet und gekürzt durch Ursula Hein und Wolfgang Leyn)

Im Heft 5 des letzten Jahres und auf unserer Homepage wurde das Projekt „Schüler fragen Zeitzeugen“ der AG Stadtteilgeschichte ausführlich vorgestellt. In Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Schiller-Gymnasium entstanden im Rahmen des Geschichtsunterrichtes der 10. Klassen spannende Gespräche mit verschiedenen Zeit-zeug*innen der Friedlichen Revolution in Leipzig. Lesen Sie nun auf den folgenden Seiten zwei weitere der insgesamt neun Interviews. Hier im Text redaktionell betreut und gekürzt, wird das gesamte Interview dann auf unserer Homepage zu lesen sein.

Vielleicht haben Sie uns auch – aus Ihrer Erinnerung – noch etwas zu erzählen über die aufregenden Zeiten 1989/90. Wir freuen uns auf Ihre Leserbriefe.

Adelheid Scholz wurde 1944 in Tetschen (heute Děčín/Tschechien) geboren. Als 7-Jährige kam sie mit ihrer Familie nach Leipzig. Seit 1970 lebt sie im Stadtteil Gohlis. Nach dem Studium der Theater- und Kulturwissenschaften an der Leipziger Universität begann sie 1967 ihre Tätigkeit als Hörfunkjournalistin beim Sender Leipzig in der Springerstraße. Ihre fachlichen Schwerpunkte waren Bauen und Umwelt, seit 1984 moderierte sie dazu auch Live-Sendungen. Ab Dezember 1989 berichtete vom Runden Tisch in Leipzig. Seit Gründung des Mitteldeutschen Rundfunks 1992 arbeitete sie als Redakteurin bei MDR Kultur.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie Journalistin im Hörfunk wurden?

Ich habe an der Karl-Marx-Universität in Leipzig Kultur- und Theaterwissenschaften studiert. Journalistik wäre mir nie in den Sinn gekommen. Aber dann kam eines Tages eine Kommission an die Uni, die suchte Nachwuchs für den DDR-Rundfunk und fragte unseren Institutsdirektor: „Haben Sie nicht jemanden mit guter Sprache, guter Stimme und nicht gerade auf den Kopf gefallen?“. Und er hat mich vorgeschlagen. Auf diese Weise bin ich zu diesem Beruf gekommen. Während der letzten zwei Jahre des Studiums machte ich Praktika beim Sender Weimar und bekam dort einen Vorvertrag als Kulturjournalistin. Aber meine Liebe lebte in Leipzig, deswegen wollte ich nicht nach Weimar. Der Kompromiss war dann eine Stelle in der Nachrichtenredaktion am Sender Leipzig. Das Nachrichtenschreiben war eine gute Schule, weil man lernte, einen Gegenstand kurz und knapp zu schildern. Am Sender habe ich mich sehr wohlgefühlt. Wir waren dort eine relativ kleine Gruppe von Journalisten. Dadurch, dass wir sehr viele Themen zu bearbeiten hatten, war die Tätigkeit sehr abwechslungsreich.

Haben Sie sich Umwelt und Bauen als fachliche Schwerpunkte selber gesucht? Oder waren die einfach noch frei?

