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Gohlis Forum 6/2020

Neues aus der Bibliothek Gohlis „Erich Loest“

Liebe Leserinnen und Leser des Gohlis Forum,

der Sommerurlaub ist bereits Vergangenheit, die Schulferien sind vorüber und auch für die Leipziger Schülerinnen und Schüler heißt es, sich wieder im Schulalltag zurechtzufinden. Und die durch die COVID-19-Pandemie veränderten Rahmenbedingungen sorgen sicherlich für einen Schulstart, der hier und da mit einigen ungewohnten Hürden verbunden sein wird.

Auf unserer Website (www.stadtbibliothek.leipzig.de) finden Sie ein Online-Angebot, dass Spaß und Übungserfolg miteinander verbindet und lernen von zu Hause aus vereinfacht. Die „scoyo – Lernplattform für Schüler“ ist Deutschlands meist genutztes Online-Lernangebot für Kinder und bietet Schülerinnen und Schülern der 1. bis 7. Klasse die Möglichkeit, ihre schulischen Leistungen zu verbessern. Für alle wichtigen Fächer vermittelt „scoyo“ spielerisch an den Lehrplan angepasste Lerninhalte. Über 4.000 Lernspiele und mehr als 10.000 Übungen und Tests laden zu spannenden Lernabenteuern ein. Und das Beste ist: mit einem gültigen Bibliotheksausweis ist die Nutzung kostenlos.

Grundschüler reisen mit den Zwillingen Lisa und Luis in eine interaktive Planetenwelt. Ihre Mission ist es, Mathe, Deutsch und Englisch ins All zu bringen und die außerirdischen Awaner von dem Verwirrschleim zu befreien. Der Spaß beim Durchlaufen der Abenteuer soll die Schüler zum eigenständigen Lernen motivieren und sich positiv auf den Lernerfolg auswirken. So macht das Lernen Spaß!
Für alle ab der 5. Klasse geht es als Teil von coolen Teams um Lernabenteuer in den Hauptfächern Mathe, Deutsch und Englisch. Zudem tauchen sie in Abenteuer aus Physik, Biologie, Chemie und Kunst ein. Anschauliche Beispiele aus dem Alltag machen dabei selbst Kompliziertes leicht verständlich.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Bibliothek Gohlis und klicken Sie doch bei Gelegenheit mit Ihren Kindern oder Enkelkindern mal bei „scoyo“ rein! Es lohnt sich!
Die Anmeldung für LeipzigPass-Inhaber ist ermäßigt.
Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 19. Lebensjahr können die Bibliothek kostenlos nutzen.

Bibliothek Gohlis „Erich Loest“
Stadtteilzentrum Gohlis
Georg-Schumann-Str. 105
04155 Leipzig

Tel.: 0341 / 123 5255
E-Mail: bibliothek.gohlis@leipzig.de

Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 10 – 19 Uhr ; Mi 15 – 19 Uhr

Kalender für 2021 Mobil in Gohlis – mit dem Auto

Von Wolfgang Leyn

Den Flughafen beim 1896 eingeweihten Scherbelberg am Rande von Gohlis gab es nur in der Phantasie. Auch ohne Flughafen ist Gohlis verkehrsgeschichtlich interessant. Alte Postkarten, Archivbilder und private Schnappschüsse zeigen im Kalender des Bürgervereins für 2021, wie Gohliser früher unterwegs waren, zu Fuß, mit dem Pferdefuhrwerk, mit Fahrrad, Auto und Motorrad, mit Straßenbahn, Bus oder Eisenbahn.
Auf der Rückseite der Kalenderblätter erfahren Sie in Text und Bild Interessantes darüber. Ab Oktober gibt‘s den Wandkalender im DIN A 4-Querformat für 9 € im Budde-Haus. Sie können vorbestellen unter buergerverein@gohlis.info.
Im Folgenden ein Auszug aus dem Text zum Monatsbild September „Mobil in Gohlis – Auto“:

Intakte Privat-Pkws waren nach Ende des 2. Weltkrieges auch in Gohlis eine Seltenheit. Doch der heute exotisch anmutende Anblick eines Autos mit Kessel im Heck war damals nichts Ungewohntes. Seit 1942 gab es in Deutschland Kraftstoff nur noch fürs Militär; also wurden Lkws und Pkws auf Holzgasbetrieb umgerüstet. […]

Leipzig ist heute wieder ein wichtiger Standort der Autoindustrie. 2002 nahm das hiesige Porsche-Werk die Produktion auf, 2005 folgte BMW. Schon vor rund 100 Jahren wurden in der Stadt Autos gebaut – bei Polyphon in Wahren ab 1904. […] August Horch hatte 1904 seine Motorwagenfabrik ursprünglich in Leipzig gegründet. Weil Zwickau aber günstigere Bedingungen bot, zog die Firma dorthin um.

