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Gohlis Forum 7/2020

Eine stille Zeit – Gohlis Forum Ausgabe 7 erschienen

Liebe Leserinnen und Leser,

ein außergewöhnliches und im wahrsten Sinne des Wortes ver-rücktes Jahr geht zu Ende. Das öffentliche und auch das private Leben der Menschen wurde gehörig durcheinandergewirbelt, es ging auf und ab. Noch immer ist der Alltag geprägt von Hygienemaßnahmen und Vorkehrungen, welche die Corona-Pandemie beherrschbar halten sollen. Durch den zweiten Lockdown ist unser sonst so umfangreicher Kulturkalender in diesem Dezember stark ausgedünnt – viele der gewohnten und ersehnten Adventsveranstaltungen, Weihnachtsmärkte, Konzerte und Theateraufführungen können nicht stattfinden.

Die Notwendigkeit der Maßnahmen aus der Corona-Schutzverordnung scheint leider immer noch nicht allen Menschen klar zu sein. So geriet Leipzig im November einmal wieder mit unschönen Bildern in die Schlagzeilen: die Szenen vom 7.11., als Tausende Corona-Leugner Seite an Seite mit gewalttätigen Rechtsradikalen auf dem Ring marschierten, waren mehr als verstörend. Die Vereinnahmung des historischen Protestes für die damals – 1989 – wirklich herbeigesehnte Freiheit, für demokratische Grundrechte und Gerechtigkeit halten wir für anmaßend! Wir danken unserem ehemaligen Vorsitzenden Gerd Klenk, der in einem Fernsehbeitrag öffentlich gegen diese Geschichtsverfälschung Stellung bezogen hat. Er war bspw. 1989/1990 in der Leipziger Friedensbewegung aktiv (vgl. Gohlis Forum 6/2020).

Es ist erfreulich, dass dieses Heft trotz allem sehr umfangreich geworden ist. Das zeigt, dass in unserem Stadtteil weiterhin einiges los ist. Und wie immer können Sie auch nachlesen, was sich in den letzten Monaten getan hat. So hat der Bürgerverein mit dem Spendenlauf der Erich Kästner-Schule ein tolles Gemeinschaftprojekt erfolgreich durchgeführt. Für die Erneuerung der Handschwengelpumpe in der Fritz-Seger-Straße konnte dadurch der finanzielle Grundstock ermöglicht werden. Auch die AG Mobilität und die AG Stadtteilgeschichte haben schöne Aktionen durchgeführt.
An dieser Stelle bleibt uns noch, Ihnen nach diesem besonderen Jahr auch einen ganz besonderen Jahresausklang zu wünschen. Sicher denkt man vermutlich erst einmal an Verzicht, wenn man auf die vor uns liegende Adventszeit blickt. Weniger Zeit auf Weihnachtsmärkten, in Einkaufsläden, in Gaststätten, mit der Organisation oder auf kulturellen Veranstaltungen zu verbringen bedeutet allerdings auch, dass Kapazitäten frei werden und die gewonnene Zeit entsprechend genutzt werden möchte. Es gibt bestimmt Hobbies, die Sie schon immer einmal ausprobieren wollten oder ein Buch, welches seit Jahren im Regal steht und gelesen werden möchte? Wir werden die etwas ruhigeren Tage im Dezember dazu nutzen, gemeinsam mit den Kindern Plätzchen zu backen, nach Jahren mal wieder Weihnachtskarten für die ganze Familie zu schreiben und wirklich einmal etwas Stille in der Vorweihnachtszeit zu suchen. Wir hoffen, es gelingt Ihnen auch, etwas mehr Raum für Besinnlichkeit in den Adventswochen des Jahres 2020 für sich zu entdecken und wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre des Heftes.

Die komplette Ausgabe finden Sie hier oder als pdf zum Download im Archiv.