Am Sender gab es damals schon fünf Kulturredakteure, eine Journalistin in der Abteilung Musik, und vier beim Wort. Da hab ich mir dann gesagt „Du machst das, wozu keiner Lust hat, was aber die Leute interessiert.“ Das waren Bauen und Umwelt. Umwelt war zu DDR-Zeiten ein sehr heißes Eisen. Das hätte sich sonst niemand getraut, muss ich ehrlich sagen. Ich war im letzten Studienjahr Kandidatin der SED geworden. Da hatte man mich immer wieder liebevoll agitiert. Ich fand es auch gar nicht schlecht, weil wir einen Parteisekretär hatten, der einen sehr begeistern konnte. Dann im Sender Leipzig wurde mir klar: Von einem Mann kann ich mich scheiden lassen, von der Partei nicht. Also sagte ich: „Nein, ich stelle keinen Aufnahmeantrag. Mein Freund will das nicht“, was damals auch stimmte. Daraufhin wurde ich ein ganzes Jahr lang jeden Monat vom Parteisekretär des Senders zu einem einstündigen Gespräch geladen, was meinerseits fast immer mit Tränen endete, doch ich habe mir gesagt „Du hältst durch“. Die hatten sich eingebildet, wegen meiner Kontakte in die Tschechoslowakei, ich konnte ja auch tschechisch, hätten mich die Ideen des Prager Frühlings angesteckt. Der hat mich natürlich interessiert, das musste ich denen aber nicht sagen. Schließlich hat mich die Direktorin, die ich sehr schätze, zu einem langen Gespräch eingeladen. Dabei sagte sie mir, sie habe von der Partei-Kontrollkommission im Bezirk den Auftrag, mir fristlos kündigen. Doch sie wolle für mich bürgen. Also wurde mir nicht gekündigt.

Konnten Sie durch Ihre Arbeit beim Thema Umweltverschmutzung Dinge aufdecken?

Ab 1984 ja. Damals lernte ich eine Stadtverordnete kennen, Frau Doktor Kasek. Sie hatte die erste Umweltgruppe in Leipzig gegründet. Meine Chefin hatte mich zu ihr aufgrund einer kleinen Zeitungsnotiz geschickt. Sie konnte gut argumentieren und hatte Zugang zu Daten – sie war Pharmazeutin – also zum Beispiel, wie viel Schwefel regnet auf Leipzig runter? Wie viel Staub? Das stand ja nirgends. Darüber wurde offiziell nicht berichtet. Oder die Verschmutzung der Flüsse. Und wir haben dazu regelmäßig Live-Sendungen gemacht. Die hießen zuerst „Ratgeber Umwelt“. Weil es aber beim Norddeutschen Rundfunk, also im Westen, Ratgeber-Sendungen gab, durfte sie nicht so heißen und wurde dann umbenannt in „Umwelt-Sprechstunde“. Meiner Direktorin musste ich vor der Sendung nur die Schwerpunktthemen und die grobe Fragerichtung vorlegen. Um mich gegen mögliche Angriffe verteidigen zu können, habe ich die Sendung mitschneiden lassen. Es gab zweimal Anrufe von der SED-Stadtleitung.

Man bekommt den Eindruck, dass Sie in ihrer Arbeit als Journalistin ziemlich eingeschränkt wurden.

Gemessen an heutigen Verhältnissen ja. Gemessen an den damaligen Verhältnissen hatte ich viel Freiraum. Und ich glaube, dass ich die Grenzen soweit ausgereizt habe, wie es ging. Wir waren ein UKW-Sender, der nur 100 Kilometer im Umkreis zu hören war, in der Hauptstadt Berlin schon nicht mehr. Und man konnte unser Wort – im Radio ist das ja ein flüchtiges Wort – nicht schwarz auf weiß nach Hause tragen. Also: Wir hatten einen gewissen Freiraum. Und unsere Direktorin hat mit uns sehr offen diskutiert. Das war anders als in den anderen Sendern von Radio DDR. Das Klima sehr liberal. Wir hatten mehr Freiräume zum Beispiel als die Leipziger Volkszeitung, die ja von der SED herausgegeben wurde, oder als Radio DDR I in Berlin. Aber natürlich ist es überhaupt nicht vergleichbar mit einer freien Presse.

Haben Sie an den Montagsdemonstrationen während der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 teilgenommen?