Und Gohlis? Leipzigs erstes halbwegs fahrfähiges Automobil hatte 1880 Julius Wilhelm von Pittler entwickelt, der 1886 bis 1904 in Gohlis lebte. Doch wegen der Lärmbelästigung verbot die Polizei das mit einem Schießpulver-Motor ausgestattete Fahrzeug. Ab Mitte der 20er-Jahre wurden dann in den Gohliser Bleichert-Werken Elektroautos gebaut. Ende der 1950er-Jahre entwickelte Joachim Kunsch in Gohlis das Krausemobil, ein Kleinstauto für Menschen Mit Einschränkungen.

Die frühen Automobile waren reparaturanfällige Prestigeobjekte für Wohlhabende. Auch Kraftstoff war teuer. Manche Privathäuser, die nach 1910 in Gohlis-Süd gebaut wurden, verfügen im Souterrain über eine Garage, so im Poetenweg, in der Fechnerstraße oder der Stollestraße. […]

Rund zwei Drittel aller Gohliser Haushalte verfügten 2019 über einen Pkw. Die meisten stehen heutzutage am Straßenrand, täglich im Schnitt 23 Stunden lang. Car-Sharing wäre eine Alternative. Elektroautos haben eine bessere CO2-Bilanz als jene mit Verbrennungsmotor, den knappen Verkehrsraum verstopfen sie auch. In vielen Fällen wäre der Umstieg aufs Fahrrad oder den öffentlichen Nahverkehr problemlos möglich.

Gohliser Baugeschehen – Vom Abriss bis zum Platzumbau

Von Matthias Reichmuth

Gohlis ist kein reines Wohngebiet. Es gibt auch Geschäfte, Gewerbe, Büros und damit etliche Arbeitsplätze. Allerdings war die Durchmischung früher größer als heute. Die Gewerbe- und Handwerksbetriebe zwischen den Wohnhäusern werden weniger. In der Lüderstraße 10 gab es vor zwei Jahren noch einen Sanitär-Fachgroßhandel, der inzwischen geschlossen wurde. Das Grundstück wurde verkauft – nach heutigem Baurecht wäre ein vergleichbares Unternehmen in dieser schmalen Anwohnerstraße aber nicht wieder genehmigungsfähig. Also wird das Grundstück zukünftig mit hoher Wahrscheinlichkeit für Wohnzwecke genutzt. Der erste Schritt dafür war nun der Abriss der bisherigen Gebäude, seit August 2020 gibt es daher in der Lüderstraße eine große Baulücke.

Eine andere Baustelle ist vielleicht für manche Betrachter rätselhaft geblieben: Seit Monaten stehen an der Natonekstraße neben dem Kaufland Baufahrzeuge und -geräte, ohne dass bauliche Veränderungen sichtbar sind: Diese finden im Innern statt: Um für eine zukünftige gastronomische Nutzung noch ungenutzer Flächen im Einkaufszentrum die notwendigen Besucherparkplätze zu schaffen, werden in den darunterliegenden Gewölben der ehemaligen Brauerei Kellerflächen zu Parkplätzen umgebaut. Das dauert bei Bewahrung historischer Bausubstanz natürlich länger als bei einem Neubau auf freiem Feld.

Mitte August sind auch nach reichlich sieben Jahren die Gerüste an der Menckestraße 54 gefallen, die Fassade wurde endlich saniert. Kinder im Grundschulalter haben diese Stelle zu Lebzeiten noch nie ohne Gerüst gesehen – das ist uns ein Foto wert!

In Gohlis-Mitte wird auch an etlichen Stellen saniert: So erstrahlt die Fassade der Jägerstraße 2 (Ecke Landsberger Straße) inzwischen in neuem Glanz, auch an beiden Eckgebäuden der Stauffenbergstraße zur Roßlauer Straße stehen Gerüste, und der Platz des 20. Juli wird ebenfalls grundlegend neu gestaltet, das Bild zeigt den Baufortschritt vom 30. August.