Agnes Niemann und Peter Niemann

Redaktionsteam des Gohlis-Forum

In eigener Sache – Planung 2021

Von Tino Bucksch

Langsam neigt sich das durch Corona gezeichnete Jahr dem Ende zu. Selbst wenn die letzten Wochen des alten Jahres wohl coronabedingt etwas ruhiger werden, bleibt keine Zeit zum Verschnaufen. Da wir alle optimistisch und voller Hoffnung ins Jahr 2021 blicken, wird auch der Bürgerverein Gohlis eine Jahresplanung erstellen, in der viele unserer klassischen Veranstaltungen und Termine einen festen Platz haben werden.
Startschuss wird wie die letzten Jahre der Monat März bilden. Während der Internationalen Wochen gegen Rassismus planen wir am 17.03.2021 eine Veranstaltung im Budde-Haus. Den Monat abschließen wird am 31.03.2021 das interreligiöse Abendessen, welches hoffentlich wie die vergangenen Jahre 80 bis 100 interessierte Gäste ebenfalls in Budde-Haus locken wird.

In den Mai werden wir am 02.05.2021 mit dem Nachholen des Rundgangs im alten Kasernenareal zum Jane´s Walk starten. Die geplante Veranstaltung musste aus bekannten Gründen 2020 ausfallen und wird aufgrund des enormen Interesses an unserem ersten Jane´s Walk 2019 im kommenden Jahr definitiv stattfinden. Ende Mai bieten wir noch am 30.05.2021 wieder mindestens eine Lesung im Rahmen von Leipzig liest zur Buchmesse an. Die Buchmesse selbst wird 2021 das erste Mal statt im März im Mai stattfinden, was aber kein Hindernis darstellt. Auch hier wollen wir wieder mit spannenden Autorinnen und Autoren aufwarten. Am selben Tag wird von Gewerbetreibenden rund um den „Platz ohne Namen“ an der Heinrich-Budde-Straße ein Kinderfest anlässlich des Kindertages stattfinden. Hierbei wird der Bürgerverein als Kooperationspartner mit vor Ort sein.

Im Sommer laden wir auch 2021 zu unserem traditionellen Sommer- und Familienfest ein. Dieses soll nun wie bereits 2020 geplant auf dem Gelände des Budde-Hauses stattfinden. Hier freuen wir uns, durch das Fest mit vielen neuen Ideen und unterstützt durch die Synergieeffekte des Budde-Hauses die Gohliserinnen und Gohliser am 17.07.2021 in die Lützowstraße 19 locken zu können. Im selben Monat noch wird endlich das fünfjährige Jubiläum des interreligiösen Fußballturniers nachgeholt. Der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Den Herbst leiten mit unserer Teilnahme an der Nacht der Kunst am 04.09.2021 ein sowie einer Veranstaltung im Rahmen der Interkulturellen Wochen am 29.09.2021.

All diese Terminen können schon einmal fest im Kalender für das kommende Jahr vermerkt werden. Sie sind auch auf unserer homepage unter www.gohlis.info im Termin- und Veranstaltungskalender zu finden.

Neben diesen fest eingeplanten Veranstaltungen wollen wir mit Projekten wie den Baumscheibenbegrünungen, einem Stadtteilgarten für Gohlis sowie dem Projekt „Bänke für Gohlis“ sichtbar im Stadtteilbild Akzente setzen. Darüber hinaus ist ein zweiter Gohliser Spendenlauf mit einer weiteren Schule aus dem Stadtteil sowie mit der Gohliser Öffentlichkeit geplant ebenso wie die Wiederauflage der von den Gohliserinnen und Gohlisern sehr gut angenommenen Reihe „Advent in den Gärten und Höfen von Gohlis“.

Alles in Allem eine Menge Gründe, sich auf das kommende Jahr zu freuen.