Ja, das begann ja zur Herbstmesse Anfang September. Ich war im Pressezentrum der Messe und habe unterwegs vor allem junge Menschen gesehen, die vor den Kameras des Westfernsehens riefen „Wir wollen raus“. Das wollte ich nicht. Eine Woche später war dann Internationales Bachfest, dessen Pressebüro ich leitete. Am 18. September war ein Empfang im Neuen Rathaus. Ich ging fröhlich beschwingt mit meinem Reportergerät die Treppe hoch. Neben mir ein Mann, weißhaarig, mit Latzhose. Das war Pfarrer Führer, mit dem habe ich mich dann noch vor der Nikolaikirche lange unterhalten. Und von da an bin ich zu jeder Demonstration gegangen. Am Anfang erst einmal beobachtend, am 2. Oktober dann schon mitlaufend. Am 2. Oktober sagte unsere Chefin: „Ihr müsst da hingehen, wir können zwar keinen O-Ton von der Demo senden, aber eine Nachricht müssen wir machen. Die Leute reden von nichts anderem, und im Sender Leipzig hören sie nichts darüber. Das geht nicht.“

Von der Demo am 2. Oktober wusste ich, dass in allen Kirchen aufgerufen wurde: Jeder, der am 9. Oktober kommt, bringt noch einen mit. Da habe ich mir gesagt: Jetzt kommen die Kinder mit. Wir sind getrennt gegangen, die Töchter und ich. Die eine war 16, die andere wurde 18. Ich habe sie bloß gebeten: „Geht bitte nicht in der ersten Reihe. Und geht nicht am Rand“. Wir ahnten, was passieren könnte. Es gab ja in der Stadt das Gerücht, in den Krankenhäusern wären zusätzliche Blutkonserven bereitgestellt worden. In unserer Redaktion wurde ein Feldbett aufgestellt. Ich bin am 9. Oktober mit zitternden Knien zur Demo gegangen. Aber ich bin gegangen. Wir haben uns dann als Familie an der Thomaskirche wiedergefunden. Das hatten wir so verabredet.

Haben Sie geglaubt oder gehofft, dass diese Demonstrationen wirklich was ändern?

Ja! Davon war ich überzeugt. Eigentlich schon am 2. Oktober. Da waren die Studenten da und die haben die „Internationale“ gesungen. „Völker, hört die Signale! Auf zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.“ Das passte genau. Und man konnte das ganz laut singen. Jeder verstand, wie es gemeint war. Das war wirklich toll. Und von da an war ich fest überzeugt, dass das nicht nachlässt. Und am 9. Oktober – ja, völlig klar.

Nachdem am 9. Oktober nicht geschossen wurde und zum ersten Mal der Ring voll war mit Demonstranten, was hatten Sie damals für Vorstellungen, wie es weitergehen könnte?

Eigentlich war unser Ziel eine deutlich reformierte DDR. Wir haben nicht nach westdeutschem Muster gedacht. Wir, das waren drei, vier, fünf Kollegen im Sender, mit denen wir uns über Perspektiven unterhalten haben. Die wichtigsten Anliegen der Demonstranten waren Reisefreiheit und Meinungsfreiheit.

Sie haben später vom Runden Tisch berichtet. Was war das für ein Gefühl?

Das waren Tage der wunderbaren Anarchie. Auf fast allen staatlichen Ebenen bis hin zur Regierung bildeten sich Anfang Dezember Runde Tische. Die alte Macht hatte ihre Legitimation verloren, eine neue war noch nicht da, aber Entscheidungen mussten ja getroffen werden. Am Tage wurde gearbeitet, und einmal wöchentlich ab 17.00 Uhr regiert. Das ging oft bis 24 Uhr. Dann ins Funkhaus, Sendung produzieren. Und danach ins Bett. Ich war die Einzige unter den Leipziger Journalisten, die bis Anfang Juni 1990 regelmäßig davon im Sender Leipzig berichtete, zwei Minuten, zweieinhalb, das ging so. Ich habe zu dieser Zeit versucht, ganz intensiv mitzuteilen, was ich sah und hörte. Ich erinnere mich, dass ich an einem Tag 36 Stunden hintereinander gearbeitet habe, früh angefangen und erst am nächsten Mittag aufgehört. Ich habe damals von einem Tag zum anderen gelebt, im Taumel des Glücksgefühls, alles sagen zu dürfen. Es war so wie ein Rausch. Nie vorher wurden in der DDR so viele Fernsehsendungen geschaut, nie so viele Zeitungen gekauft, nie so viel Radio gehört, wie in dieser Zeit.