In Gohlis-Nord gehen einige Bauprojekte ihrer Vollendung entgegen. An der Bremer Straße 6 bis 8b, gegenüber der Krochsiedlung, werden die neu entstandenen Wohnungen mit allen Komfortmerkmalen derzeit für bis zu 11 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter für einen Einzug ab 01.01.2021 angeboten. Auch die Modulbauten in der Maria-Grollmuß-Straße sehen nach baldigem Einzug aus.

Zum Abschluss lohnt sich noch ein Blick aus Gohlis heraus: Der Viertelsweg wurde in den letzten Jahren als „Fehmarner Straße“ nach Westen verlängert, wo nun eine Mischung aus sanierten Militärbauten (Heeresbäckerei) und Neubauten völlig neue stadträumliche Eindrücke mit sich gebracht hat. Die meisten Gebäude sind inzwischen bezogen und der Spielplatz, der sich in der Mitte über der Fläche einer Tiefgarage erstreckt, wird intensiv genutzt. Die Entwicklung der ehemaligen Kasernenflächen, die mit den Kaisergärten und im Quartier Siebengrün begann, setzt sich derzeit Schritt für Schritt immer weiter nach Westen fort. Dieses Gelände lohnt auch immer wieder einen Spaziergang.

Grundsteinlegung für 5 Millionen Euro Neubau

Die Vereinigte Leipziger Wohnungsgenossenschaft eG (VLW) hat mit einer Grundsteinlegung den offiziellen Startschuss für den Neubau in der Otto-Adam-Straße 11 gegeben. Vorstand Wolf-Rüdiger Kliebes versenkte im Rahmen einer Feierstunde auf der Baustelle eine Zeitkapsel mit aktuellen Dokumenten. Neben einer Tageszeitung fanden das Mitgliedermagazin der VLW sowie die aktuelle Corona-Allgemeinverfügung Sachsens, eine Kopie des Bauvertrags und 2 Euro-Münzen den Weg in die Kapsel. Während der Arbeiten am Fundament konnte auch die alte Zeitkapsel geborgen werden. In ihr lagen eine Leipziger Volkszeitung vom 3. Mai 1974 sowie eine Abendzeitung mit gleichem Datum.

Der entstehende Neubau ist für die Wohnungsgenossenschaft ein ganz Besonderer. Er ist der erste Neubau seit der Wiedervereinigung, den die VLW in den Bestand aufnimmt. Darüber hinaus ist es der erste Neubau als Bauherr seit 1974, als an eben jener Stelle die beiden Häuser 11/13 errichtet wurden. Diese Funktionsbauten wurden im Zuge der Sanierung der Otto-Adam-Straße 1-9 abgerissen und der Neubau an ihrer Stelle geplant.
Insgesamt kostet der Neubau gut 5 Millionen Euro.

Wolf-Rüdiger Kliebes, Vorstandsvorsitzender: „Dieses Haus ist für uns etwas Besonderes. Wir sind mit diesem barrierearmen Bau erstmals in der Lage, unseren Mitgliedern mit Mobilitätseinschränkungen geeignete Wohnungen anzubieten. So können sie möglichst lange und selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben. Trotz dass es ein Neubau ist, orientiert er sich bei der Fassadengestaltung an den historischen Vorbildern der denkmalgeschützten Nachbarhäuser, so dass ein harmonisches Bild entsteht.“

In dem viergeschossigen Gebäude entstehen 27 Zweiraumwohnungen, die zwischen 37 und 55 Quadratmetern groß sind. Ins Erdgeschoss kommt ein großer, teilbarer Gemeinschaftsraum. Darüber hinaus entsteht eine großzügige Gewerbeeinheit. Das Haus erhält einen Aufzug, der sowohl von außerhalb als auch von innerhalb begehbar ist. Hofseitig werden Laubengänge entstehen, die zu den Wohnungen führen. Im Innenhof werden sieben Stellplätze angelegt, vier davon mit Ladesäulen für Elektroautos.

Der Rohbau soll bis zur Jahreswende 2020/2021 stehen. Im kommenden Jahr erfolgt der Innenausbau, so dass Ende 2021 das Haus bezugsfertig sein soll. Auch bei diesem Vorhaben arbeitet die Wohnungsgenossenschaft mit dem Büro W&V Architekten GmbH als Generalplaner zusammen.
Mit dem Neubau schließt die VLW gleichzeitig die komplexe Sanierung der Wohnanlage „Gohliser Idyll“ ab. Während ein Großteil der Häuser in der Virchow-, Gottschall- und Rudi-Opitz-Straße bereits um die Jahrtausendwende saniert wurden, waren die Häuser der Otto-Adam-Straße 1-13 lange Zeit stillgelegt. Nach dem Abriss der alten Otto-Adam-Straße 11/13 begann 2018 die Sanierung der Häuser 1-9 sowie die Planung des Neubaus. Im Spätsommer 2019 zogen die letzten Mitglieder in ihre neuen Wohnungen. Zu den Baumaßnahmen gehört auch die Neugestaltung des Innenhofes. So entstanden neue Grünflächen, ein großer Spielplatz und Sitzmöglichkeiten. Im Zusammenhang mit dem Neubau folgen Funktionsgebäude, insbesondere für Container und Fahrräder.