Gemeinsam mit der Erich Kästner-Schule: Ein erster Gohliser Spendenlauf

Von Peter Niemann

Am Morgen des 16. Oktober konnte man trotz des eher fragwürdigen Wetters reichlich Getummel auf der Sportplatzanlage an der Sasstraße 15 beobachten. Punkt 8:30 Uhr startete dort nämlich der erste Gohliser Spendenlauf. Auf das diesig feuchte 250-Meter-Rund des kleinen Sportplatzes ergoss sich dann, über den Vormittag verteilt, ein bunter Strom von rund 350 Schülerinnen und Schülern der Erich Kästner-Schule. Als erstes erhielten die Kinder der vierten Klasse die Gelegenheit, natürlich in individuellem Tempo und für insgesamt 40 Minuten, Runden zu rennen. Es folgten die Jahrgänge zwei und drei im Verbund. Mit den erlaufenen Kilometern verbesserte sich natürlich auch das Wetter, sodass die letzte Gruppe, welche sich aus Drittklässlerinnen und Drittklässlern bildete, sogar etwas Sonnenschein genießen konnte. Für alle gab es im Anschluss leckere Äpfel und Bananen als Belohnung. Die Stimmung war wirklich gut und die Kinder hoch motiviert. Schließlich waren auch einige Eltern da, um beherzt anzufeuern, und es ging darum, Spenden für zwei tolle Projekte zu sammeln. Zum einen für neue Außenspielgeräte und Spielzeug in der Schule, zum anderen für die Realisierung eines ganz besonderen Projekts im Stadtteil. Nämlich die Restaurierung der historischen Handschwengelpumpe (Typ Vogelkäfig – wir berichteten im Gohlis Forum 3 & 6 2020) in der Fritz-Seger-Straße, also in unmittelbarer Nähe zum Schulgelände.

Geplant ist nun auch eine Begleitausstellung in der Kästner-Schule zum Thema Handeschwengelpumpen, die im kommenden Jahr durch die Engagierten der AG Geschichte des Bürgervereins realisiert werden soll. Dabei wird es natürlich um Handschwengelpumpen im Stadtgebiet Leipzig sowie die besagte Pumpe in der Fritz-Seger-Straße gehen. Damit die Ausstellung auch wirklich einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ist, verteilt sich diese dann auf informative Roll-Ups in den Fenstern im Haupteingangsbereich der Schule.

Unter dem Titel Gohliser Spendenläufe sind weitere Läufe in unserem Stadtteil geplant. Schon im Frühjahr 2021 soll am gleichen Ort wieder eine Laufveranstaltung stattfinden. Diesmal dann an einem Samstag und offen für alle Menschen im lauffähigen Alter. Ziel wird es auch dann sein vor allem Spenden für die Pumpe und andere Dinge zu sammeln, die das Leben in unserem Stadtteil ein Stück lebenswerter gestalten.
Wir befinden uns derzeit in einem regen Austausch mit der Leipziger Stadtverwaltung bezüglich der Restaurierung besagter Pumpe in der Fritz-Seger-Straße und halten Sie natürlich auf dem neusten Stand. Unterdessen werden weitere Spenden benötigt, um das Projekt zu realisieren. Falls Sie das Projekt mit Ihrer Spende unterstützen möchten, setzen Sie sich bitte direkt mit dem Projektverantwortlichen im Bürgerverein in Verbindung:

Peter Niemann
0152 3618 8510
spenden@gohlis.info

Gohliser Baugeschehen: Häuser wachsen statt Bäume

Von Matthias Reichmuth

Vom Gohliser Baugeschehen haben wir wieder nur einen Teil der laufenden Baustellen ausgewählt, diesmal fangen wir im Süden an.

Für alle, die sich rund um den Kirchplatz an der Friedenskirche bewegen, deutlich sichtbar ist jetzt die Baustelle an der Berggartenstraße 2 (Ecke Schorlemmerstraße). Nach jahrelangen Ankündigungen und Umplanungen wächst jetzt tatsächlich ein Mehrfamilienhaus in die Höhe und schließt als fünfter Neubau der letzten Jahre die letzte noch verbliebene Baulücke rund um die Friedenskirche.

In der Georg-Schumann-Straße 72, direkt an der Straßenbahnhaltestelle und neben dem Eiscafé Florenz, wurde in diesem Jahr unter der Bezeichnung „Georgshof“ ein Mehrfamilienhaus saniert, dessen Vorderfassade inzwischen fertig ist und gelb bzw. grün erstrahlt. Außer den nun mit Fußbodenheizung ausgestatteten acht Zwei- und Dreizimmerwohnungen und der Ladeneinheit im Vorderhaus ist auf dem Grundstück auch noch ein Umbau der Hinterhofgebäude (darunter eine ehemalige Druckerei) zu Stadthäusern vorgesehen.