 

Seilbahnkönig & Tagebaugigant – Ein Leipziger Jahrhundertwerk, der Bleichert-Film von Dirk Schneider im MDR

Von Ursula Hein

Wenn Sie heute hinter der S-Bahnstation Gohlis auf der rechten Seite die neuen modernen Wohngebäude sehen, werden viele von Ihnen nicht mehr wissen, dass hier bis in die 90. Jahre des 20.Jhs ein florierendes Unternehmen stand, die ehemalige Seilbahnfirma Bleichert, dann VAT TAKRAF und vielen Menschen Lohn und Brot gab. Die früheren Fabrikhallen sind heute komfortable Luxuswohnungen.

Wie es früher hier aussah, zeigte gestern, am 19.1.2021 der Film des Regisseurs Dirk Schneider, eines ausgewiesenen Kenners der regionalen Industriegeschichte und ihrer Abwicklung nach 1990.

Ausgehend von der geradezu kriminalistischer Spurensuche auf Dachböden und Müllkippen, zeigt der inzwischen verstorbene TAKRAF-Ingenieur Günter Pyschik seine Schätze, Konstruktionszeichnungen, Pläne, Briefe, dem Ururenkel Hartmut von Bleichert, der sich von Rom her auf die Suche nach seinem bedeutenden Vorfahren und dessen Werk gemacht hat. Der langjährige Leiter der Geschichts-AG im BV Gohlis und ausgewiesener Kenner der Bleichert-Geschichte, Dr. Hötzel kann viele Details hinzufügen,

Die VAT-Konstrukteure Erhard Kleemann und Dieter Bittermann machen sich nach der Wende auf die Suche nach Bleichert-Seilbahnen und besuchen u.a. die Predigtstuhlbahn in Berchtesgaden. Weitere Seilbahne laufen noch in Meran, Bayern und der Schweiz, Innsbruck, Hafenseilbahn von Barcelona, am Nordkap, die südlichste – im chilenischen Punta Arenas in Feuerland die spektakulärste. Kurz vorgestellt werden Innovationen wie die weltbekannte Eidechse von 1923.

In der DDR wurde dann der Name Bleichert gelöscht, es entsteht das Kombinat TAKRAF, zuständig für kilometerlange Bänder für die Braunkohletagebaue der DDR und Kräne in Hochseehäfen. Die letzte Seilbahn ist dann in den 1960ern ein Sessellift in Oberhof.
Der interessante und mit vielen Dokumentaraufnahmen gespickte Film dauerte leider nur 45 Minuten, so dass bestimmte politische Aspekte zu kurz kommen mussten. Die doch sicher vorhandenen Verstrickungen in der NS-Zeit bleiben ausgeblendet, die DDR-Zeit der VAT sollte nicht nur von der technische, sondern auch stärker von der politischen Seite her beleuchtet werden. Die Liquidation des Betriebes durch die Treuhand – trotz der Mühen der Belegschaft den großen Betrieb nach der Vereinigung zu erhalten- könnte einen eigenen Film füllen.

Bürgerverein Gohlis bereitet sich auf die Zeit nach Corona vor – Alter Vorstand im Amt bestätigt

Auf ihrer Versammlung am Freitag, den 11. September, haben die Mitglieder des Bürgervereins Gohlis e.V. die Arbeit für 2020 und 2021 besprochen. Gleichzeitig standen turnusgemäß die Vorstandswahlen an.

Dabei wurde der alte Vorstand im Amt bestätigt. Alter und neuer Vorsitzender ist der 39-jährige Personalleiter Tino Bucksch. Ihm zur Seite stehen Historiker Peter Niemann als Stellvertreter sowie Verwaltungswirt Hannes Meißner als Schatzmeister. Komplettiert wird der Vorstand durch die pensionierte Studiendirektorin Ursula Hein und den Volkswirt Michael Wagner. Die bisherigen Beisitzer Günter Krap und Wolfgang Leyn schieden aus dem Vorstand aus, natürlich nicht ohne für ihre zurückliegende Arbeit Dank zu erhalten.