Gestanzte Musik: Veranstaltungen rund um die in Gohlis erfundene Lochplatte

Von Birgit Heise

Das Jahr der Industriekultur nimmt nun doch noch Fahrt auf und setzt Schlaglichter auf ehemalige Zentren der sächsischen Produktion. Gohlis stand von 1880 bis 1930 im Brennpunkt der Musikszene: Hier wurde die erste runde Musik-Platte der Geschichte erfunden und in riesiger Stückzahl gebaut. Lochplatten sind noch keine Schallplatten, sondern sie helfen beim Spielen realer Musikinstrumente. Ohne Notenkenntnisse, nur durch Kurbeln, kann man ein Akkordeon, eine Spieluhr oder ein Klavier hören. Direkt im ehemaligen Symphonion-Werk, heute die Musikschule Neue Musik in der Eisenacher Straße 72, trafen sich Experten aus ganz Europa und tauschten ihre Gedanken aus. Warum gerade Gohlis (?), könnte man sich fragen. Das damals günstige Bauland, die Transportwege, die Messe und das nahe gelegene Leipzig mit Unmengen an Musikern, Händlern und Verlagen: Standortvorteile gab es zuhauf. Doch letztlich lag es auch an dem Zufall, dass der Klavierbauer Paul Ehrlich eben in Gohlis lebte und 1882 seine gelochte runde Platte erfand. Damit gründete er einen ganzen Industriezweig, mit Werken in der Möckernschen, Eisenacher, Georg-Schumann- oder Natonekstraße. Bei schönstem Wetter nahmen viele Interessenten am Rundgang durch Gohlis teil. Eine kleine Platten-Drehorgel Ariston begleitete die Gruppe und wurde jedesmal gedreht, wenn man eine historische Stätte passierte. So kam es zu kuriosen Erlebnissen, wenn ein direkter Nachfahre von Paul Ehrlich vor dessen Produktionsstätte das Gohliser Ariston drehte. Da ging so manches Fenster auf, traf man überall auf erstaunte und lachende Gesichter. Der Spaziergang endete an dem schmiedeeisernen Tor hinter der Sparkasse Gohliser Straße, mit Schriftzug „E.G.Lochmann“. Paul Lochmann und sein Bruder Ernst Georg leiteten die Symphonion-Werke in Gohlis.

Auch im Kulturhof Eisenacher Straße 72 fand sich zahlreiches Publikum ein. Hier stellte Jost Mucheyer aus Elstertrebnitz eine Kollektion Leipziger Musikautomaten klingend vor. Er betreibt in Elstertrebnitz ein neues Museum: es beherbergt die weithin größte Sammlung Leipziger Musikwerke. Jeden Sonntagnachmittag führt er klingend seine schönsten Stücke vor; ein Besuch lohnt unbedingt!

Übrigens wäre die ganze Aktion ohne tatkräftige Mithilfe des Bürgervereins Gohlis nicht möglich gewesen. Und auch nicht ohne das unkomplizierte und freundliche Entgegenkommen von Herrn Plättner, dem Leiter der Musikschule Neue Musik. Wer sein Kind dorthin zum Musikunterricht bringt, sollte einmal im Werkscafé darauf achten, mit wie viel Sorgfalt restauriert und wie manches Element der ehemaligen Produktionsstätte erhalten wurde.

Wir feiern zusammen! Wir halten zusammen! – Initiative Weltoffenes Gohlis organisiert Begegnungsfest

Von Michael Wagner

Menschen, die einander kennen, respektieren sicher eher als Menschen, die anonym nebeneinander leben.
Der Bürgerverein Gohlis unterstützt schon gemäß seiner Satzung ein respektvolles Zusammenleben der Menschen in Gohlis, unabhängig von Herkunft oder religiösem Bekenntnis. Deshalb sind wir mit dabei, wenn am 17. Oktober die Initiative Weltoffenes Gohlis zusammen mit anderen gesellschaftlichen Gruppen und religiösen Gemeinden erneut zu einem Begegnungsfest zwischen den Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in der Max-Liebermann-Straße 36c und den Menschen in der Umgebung einlädt. Die Veranstaltung findet zwischen 15 Uhr und 18 Uhr vor dem Haupteingang der Unterkunft im öffentlichen Raum statt.