Ebenfalls gut sichtbar wächst an der Lindenthaler Straße 48-50, direkt gegenüber der Einmündung zur Magdeburger Straße und unmittelbar südlich der S-Bahn, ein mit Tiefgarage unterkellertes Mehrfamilienhaus heran. Noch vor einigen Jahren konnte man davon ausgehen, dass an dieser verkehrsreichen Lage die dortigen Bäume noch lange wachsen dürften, aber damit war es Ende 2019 vorbei.

Abseits der großen Achsen verändert sich Gohlis-Nord. So wurde nun in der Oldenburger Straße 1 (Ecke Braunschweiger Straße) ein Einfamilienhaus mit spitzem Giebel abgerissen, auch der recht große Garten ist verschwunden, im Oktober war die Baugrube für den Ersatzneubau zu sehen. Es ist nicht das erste Einfamilienhaus, bei dem ein moderner Neubau der Sanierung des Bestehenden vorgezogen wurde – meist werden dabei die Wohnflächen größer und die Gärten kleiner.

An der Bremer Straße berichteten wir schon von den neuen Baublöcken gegenüber der Krochsiedlung und dem Kindergarten-Ersatzneubau, der inzwischen weitestgehend fertiggestellt ist. Für die weitere Planung der Fläche östlich der Bremer Straße gab es 2016 einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan, der u. a. eine Oberschule und zahlreiche Einfamilienhäuser vorsieht. Tatsächlich aufgestellt und beschlossen wurde der Bebauungsplan bis heute jedoch nicht. Gebremst wird die dortige Entwicklung auch durch die knappen Kapazitäten des Abwassersystems, wie die Leipziger Volkszeitung Ende September berichtete: Für die Ableitung des ankommenden Regenwassers fehlt noch das Gesamtkonzept. Nachhaltige Lösungen setzen heute eher auf Versickerung vor Ort, allerdings sind dazu auch unversiegelte freie Flächen nötig – ein knapper werdendes Gut in Gohlis!

Ganz im Norden, an der Landsberger Straße kurz vor der Straßenbahnendstelle „Gohlis-Nord“, die genau genommen bereits in Möckern liegt, haben im Herbst die Bauarbeiten zu neuen Wohnkomplexen der LWB (einschl. Kindertagesstätte) begonnen – drei tiefe Baugruben waren bei Redaktionsschluss zu sehen, dazwischen eingeebnete Bauflächen. Letztes Jahr hatten Unbekannte auf dem Gelände Holzkreuze für die dort gefällten Bäume aufgestellt.

Umgestaltung des „Platz des 20. Juli 1944“ (Jägerplatz) Ende November abgeschlossen

Von Stephan Grandke

Bereits im Mai letzten Jahres erfolgte durch das Magistralenmanagement gemeinsam mit dem Amt für Stadtgrün und Gewässer eine Beteiligung der Bewohner am Planungsprozess zur nutzerspezifischen Umgestaltung im Rahmen unseres Bürgerpicknicks. Die Präsentation, Diskussion und Ideensammlung wurde so gestaltet, dass Kinder und Jugendliche sich gleichrangig einbringen konnten, um ein generationsübergreifendes, repräsentatives Meinungsbild zu erhalten.

Wichtigstes Ergebnis dieser Beteiligung war der Erhalt des gut genutzten und mit ausreichend Sicherheitsabstand zur Jägerstraße gelegenen großen Sandkastens am Standort. Auch die geforderte Verlagerung der Tischtennisplatten weg von der Wohnbebauung in den zentralen Bereich wird realisiert, ebenso wie das Freihalten der bespielbaren zentralen Platzfläche für Bewegungsspiele und die Integration eines Trampolins.

Im August dieses Jahres haben die Arbeiten an dem gründerzeitlichen Quartiersplatz begonnen. Die im vergangenen Winter in der Mitte des Platzes gefällten, pilzbefallenen Silberahornbäume werden durch vitale Jungbäume ersetzt. Um die Versorgung mit wohnungsnahem Grün im Stadtteil zu verbessern, werten zudem 13 neue Rotdornbäume und Strauchflächen den nördlichen und südlichen Bereich des Platzes auf. In den bestehenden Lindenreihen werden zusätzlich zwölf Wildapfelbäume gepflanzt. Der stärker begrünte Platz nimmt künftig potenziell mehr Regenwasser auf, das über Bäume, Sträucher und Stauden wieder verdunsten kann. Das soll nicht nur das Standortklima verbessern, sondern auch Erosionserscheinungen vorbeugen, die durch das Platzgefälle mit 1,5 m Höhendifferenz bisher aufgetreten sind.