Der Vorstand konnte nach zwei Jahren erneut positive Bilanz ziehen: Der Verein gehört einfach zum Stadtteil, ist dort fest verankert und hat sich längst als Verbindungsglied zwischen Stadtteilangelegenheiten und Stadtpolitik im Rathaus und überhaupt als Sprachrohr der hier lebenden Menschen etabliert. Jüngst herrschte große Freude, als das Engagement für den Stadtteil durch die Stadtverwaltung honoriert wurde, indem der Vorsitzende Bucksch als Vertreter des Vereins in die Auswahljury, um die Suche nach einem neuen Betreiber des Gohliser Schlösschens, berufen wurde.
„Eine noch bessere Koordinierung des kulturellen Geschehens im Stadtteil in Form eines ‚Runden Tisches Kultur in Gohlis‘, die Sanierung des Budde-Hauses aber auch die kritisch-konstruktive Begleitung der städtebaulichen Wachstumsprozesse in Gohlis stehen auf der Agenda des Vereines für die kommenden zwei Jahre weit oben“, so Vorsitzender Bucksch.

Optimistisch und in Hoffnung einer baldigen Entspannung der coronabedingten Auflagen werden eifrig Veranstaltungen geplant. Dieses Jahr soll die Reihe ‚Advent in den Höfen und Gärten von Gohlis‘ 2020 regulär stattfinden. Für 2021 stehen u.a. das traditionelle Sommerfest, das 5. interkulturelle Fußballturnier, Veranstaltungen in Kooperation mit CleanUp Leipzig, Beträge zur Nacht der Kunst oder Leipzig liest auf dem Programm. Auch die ehrenamtlich Engagierten der Arbeitsgemeinschaften Mobilität & Verkehr und Stadtteilgeschichte sowie der Initiative Weltoffenes Gohlis können nun ihre geplanten Projekte wie gewohnt fortführen.

Bucksch dazu abschließend: „Mit unserer regelmäßig erscheinenden Stadtteilzeitschrift dem Gohlis Forum und dem Gohlis Kalender wollen wir natürlich weiterhin möglichst vielen Gohliserinnen und Gohlisern anbieten, sich ein Stück ihres Stadtteils nach Hause zu holen. Für 2021 stehen ein Stadtteilgarten, die Begrünung von Baumscheiben, mehr Bänke im Stadtteil und die Benennung unserer namenlose Plätze ganz oben auf der ToDo-Liste. Gerade mit solchen Projekten wollen wir zeigen, dass zielgerichtetes ehrenamtliches Engagement vor Ort schnell zu sichtbaren Veränderungen und spürbaren Verbesserungen der Lebensqualität in Gohlis führen kann. Dafür suchen wir jederzeit Unterstützerinnen und Unterstützer. Mitglied unseres Vereins zu werden und sich zu beteiligen, ist unkompliziert!“

Gohlis Forum 04 2020 erschienen

Agnes Niemann und Peter Niemann, Redaktion

Liebe Leserinnen und Leser des Gohlis Forums (Aktuelle Ausgabe 04 2020),

das Wetter wird schöner und schöner und dieses Corona-Virus scheint dankenswerter Weise endlich den Rückzug anzutreten. Viele Gründe also, sich ausgiebig an der frischen Luft zu bewegen. Unser Stadtteil hat da ja bekanntermaßen viel zu bieten. Als Bürgerverein beschäftigen uns die Parks und Plätze in Gohlis schon seit Jahren. Erstmals haben wir mit der Ausgabe 1/ 2019 mit dem Auftakt der Reihe ‚Unbenannte Gohliser Plätze und Plätzchen‘ auch etwas detaillierter über diese berichtet. Die folgenden Zeilen wollen wir nutzen, Sie einmal auf den neusten Stand zu bringen und sicherzustellen, dass Sie wirklich gut informiert durch die Parks von Gohlis streifen können.

Fritz-Riemann-Platz?