Wir wollen Grenzen und Abschottung in unserer Nachbarschaft überwinden und gemeinsam ein Fest der Solidarität feiern! Wir wollen Begegnungen schaffen, Kontakte knüpfen und zeigen, dass Menschen zusammenhalten.

Neben Kaffee und Kuchen wird es Musik, ein kleines Kinderprogramm und zahlreiche Möglichkeiten geben, um ins Gespräch zu kommen.
Kommen Sie vorbei und machen Sie sich ein Bild. Wir sind überzeugt davon, dass Menschen viel mehr eint als trennt!

17.10.2020, 15:00 bis 18:00 Uhr
Max-Liebermann-Str. 36c

Geschichte in Geschichten (Teil 2) – Schüler fragen Zeitzeugen: Gerd Klenk

Wie im vorigen Gohlis Forum angekündigt, können Sie hier unser erstes Zeitzeugeninterview lesen, aus Platzgründen redaktionell gekürzt. Das gesamte Interview finden Sie später auf unserer Homepage. Alle neun Interviews wurden im Sommer 2020 von Schülern der Schillerschule im Rahmen eines Gemeinschafts-Projekts mit dem Bürgerverein Gohlis geführt. Wie haben Friedliche Revolution und deutsche Einheit das Leben der Zeitzeugen verändert? Wofür haben sie sich engagiert? Was wurde erreicht, was nicht?

Von Maximilian Mehlhorn, Martin Opitz und Jamal Ziegler

Geboren 1949, studierte Gerd Klenk nach Schule, Berufsausbildung und Abitur an der Volkshochschule an der TH Leipzig, arbeitete ab 1986 im volkseigenen Betrieb „Forschung und Rationalisierung“ im Süßwarenkombinat und engagierte sich in der kirchlichen Umwelt- und Friedensarbeit. 1989 wurde er Vertreter des Friedenskreises Gohlis im „Synodalausschuss für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung im Kirchenbezirk Leipzig-Ost“. Nach Konkurs des Betriebes nach der Währungsunion 1991 wurde er Projektleiter in Beschäftigungsgesellschaften und später Migrations- und Schuldnerberater beim Caritas-Verband. 1992 gründete er mit anderen Gohliser*innen den Bürgerverein Gohlis; von 1998 bis 2014 war er dessen Vorstandsvorsitzender.

Herr Klenk, wie haben Sie die Friedliche Revolution miterlebt?
Ich habe sie aktiv miterlebt als Mitglied des Friedenskreises Gohlis, der am 9. Oktober 1989 das Friedensgebet in der Nikolaikirche gestaltete mit dem geänderten Thema „Volkes Stimme wollen wir sein“. Geändert deshalb, weil wir in der Zeitung als Konterrevolutionäre bezeichnet wurden. Wir forderten deshalb den Dialog mit allen Schichten der Gesellschaft. Die Situation war sehr brenzlig, wir hatten alle Angst, konnten aber nicht mehr zurück. Frau und Kinder blieben zu Hause. Man befürchtete – das war ja vorher angekündigt – der Polizei-Einsatz wird blutig. Viele Genossen waren in der Nikolaikirche, die noch nie in der Kirche waren und viel ängstlicher waren, als wir, logischerweise. Die kannten das ja nicht. (…) Der Pfarrer der Markusgemeinde und Initiator der Friedensgebete, dessen Aufruf „Keine Gewalt“ von allen Basis- und Friedensgruppen immer weitergetragen wurde, lieferte einen wichtigen Beitrag, um eine Eskalation zu verhindern. Im Synodalausschuss für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung waren auch Vertreter von Basisgruppen, die nichts mit Kirche am Hut hatten. (…) Das war immer schwierig mit denen, da sie eigentlich nur ihren politischen Protest zum Ausdruck bringen wollten. Diese Gruppen bestanden meist aus Ausreisewilligen. (…)