Die Südseite des Platzes erhält einen gepflasterten Gehweg, der über Bordabsenkungen einen barrierefreien Zugang über die Platzfläche bietet. Im Nordteil des 1904 angelegten Schmuckplatzes können sich Kinder auf einer Kletterstrecke, einem Trampolin sowie auf einem Stehkarussell austoben. Die zum Rollern und Ballspielen sehr beliebte zentrale Plattenfläche bleibt erhalten und wird rutschfester gemacht. Neue Sitzmöglichkeiten sowohl im Schatten als auch an sonnigen Stellen laden zum Verweilen ein. Die Aufwertung des Platzes kostet rund 428.000 Euro und wird zu zwei Drittel durch das Bund-Länder-Programm „Stadtumbau“ gefördert. Die Arbeiten werden im November abgeschlossen sein, so dass der Platz wieder genutzt werden kann. Eindrücke vom Baufortschritt vermitteln nachfolgende Bilder.

Jürgen Schrödl leitet das Budde-Haus und freut sich über dessen Entwicklung

Das Budde-Haus im Abstandsmodus

Von Peter Niemann

Für alle Kultureinrichtungen in Deutschland war das Jahr 2020 ein außergewöhnliches Jahr. Ein Jahr zwischen Auf und Ab, und Ab und Auf. Ein Jahr mit zeitweisen Schließungen, mit Hygienekonzepten und gegensätzlichem Publikumsverhalten. Auch das Budde-Haus wurde davon nicht verschont. Wir haben nachgefragt beim Leiter Jürgen Schrödl.

P. Niemann: Wie geht Kulturarbeit in Corona-Zeiten?

J. Schrödl: Es ist quasi wie „Kultur auf Abstand“. Und das ist anstrengend, in vielerlei Hinsicht. Es erfordert für uns als Veranstalter mehr Kommunikation, mehr Organisation, mehr Umdenken. Vor allem die Einsicht, dass gewohnte Planungen und Veranstaltungsabläufe nun anders sein müssen. Dafür haben wir aber auch viel Verständnis von unseren Besuchern und Partnern erfahren. Und Dankbarkeit, dass wir die Dinge, die möglich waren, auch ermöglicht haben.

P. Niemann: Was haben Sie denn ermöglicht?

J. Schrödl: Das Budde-Haus hat ein wunderschönes Außengelände mit einem wunderschönen Garten. Dadurch konnten in den Sommermonaten einige Angebote, die sonst drinnen stattfinden nach draußen verlegt werden. Wir hatten zusätzliche Raumanfragen, die ebenfalls im Garten stattfinden konnten. Und wir haben zusätzliche Veranstaltungen in unser Programm aufgenommen. Zum Beispiel unsere Sommertheaterwoche. Dadurch sind auch neue Formate entstanden, die wir künftig fortsetzen wollen. Das meine ich mit dem Umdenken. In Krisen ist man stärker gezwungen dazu. Das kann man auch als etwas Positives verbuchen.

P. Niemann: Das Budde-Haus musste von Mitte März bis Ende Mai schließen. Nun fällt auch der November aus*. Was bedeutet das?

J. Schrödl: Das war und ist für alle Beteiligten hart. Für die vielen Anbieter von Kursen, die abgesagt werden müssen. Für die Künstler, die nicht auftreten können. Für die Chöre und Theatergruppen, die nicht proben dürfen. Für andere Veranstalter, die zum Beispiel ihre Seminare oder Treffen bei uns nicht durchführen können. Das sind finanzielle Verluste, aber auch enorme Hemmnisse für unsere und ihre Arbeit. Nicht zu vergessen dabei sind die vielen Nutzer dieser Angebote, die auf gemeinschaftliches Freizeiterleben und soziales Miteinander verzichten müssen. Die Einschränkungen unter Corona-Bedingungen haben den Wert kultureller Angebote für die Gesellschaft noch einmal bewusster gemacht.