Ein kleinerer Platz in Gohlis Nord, der noch immer ohne Namen ist (wir berichteten im Gohlis Forum 4/ 2019) wird von der Virchowstraße, dem Viertelsweg sowie der Wilhelm-Plesse-Straße umgeben. Ein Name, der unserer Ansicht nach sehr gut passen würde, ist Fritz-Riemann-Platz. Fritz Riemann (1881 – 1955; Architekt) haben wir es zu verdanken, dass in den 30er Jahren etwa 2000 Wohnungen in den von ihm entworfenen Häusern und Wohnanlagen entstanden, die uns bis zum heutigen Tag Wohnraum bieten; dazu gehören auch die den besagten Platz umgebenden Gebäude im Süden und Westen. Unser Vorschlag für die Benennung des Platzes wie auch eine ausführliche Begründung liegen dem zuständigen Amt für Statistik und Wahlen bereits seit September 2019 vor.

Der Schillerhain!

Bereits seit dem Jahr 1905 heißt der Schillerhain in Gohlis-Süd, der von Platnerstraße, Stallbaumstraße und Weinligstraße eingefasst wird, eben Schillerhain. Bisher versäumt wurde es leider, diesen Platz in das Straßenverzeichnis der Stadt Leipzig aufzunehmen. Diesem Umstand soll nun Abhilfe geschaffen werden. Der Bürgerverein Gohlis setzt sich auch seit geraumer Zeit auch für eine entsprechende Beschilderung des Schillerhaines ein. Für Parks ist in Leipzig keine Markierung, ähnlich etwa der eines Straßenschildes, vorgesehen. Möglich wäre jedoch eine Informationstafel aus Edelstahl, wie sie von anderen Sehenswürdigkeiten im Stadtgebiet bekannt ist. Es gibt noch weitere spannende Entwicklungen um den Schillerhain. Wir sind in jedem Fall dabei und werden Sie zeitnah informieren!

Ein Trinkbrunnen für den Norden!

Sommer, Sonne, Hitze! Nicht zuletzt der Klimawandel sorgte 2019 dafür, dass Sachsen als sonnigstes Bundesland Deutschlands gekürt wurde. Daran wird sich wohl auch nicht so schnell etwas ändern. Viel Trinken, auch unterwegs bleibt daher für Groß und Klein sehr wichtig – praktische Durstlöscher sind hier die öffentlichen Trinkbrunnen, die sich über das ganze Stadtgebiet verteilen. Bald wird es nun auch im Leipziger Norden einen solchen Trinkbrunnen geben – am Artur-Bretschneider-Park (Kleiststraße/ Ecke Gottschallstraße), streng genommen also noch im Stadtteil Gohlis. Wir teilen natürlich gerne mit den Eutritzscherinnen und Eutritzschern, deren benachbarten Park wir ja auch gerne und ständig nutzen 
Bei der Auswahl des Standortes war Bürgerbeteiligung gefragt! Bis zum Weltwassertag am 22.3.2020 konnten die Leipzigerinnen und Leipziger aus sechs Vorschlägen der Leipziger Wasserwerke ihre beiden Favoriten küren. Vielen Dank an alle, die den Aufrufen des Bürgervereins Gohlis und des Gohliser KIEzgeflüsters für die Wahl des Standortes am Bretschneiderpark gefolgt sind!

Wie Sie merken werden, liegt ein Fokus dieser Ausgabe auf den Kulturschaffenden und Gewerbetreibenden unseres Stadtteils. Diesen wollten wir mit dieser vorgezogenen Juni-Ausgabe die Möglichkeit geben, sich aus der unfreiwilligen Corona-Pause zurückzumelden.
In jedem Fall wünschen wir Ihnen wie immer viel Freude beim Lesen dieses Heftes, welches nun auch wieder ohne technische Hilfsmittel an der frischen Luft durchstöbert werden kann!