Wie standen Sie den damaligen Ereignissen gegenüber?
Ja, das war ‘ne ziemlich dramatische Zeit, und man hatte dabei natürlich Ängste, aber auch Hoffnungen. Nach dem 9. Oktober wurden alle Basisgruppen- und Friedensgruppenvertreter eingeladen ins Rathaus. Und da merkten wir, dass man versuchen wollte, uns zu überreden, dass wir Einfluss nehmen, dass der Dialog nicht durch Demos auf der Straße geführt wird, sondern geordnet eben in Häusern. Man dachte, man könnte es noch ändern, indem man den Kopf der Führung wechselte, durch Egon Krenz. Aber das war dann alles zu spät. Und was ich bedauere, ist: die meisten Leute hatten dann nur noch die D-Mark im Kopf. „Kommt die D-Mark nicht zu uns, gehen wir zu ihr“. Das war eigentlich nicht unser Ansinnen. Die Friedensbewegung wollte etwas Neues, eine Gesellschaft, die nicht so stark auf Konsum orientiert ist. Und wenn eine Vereinigung kommt, dann wollten wir uns da auch mit einbringen können, damit es etwas Gesamtdeutsches wird. Das ist es ja dann leider nicht geworden.

Was haben Sie sich für den neuen Abschnitt nach der Wiedervereinigung erhofft?
Ich hatte mir zumindest erhofft, dass die ostdeutsche Seite sich auch ein Stück mit einbringen könnte, dass der Wiedervereinigungsprozess nicht so verläuft, wie er dann verlaufen ist, also in einer Vereinnahmung, sondern zum Beispiel, dass man eine neue Verfassung vorschlägt; es gab ja nur das Grundgesetz. (…)
Wir wollten mehr. Und ich kenne auch viele in den alten Bundesländern, die wie wir gehofft hatten, dass diese Wiedervereinigung auch für sie eine Veränderung bringt, dass da was Neues entsteht, etwas Gemeinsames. (…)

Hätten Sie damals gedacht, dass es auch heute, 30 Jahre später, noch solche Differenzen zwischen Ost- und Westdeutschland geben wird?
Ich hätte nicht gedacht, dass es noch solche gewaltigen Unterschiede geben würde. Ich hätte mir eher gewünscht, dass wir – wie bei Fridays for Future – uns in eine positive Richtung engagieren, um die Gesellschaft zu verändern bei Themen wie Militarisierung und Umweltschutz und genauso Kapital und Konsum. Die ganze Gesellschaft ist ja sehr stark konsumorientiert. Aber Konsum ist ja nicht das Wichtigste. (…)

Was hätten Sie, wenn Sie damals Mitglied in der Regierung gewesen wären, anders gemacht?
In der Demokratie geht es ja immer darum, Mehrheiten zu bilden, das ist ja das Schwierige, und das war ja damals auch so, wenn ich keine Mehrheit habe, dann kann ich natürlich auch bestimmte Dinge nicht durchsetzen, wie im sozialen Bereich und beim Umweltschutz, obwohl das für die nächste Generation ein ganz wichtiges Thema ist. (…)

Was hätten Sie gern aus der DDR mit in die neue Zeit mitgenommen?
Löhne und Renten waren niedrig, aber auch die Mieten. (…) Gut war, dass in der DDR fast jeder einen Kindergartenplatz gekriegt hat. Außerdem das einheitliche Bildungssystem, auch wenn es negativ politisch belastet war. Wenn ich zum Beispiel von Leipzig nach Rostock gezogen bin, brauchte mein Kind nicht plötzlich neue Schulbücher, weil der Lehrstoff an der Schule dort anders ist als hier. Und natürlich die Zuschüsse für Grundnahrungsmittel. Eigentlich brauchte niemand Existenzangst zu haben.

Fazit

Das Interview mit Gerd Klenk war sehr interessant und aufschlussreich. Man lernt zwar in der Schule einiges über die Friedliche Revolution und die Wiedervereinigung, aber das alles ist rein objektiv. Die subjektive Meinung einer einzelnen Person, in unserem Falle Gerd Klenk, ist da nochmal was Anderes. Wir haben einige neue Dinge erfahren, die uns teilweise auch sehr überrascht haben. Wir können die Methode des Zeitzeugen-Interviews zum Thema Friedliche Revolution und Wende nur empfehlen, solange es noch möglich ist und Zeitzeugen leben.

(Der Text wurde bearbeitet und gekürzt von Ursula Hein, Wolfgang Leyn und der Redaktion)

 

Das war sie – die 11. Nacht der Kunst – Rückblick des Orga-Teams

Von Monika Maywald und Kerstin Herrlich

Traditionell am 1. Samstag im September verwandelte sich die sonst eher von Geschäftigkeit und Straßenverkehr geprägte Georg – Schumann – Straße in eine Kunst- und Kulturmeile – es fand nunmehr zum 11. Mal die Nacht der Kunst statt.