P. Niemann: Wie haben denn die Besucher auf die coronabedingten Einschränkungen reagiert?

J. Schrödl: Insgesamt mit viel Verständnis, und auch Mitverantwortung. Abstand halten, auf Abstand sitzen, Kontakte zur Nachverfolgung angeben. Leider konnten wir durch die begrenzten Platzkapazitäten nicht immer alle Kartenwünsche erfüllen. Viele haben ihren Eintritt dafür mit einem Soli-Beitrag großzügig aufgerundet.

P. Niemann: Wie wird es weitergehen?

J. Schrödl: Corona wird uns noch eine Weile begleiten. Wir haben gelernt und sind darauf eingestellt, auch wenn es mental nicht einfach ist, und es schwer wird die Finanzierung zu sichern. Wir müssen 2021 auf jeden Fall Abstriche machen. Aber was wir ermöglichen können, werden wir ermöglichen. Immer mit dem Blick auf das was wir in Bezug auf den Infektionsschutz verantworten können und was der jeweiligen Situation angemessen ist. Wir hören jedenfalls nicht auf, weiter zu denken.

Gohliser Adventskalender 2020 zur Unterstützung der Michaeliskirche

Von Christian Dose

Die Sanierung der Michaeliskirche ist ein Prozess, der die Michaelis-Friedenskirchgemeinde noch lange begleiten wird. Noch ist nichts zu sehen, aber die Planungen gehen voran. In einem ersten Schritt sollen in den nächsten zwei Jahren die Fenster des Kirchenschiffs gereinigt bzw. aufgearbeitet werden. Auch an den seitlichen Fassaden sind etliche Maßnahmen zum Erhalt des Gebäudes geplant, so sollen offene Fugen geschlossen und Blechabdeckungen ergänzt werden. In den Jahren danach wird die Sanierung des Innenraumes angegangen.

Die Arbeiten werden aus Eigenmitteln der Gemeinde, Geldern der Landeskirche und über Förderungen von Bund und Land finanziert. Aufgrund der durch die Corona-Pandemie weniger gewordenen Kirchensteuereinnahmen kann zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob die ersten Arbeiten nächstes Jahr wirklich beginnen können. Alle notwendigen Anträge wurden aber gestellt.

Neben den Mitteln der Landeskirche und den beantragten Förderungen sind wir weiterhin auf Ihre Spenden angewiesen. Jetzt gibt es den zweiten Gohliser Adventskalender zur Unterstützung der Michaeliskirche. Er wurde von der Grafikerin und Illustratorin Urte von Maltzahn-Lietz aus Gohlis gestaltet. Mit jedem weiteren Tag ab dem ersten Dezember ändert und vervollständigt sich das Bild… Helfen Sie uns, die Michaeliskirche zu erhalten und nehmen Sie gegen eine Spende von 10,- € einen Gohliser Adventskalender mit. Sie erhalten ihn nach den Gottesdiensten der Michaelis-Friedenskirchgemeinde oder in ausgewählten Gohliser Geschäften. – Vielen Dank!

Unter einem guten Stern…

Von Gotthard Weidel, Pfarrer.i.R.

Im letzten Jahr trafen sich viele Menschen zu „Advent in Gärten und Höfen von Gohlis“. Wir standen um ein Feuer herum, sangen Adventslieder, hörten Geschichten und manchmal gab es Glühwein. Mit unseren gesammelten Erfahrungen und dem Zuspruch der Teilnehmenden sollte in diesem Jahr das Programm ausgebaut werden. Aber – dem Bürgerverein geht es wie vielen anderen Veranstaltern. Im November gelten besondere Corona-Einschränkungen. Wir bedauern es sehr. Dennoch hoffen wir, im Dezember wieder zum Singen auf den Plätzen einladen zu können.