Gohlis Forum 03 2020 erschienen

Und täglich grüßt der Wartewurm

Liebe Leserin, lieber Leser des Gohlis Forum (Aktuelle Ausgabe 03 2020)

wie Sie sicher schon bemerkt haben, liegt das zweite GohlisForum 2020 nicht, wie üblich in gedruckter Form an den bekannten Stellen aus. Es gelangt diesmal ausschließlich in digitaler Form zu Ihnen. Auch wenn sich in den letzten Wochen, die von den Auswirkungen des Corona-Virus geprägt waren, einiges getan hat und inzwischen zusätzliche Läden wieder öffnen dürfen, so sind doch viele der Auslagestellen unseres Stadtteilmagazins immer noch nicht für den Publikumsverkehr zugänglich. Für den Verzicht auf die Printausgabe haben wir uns auch entschieden, um die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die den Bürgerverein bei der Verteilung unterstützen, nicht zu gefährden.

Und in digitaler Form passiert zurzeit ohnehin vieles in unserer Gesellschaft. Menschen arbeiten im Home-Office, Kinder werden über das Internet beschult und der Videochat vereint selbst über Landesgrenzen hinweg die Großfamilie beim Geburtstagskränzchen. Auch für uns war schnell klar, dass das trubelige Familienleben unter diesen besonderen Umständen nur mit einer gewissen Struktur zu bewältigen ist. Schließlich müssen ja die verschiedenen Bedürfnisse der insgesamt fünf kleinen und großen Haushaltsmitglieder auf engstem Raum Berücksichtigung finden. Tägliche, ausgedehnte Spaziergänge im Leipziger Norden um die fehlenden Bewegungsangebote von Schule und Sportverein zu kompensieren, helfen in jedem Fall dabei auch die letzten grünen Flecken kennenzulernen. Spielplätze wurden bereitwillig getauscht gegen Kletterbäume am Rietzschke-Wanderweg und den riesengroßen Schuttberg zwischen Wiederitzsch und Lindenthal, der einst von der Sanierung der Landsberger Brücke übrigblieb.

Dennoch, was fehlt sind die direkten Kontakte zu den Freundinnen und Freunden aus Schule und Kindergarten. Das Bedürfnis nach Kontakt zu Gleichaltrigen ist groß und setzt kreative Energien frei. Vielleicht sind Sie ja schon einem „Wartewurm“ begegnet? Vielerorts wurde diese schöne Idee umgesetzt, bei der Kinder bunt bemalte Steine an einem gemeinsamen kollektiv bedeutsamen Ort auslegen – und das ganz analog. So eine Kette aus vielen bunt bemalten Steinen befindet sich auch im Viertelsweg an der Karl-Liebknecht-Grundschule.

Auch gebastelte oder gemalte Regenbogen, das Hoffnungszeichen schlechthin, finden sich an manchem Fenster und zeigen – hey, auch hier wartet jemand sehnsüchtig auf ein Wiedersehen!

Mit der Allgemeinverfügung des Freistaates Sachsen vom 17. März wurden aus nachvollziehbaren Gründen massive Einschränkungen für das öffentliche und kulturelle Leben beschlossen. Dies hatte auch direkte Auswirkung auf die Arbeit des Bürgervereins Gohlis und wird sicher noch die gesamte erste Jahreshälfte zu spüren sein, denn die öffentlich wirksamen Vereinstätigkeiten mussten komplett abgesagt werden. So konnten zwei, im Rahmen der Buchmesse geplante Lesungen nicht stattfinden, ebenso wie das für Anfang April vorgesehene Interkulturelle Abendessen und die Mitgliederversammlung unseres Vereins. Die regelmäßigen Veranstaltungen wie AG-Treffen, Seniorennachmittage und die Sprechstunden mussten aufgrund des allgemeinen Kontaktverbots und der vorübergehenden Schließung des Budde-Hauses leider ebenfalls ausgesetzt werden.

Wie es weitergeht, ist im Moment noch sehr unsicher. Die Allgemeinverfügungen gelten immer nur für wenige Wochen, in denen die Infektionszahlen genau beobachtet werden und entsprechend auch die Maßnahmen für das öffentliche Leben neu angepasst werden müssen. Daher kann auch die Planung des Bürgervereins nur sehr flexibel gehandhabt werden. Was wir wissen, ist: größere Veranstaltungen dürfen bis zum 31. August nicht stattfinden. Manches Vorhaben werden wir also in die zweite Jahreshälfte verschieben und manches muss leider bis zum kommenden Jahr warten.