Was als kleines Straßenfest begann, hat sich zu einem der größten Kunst-/Kulturfestivals in Sachsen entwickelt. Veranstaltet wird die Nacht der Kunst vom Förderverein Georg-Schumann-Str. e.V. Das Organisationsteam um Monika Maywald und Kerstin Herrlich hatte neben den alljährlichen Vorbereitungen noch ein Hygienekonzept erarbeitet, was Grundvoraussetzung für das Stattfinden dieses Events war. Gerade in diesem Jahr, in dem die Corona Pandemie das öffentliche Leben so stark eingeschränkt hat, waren die zahlreichen Besucher begeistert, endlich wieder Kunst zu erleben.

Nach der traditionell feierlichen Eröffnung bei Kaufland öffneten die über 50 – teils außergewöhnlichen Standorte und mehr als 200 Künstler zeigten ihre Arbeiten.

Neben den vielen kleinen Ausstellungen zogen die Großstandorte tausende Besucher in ihren Bann. So gab es im Kaufland neben der Meisterschülerarbeit des französischen Künstlers Marc-Antoine Petit eine Ausstellung von jungen Designern zum Thema upcycling. Die Korkmöbel des Designers Gabriel Wiese ließen das Weintrinken gleich in einem anderen Licht erscheinen und die Möbel von Raphael Biller weckten Erinnerungen an die Berliner U-Bahn.

Auch das Heisenberg – Gymnasium war traditionell Ausstellungsort für viele Künstler und die Schülerband sorgte für Unterhaltung.

Ein buntes Rahmenprogramm mit Konzerten, Liveacts und Mitmachaktionen rundeten das Ausstellungsprogramm ab. Auf dem Huygensplatz lud der Mitmachzirkus Klatschmohn die vor allem jungen Besucher ein, sich artistisch zu betätigen und dem Vorbild der Sportler des Eintracht Leipzig 02 e.V. nachzueifern. Am Glashaus am Viadukt zeigten neben angestammten Künstlern wie u.a. Kai Meier und Gerd Bekker die Schüler der Leipzig International School ihre Arbeiten und sorgten mit einem hochkarätigem Musikprogramm für große Begeisterung. Die Kinder konnten sich bei Zirkomania artistisch betätigen und Gerd Voigt auf Stelzen bewundern, der zudem noch lustige Ballontiere bastelte.  Die Sambaband zog durch die Straße und in der Axispassage legte Max Laube Platten auf und die Classic Rock Accordions sorgten für Stimmung.

Weitere Stationen der Nacht der Kunst waren die Kunst-/ Kulturakteure im Norden, wie das Buddehaus mit dem Skulpturengarten, der Anker und der Kulturhof Gohlis.

Als Besuchermagnet sorgten im ehemaligen Autohaus in der Lindenthaler Straße große Ausstellungen mit internationalen Künstlern für Begeisterung, aber auch Künstler, wie die Gruppe „Al Cavaletto“, die zum ersten Mal ihre Arbeiten zeigten, fanden interessierte Besucher. Makerspace machte mit einer Hobelbank auf sich aufmerksam und Künstler wie Gunter Böttcher öffneten ihre Ateliers und zeigten Besuchern, wie Kunst entsteht. In der Eingangshalle zeigten Yara Dancia und Kalea orientalische Tänze und am Abend sorgte eine Feuershow für Staunen.

Das durchweg positive Feedback zeigt, dass sich die Anstrengungen der letzten Wochen gelohnt haben. Danke an die Förderer und Sponsoren, die Akteure und Besucher für diese wundervolle Nacht der Kunst!