Wir wollen deshalb nicht Trübsal blasen. Advent kann weiterhin gefeiert werden. Die Familien werden ihre Wohnungen schmücken und die Fenster dekorieren. In den letzten Jahren fielen besonders unterschiedliche Weihnachtssterne auf, die aus den Stuben strahlten oder von den Balkonen leuchteten. Es ist erstaunlich, wie viele verschiedene Arten von Sternen es gibt. Sachsen scheint eine Hochburg der Weihnachtssterne zu sein. Der klassische Herrnhuter Adventsstern führt die Auswahl an. Danach folgt das halbe Erzgebirge mit dem Annaberger-, Hasslauer-, Hartensteiner- und Zwickauer – Adventsstern. Weshalb faszinieren uns Sterne? Sie ziehen mit ihrem Licht die Aufmerksamkeit auf sich und wecken unsere Neugier. Manche verknüpfen mit den Sternen ihre Erinnerungen an die Advents- und Weihnachtszeit.

Ich erinnere mich an den ersten Adventsstern, den ich bewunderte. In der Nachkriegszeit war es sehr dunkel. Mit Stromsperren musste gerechnet werden. Eine schwache Glühbirne erleuchtete den einzigen Herrnhuter Adventsstern unseres Dorfes. Es breitete sich warmes rötliches Licht aus und strahlte bis auf den Dorfplatz. Der Stern zeigte uns Kindern: Eine gute Zeit steht bevor.

Jahrzehnte später lebte ich als sächsischer Pfarrer in einem Industriedorf mitten im Braunkohlenrevier. Die Umstände waren schwer zu ertragen. In der Adventszeit brachte die Kirchgemeinde auf dem Kirchturm einen großen Adventsstern an. Sein heller Schein strahlte sogar in die Tiefe des Braunkohletagebaus und war auch über die Abraumhalden hinweg zu sehen. Man sah aus der Tiefe und aus der Ferne, dass hier Menschen leben und Advent feiern. Das Dorf war stolz auf seinen Stern.

In der Friedenskirchgemeinde war es eine Tradition, am 23. Dezember das Weihnachtsoratorium von J.S. Bach zu singen. Die Kantorei der Friedenskirche stellte sich im Altarraum unter dem großen Adventsstern auf. Die Musikerinnen und Musiker nahmen ihre Plätze ein und alle hörten mit Pauken und Trompeten den Eingangschor: „Jauchzet frohlocket, auf preiset die Tage…“. Die Musik nahm die Menschen mit und begeisterte sie. Alle Sorgen und Probleme blieben zurück. Vielleicht begann für den Einen oder Anderen schon das Weihnachtsfest.

Ich berichte an dieser exponierten Stelle von persönlichen Erlebnissen, die jeder in einer ähnlichen Weise erlebt hat oder erleben kann. Diese Erfahrungen sind heute wichtig. Wir müssen nicht nur Einschränkungen ertragen. Vielmehr können wir uns auf gemeinsame Traditionen und Erlebnisse besinnen, die unser Leben bereichern. Dafür müssen wir nur die Augen öffnen. Falls wir uns in diesem Jahr nicht versammeln können, nehmen Sie sich die Zeit und erleben „Advent in den Straßen und auf den Plätzen von Gohlis“. Entdecken sie die Vielzahl von Adventssternen, unter denen Menschen wohnen. Unter einem guten Stern…wollen alle Menschen leben.

Advent in den Höfen und Gärten von Gohlis – 2020 Edition

Hehre Ziele. In diesem Jahr wollten wir eigentlich noch eine Schippe drauflegen. Nach einem erfolgreichen Start im Jahr 2019, wollten wir in diesem Jahr noch mehr Advent in noch mehr Höfe und Gärten von Gohlis bringen. Damals gelang es uns immerhin, 11 vorweihnachtliche Zusammenkünfte in unserem lieben Stadtteil zu realisieren. Dabei war uns natürlich daran gelegen, das bestehende Angebot an Weihnachtsmärkten und Adventsveranstaltungen einzubinden und durch weitere zu ergänzen. Und jede davon war wahrlich einzigartig. Es wurde gesungen, gelesen, gelauscht und gelacht. Manchmal haben wir sogar etwas gebastelt, oft wurde Tee getrunken und viele Kekse vertilgt. Immer kamen wir mit ganz unterschiedlichen Menschen aus dem Stadtteil zusammen und haben uns wirklich gut unterhalten.