Nach wochenlangem Verzicht ist das Verlangen nach direkten zwischenmenschlichen Begegnungen und kulturellem Input sicher sehr hoch. Daher halten wir an den Planungen für das Interreligiöse Dankfest, ein KIEZGrillen, den Jane’s Walk und weitere kulturelle Highlights fest. Wir halten Sie diesbezüglich natürlich auf dem Laufenden und informieren auf der Homepage, bei Facebook und in der Presse über kommende Veranstaltungen. Wir sind natürlich voller Zuversicht und hoffen, das nächste GohlisForum im Juni wieder schwarz auf weiß, in gewohnter Druckversion präsentieren zu können.

Vielleicht haben Sie in der Zwischenzeit Lust, das Kulturprogramm des Budde-Hauses trotz der Schließzeit mitzugestalten? Auf Seite 19 können Sie erfahren, wie das gehen könnte.

Überhaupt ist es beeindruckend, wie einige von den Schließungen betroffene Klein(st)unternehmer*innen und Gastronom*innen umgehend mit kreativen Maßnahmen auf die Krise reagiert haben. Ob Eis, Bücher oder ein warmes Mittagessen – fast jedes Bedürfnis lässt sich auch ohne die Branchenriesen im heimischen Kiez befriedigen. Eine Zusammenstellung der Angebote von lokalen Gohliser Geschäften finden Sie im Internet beim KIEZgeflüster.

Dennoch, die Corona-Krise hat vor allem die Situation der Kreativ- und Kulturschaffenden in der ganzen Stadt massiv beeinträchtigt. Maria Köhler stellt auf S. 4 die Initiative #DasistLeipzig vor – auf deren Onlineportal werden Kulturschaffende, Spielstätten und Konsument*innen zusammengeführt.

Auch wenn diese Ausgabe des GohlisForums inhaltlich von den besonderen Umständen rund um Corona geprägt ist, so finden Sie dennoch vertraute Rubriken, wie die Demokratieecke (S. 6) und das aktuelle Gohliser Baugeschehen (S. 16). Und es gab ja auch ein Leben vor Corona! Besonders die AG Stadtteilgeschichte war sehr aktiv: auf S. 8 und 9 berichten wir über das Zeitzeugenprojekt mit Schüler*innen der Schiller-Schule, das anlässlich des 30jährigen Jubiläums der Wiedervereinigung angestoßen wurde. Die Initiative zur Restaurierung der Handschwengelpumpe in der Fritz-Seger-Straße stellen wir auf S. 12 vor.

Wie immer wünschen wir Ihnen viel Freude beim Durchstöbern dieses Heftes. Bleiben Sie gesund!

Informationen zum Umgang mit dem neuartigen Coronavirus in Leipzig, Hinweise für den Verdachtsfall, Schutzmaßnahmen, aktuelle Meldungen und Infos zu Maßnahmen zur Eindämmung finden Sie unter www.leipzig.de/coronavirus.

Wenn Sie seelische oder psychosoziale Unterstützung brauchen, finden Sie hier Hilfsangebote.

Hilfsangebote für Frauen, Kinder und Jugendliche bei häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt.

Corona-Hotline der Stadt Leipzig

0341 123-0 (täglich zwischen 8:00 und 20:00 Uhr, für medizinische Fragen von 8:00 bis 18:00 Uhr)

Telefon-Hotline Land Sachsen

0800 1000-214 (Montag bis Freitag zwischen 7 Uhr und 18 Uhr sowie am Wochenende von 12 Uhr bis 18 Uhr)

Ökumenische Telefonseelsorge: 0800 1110 111 oder 0800 1110 222;

E-Mailberatung: www.telefonseelsorge.de

Ökumenisches „Corona-Seelsorge-Telefon“: Telefoneinwahl 0351 / 89692890 (montags bis freitags von 9.00 bis 18.00 Uhr)

Beide Telefone sind anonym und für jedermann zugänglich.

Bitte nehmen Sie offizielle Empfehlungen und Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ernst!