Zu Gast beim Bürgerverein Gohlis – Nacht der Kunst 2020

Von Peter Niemann

Gleich zwei Künstler erhielten in diesem Jahr die Gelegenheit, in Kooperation mit dem Bürgerverein Gohlis im Budde-Haus eine Ausstellung anlässlich der 11. Nacht der Kunst in Leipzig zu realisieren. Wie in jedem Jahr bereitete das besondere Veranstaltungsformat allen Beteiligten viel Freude. Es ist nämlich ein großzügiger Zeitraum, der den Gästen zwi-schen 16:00 und 24:00 Uhr zur Verfügung steht. Einmal im Kalenderjahr wird hier Raum geboten, bewusst und länger als notwendig auf der Magistrale des Leipziger Nordens (i.e. Georg-Schumann-Straße) zu flanieren und mithin Kunst in den vielfältigsten Formen an den zahlreichen Standorten entlang selbiger und deren Peripherie zu begegnen.
Vollzieht man nun den Perspektivwechsel und begibt sich in die Haut eines Veranstalten-den, wirkt besagtes Zeitfenster schon etwas sportlicher, da es wirklich anstrengt, acht Stunden maskiert in einem kleinen Raum zu verbringen. Das kann sich auf jeden Fall wie eine Ewigkeit anfühlen… Wäre da nicht dieser quasi ununterbrochene und sich i.d.R. erst gen Mitternacht ausdünnende Besucherstrom, der m.E. wirklich alle Widrigkeiten des Formates auszumerzen vermag und den größten Vorzug der Nacht der Kunst erlebbar macht: den niederschwelligen Zugang zu Unmengen an Kunst. Es erfüllt regelrecht mit Freude, so viele Menschen im direkten Kontakt mit Kunst zu erleben, als Ausstellender die so zahlreichen interessierten Fragen zu beantworten oder sich einfach nur mit ganz nor-malen Menschen aus dem Stadtteil über ästhetische Vorlieben auszutauschen. Vielerorts gab es dazu sogar Streetfood oder ein musikalisches Rahmenprogramm.

Es waren keine akustischen Reize, die am 5. September das sog. Musikzimmer im Budde-Haus erfüllten. Stattdessen bot sich den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern visuell Erfahrbares in Form ausgewählter Werke aus dem Oeuvre des Künstlers KaySchwarz. So wurden die sonst eher dämmerig-tristen Wändflächen durch knallige Contemporary Ur-ban Art in verschiedensten Formaten gleichermaßen geziert und strukturiert. Die Ost-Ausrichtung des Hochparterre-Raumes und eine baubedingt eher suboptimale Patchwork-Beleuchtung rückten die Werke zwar in ein, den Kunstgenuss eher schmälerndes, diffus-funzliges Licht, aber um die Kunstwerke sollte es ja eigentlich an dem Abend ohnehin nicht primär gehen. Sie boten lediglich den Rahmen. Der Fokus galt einer Buchvorstellung: Erstmals sollte das Schaffen des Leipziger Künstlers durch das Medium des Buchs erfahr- und nachvollziehbar gemacht werden. Soweit zumindest der Plan. Book157 – KaySchwarz | Werkschau 2013 – 2020, so der Titel, hat es leider bis zu diesem Abend nicht aus der Dru-ckerei bis ins Budde-Haus geschafft. Die Präsentation musste dann notgedrungen digital via iPad, mit Infotafeln und natürlich mündlich erfolgen. Das Buch wird nun erst Mitte September erscheinen. Dieser Umstand hat zwar einige Enttäuschung hervorgerufen, im Endeffekt ist es Kunst und Künstler trotzdem gelungen, das Geschehen im Musikzimmer erlebenswert zu gestalten.

Auch im kleinen Büro des Bürgervereins im ersten Obergeschoss, dessen Nutzung sich ja sonst in Vereinssitzungen, Bürgersprechstunden und Ähnlichem erschöpft, war ordentlich Betrieb. Hier wurden nämlich die Wände von Kalender, Plakaten und Sonstigem befreit und durch Bernd Heyne genutzt, um seine digitalen Fotografien zum Thema Morbider Charme zu präsentieren.

Wir freuen uns in jedem Fall schon auf die nächste Nacht der Kunst!

Halloween im Budde-Haus: Grusel-Wusel-Geschichten

Von Jürgen Schrödel

Am 31. Oktober spuken bekanntlich unheimliche kleine Wesen durch die Stadt und fordern Süßes. Im Budde-Haus können sich an diesem Tag die kostümierten Gespenster nun selber mächtig erschaudern: Bei Grusel-Wusel-Geschichten aus aller Welt. Von 15.00 bis 18.00 Uhr lesen Mitglieder des Arbeitskreises für Vergleichende Mythologie Kurzgeschichten von Teufeln, Geistern und Hexenmeistern. Dazu lodert das Lagerfeuer, der Bürgerverein Gohlis bietet Basteleien an und im Biergarten gibt es schaurig schöne Speisen und Tränke.

Übrigens dürfen sich am 31. Oktober auch die Erwachsenen im Budde-Haus gruseln. Zur Lesung „Aber um Mitternacht… “ um 19.00 Uhr.