Bedingt durch diese unsägliche Pandemie gewinnt in diesem Jahr natürlich die Vernunft. Bereits Anfang November haben wir uns im Bürgerverein und mit allen Beteiligten darauf verständigt, dass Advent in den Höfen und Gärten von Gohlis 2020 leider abgesagt werden muss. Da wir gnadenlose Optimisten sind, planen wir jedoch vorsichtig damit – sofern zulässig und bei einer Inzidenz von weniger als 35 – im Dezember spontane Zusammenkünfte auf Plätzen in Gohlis zu veranstalten. Ein regelmäßiger Blick auf unsere Website lohnt sich also. Zur Einstimmung auf die anstehende Adventszeit finden Sie auf dieser Seite ein paar Impressionen aus dem vergangenen Jahr. Wir sehen uns dann aller-, allerspätestens bei einer unserer vielen Adventsveranstaltungen im Dezember 2021. Wir freuen uns!

Neues aus der Bibliothek Gohlis „Erich Loest“

Liebe Leserinnen und Leser des Gohlis Forum,

die Vorweihnachtszeit ist in vollem Gang und auch dieses Jahr bietet Ihnen die Bibliothek Gohlis wieder viele Möglichkeiten, das Weihnachtsfest (Trotz COVID-19!) auf ganz besondere Weise zu gestalten. So finden Sie in unserem Bestand Bücher mit den besten Rezepten für Weihnachtsplätzchen und Weihnachtsbraten, kreative Ideen für individuelles Dekorieren und Verschenken sowie eine Vielzahl an Märchenfilmen für gemütliche Fernsehnachmittage.

Eine Alternative zu Filmen auf DVD oder Blu-ray finden Sie auf der Webseite der Leipziger Städtischen Bibliotheken (www.stadtbibliothek.leipzig.de) unter der Rubrik Online-Angebote.

Das Filmportal „filmfriend“ ist ein Video-on-Demand-Streaminganbieter speziell für Bibliotheken. Hier finden Sie ein übersichtliches und gut ausgesuchtes Angebot an hochwertigen Inhalten und Themen. Der Schwerpunkt des Filmangebots liegt auf deutschen Klassikern, Dokumentationen, Kinderserien sowie dem internationalen Arthouse-Kino. Mittlerweile stehen über 1500 Filme zum Streamen für Sie bereit. Zur Nutzung der Filme ist eine Anmeldung mit der Benutzernummer und dem Passwort des Bibliotheksausweises notwendig. Filmfriend ist werbefrei und erhebt keinerlei personenbezogene Daten. Die Filme lassen sich ganz einfach auf dem PC/ Mac oder auf dem Tablet und Smartphone sowie über TV-Geräte (AppleTV, Google ChromeCast) abspielen. Die Altersfreigabe für Kinder wird automatisch geprüft. Gerade in der dunklen Jahreszeit ist „filmfriend“ eine ideale Plattform für Filmfreunde und solche, die es noch werden wollen.

Und alle, die dieses Jahr ihr Pensum an Flimmerstunden bereits übererfüllt haben und das „Mensch ärgere dich!“-Spielbrett auch schon nicht mehr sehen können, finden im Bestand der Bibliothek Gohlis eine spannende Auswahl an Gesellschaftsspielen für die ganze Familie. Für Zocker und Strategen, für Klein und Groß, für Jung und Alt. Es sollte für jeden etwas dabei sein. Also! An die Würfel, fertig, los!

Das Team der Bibliothek Gohlis „Erich Loest“ wünscht Ihnen eine friedliche und besinnliche Weihnachtszeit. Bleiben Sie gesund!
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Die Anmeldung für LeipzigPass-Inhaber ist ermäßigt.
Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 19. Lebensjahr können die Bibliothek kostenlos nutzen.

Bibliothek Gohlis „Erich Loest“
Stadtteilzentrum Gohlis
Georg-Schumann-Str. 105
04155 Leipzig

Tel.: 0341 / 123 5255
E-Mail: bibliothek.gohlis@leipzig.de

Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 10 – 19 Uhr ; Mi 15 – 19 Uhr