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Gohlis Forum 5/2019

Theater im Gohliser Schlösschen- Das Schillerhaustheater präsentiert: „Dichtung und Wahrheit“- Eine Komödie in zwei Akten

von Dietmar Schulze

Der Gartensaal im untersten Bereich des Schlösschens ist nicht nur die prachtvolle Kulisse für eine Zeitreise in die Geschichte. Nein der Saal, welcher von Johann Gottlob Böhme (1717- 1780) so geschaffen wurde, wie er heute aussieht spielt auch selbst in diesem Stück eine Rolle. Sie werden auf charmante Art viel zur Geschichte der so beliebten Sommerresidenz in Gohlis erfahren und dies sogar vom Hausherrn selbst. Böhme der sich als Sohn eines Wirtes aus Wurzen bis zum ordentlichen Professor an der Universität Leipzig und Hofrat und Hofhistoriograph beim Kurfürsten hochgearbeitet hatte, ließ die Räumlichkeit ausgestalten und mit Liebesbotschaften an sein innig geliebtes Weib ausschmücken. Nun können Sie ihn einmal ganz privat erleben. Ein heißer Sommertag des Jahres 1778 neigt sich zum Ende. Ein guter Tropfen Wein zum Feierabend in seinem gemütlichen Gartensaal und der Gemahlin ein Gedicht vorzutragen, ist für den in die Jahre gekommenen Professor (Dietmar Schulze) die perfekte Harmonie vorm zu Bett gehen. Doch plötzlich verläuft der Abend für alle Beteiligten anders als gedacht, was nicht zuletzt am Gärtner (Hans Martin Schmidt) liegt, den nun der Hausherr zum Schrecken seiner Gattin (Maria Hüttig) näher unter die Lupe nehmen will. Was dabei herauskommt ist nicht nur Dichtung sondern auch Wahrheit. Doch ist es die ganze Wahrheit?

Lassen Sie sich von der schwungvollen Komödie (Regie: Matthias Bega) fesseln und nebenbei vom Team des Restaurant & Cafe Gohliser Schlösschen kulinarisch verwöhnen. Auf Grund der begrenzten Kapazitäten ist eine Kartenreservierung unter 0341- 56147205 oder per Mail unter schillerverin-leipzig@web.de erbeten.schillerverein-leipzig@web.de schillerverein-leipzig@web.de schillerverein-leipzig@web.de

Das Schillerhaustheater präsentiert:

Am Fr 27.9./ Sa 28.9. jeweils um 19.30 Uhr;
So 29.9.2019 um 15.00 Uhr
„Dichtung und Wahrheit“
Eine Komödie in zwei Akten von Dietmar Schulze

Im Gartensaal des Restaurant & Cafe Gohliser Schlösschen
(Menckestraße 23, 04155 Leipzig, Tram 12 bis Fritz Seeger Straße, Tram 4 bis Menckestraße/ Schillerhaus)

Einlass: 19.00 Uhr (am 29.9.2019. 14.30 Uhr);
Beginn: 19.30 Uhr (am 29.9.2019. 15.00 Uhr)
Eintritt: 8,00 €, erm. 6,00 €.
Kartenvorbestellung unter 0341- 56147205

Es spielen:
Christiane Regine Böhme –die Hausherrin Maria Hüttig
Johann Gottlob Böhme – kurz der Hausherr Dietmar Schulze
Gottlob der Gärtner Hans Martin Schmidt
Regieassistenz und Souffleuse: Renate Gerber
Regie: Matthias Bega

Mit freundlicher Unterstützung vom Team des Restaurant & Cafe Gohliser Schlösschen und dem Leipziger Schillerverein.

Zum vierten Mal in Gohlis – Bericht vom Interkulturellen Fußballturnier

von Andreas Praße

Am 6. Juli diesen Jahres führte die Initiative „Weltoffenes Gohlis“ in Zusammenarbeit mit dem Roten Stern Leipzig 99 e.V. und dem Bürgerverein Gohlis e.V. traditionell im Gohliser Stadion des Friedens bei tollem, nicht zu warmen Wetter ihr viertes Interkulturelles Fußballturnier durch. Neun Mannschaften von vier(!) Kontinenten waren der Einladung gefolgt. Erstmals trat ein Team aus Venezuela an. Allein aus Somalia kamen drei Mannschaften. Außerdem hatten sich zahlreiche Unterstützer*innen der Teams Mama Africa und Nigeria eingefunden, was der Stimmung zuträglich war, aber immer mal zum Stau am Grill führte.

Die ersten Spiele waren noch etwas verhalten und torarm. Nach der Suspendierung einer Mannschaft, deren Spieler die Entscheidungen des Schiedsrichters partout nicht respektieren wollten, entwickelten sich gute und spannende Begegnungen. Wie auch in den Vorjahren standen Fairplay und Respekt an erster Stelle. Die Sieger des ersten Turniers (Mama Africa – im Vorjahr Dritte) und des Vorjahres (Somali Jungs) mussten leider schon nach der Vorrunde die Segel streichen. Ins Halbfinale schafften es der FC Mohajer Leipzig I, der FC Somalia Leipzig, das Team Nigeria und das Team International. Nach den Halbfinalbegegnungen setzte sich der FC Somalia Leipzig im Spiel um Platz 3 mit 1:0 gegen das Team Nigeria durch. Da das Finale nach der regulären Spielzeit 0:0 endete, musste das Neun-Meter-Schießen entscheiden. Dabei hatte der FC Mohaher Leipzig I aus Afghanistan mit 2:1 gegen das Team International das bessere Ende für sich und gewann das Turnier nicht unverdient.

Ein großes Lob gebührt unseren beiden jungen Schiedsrichtern Levi (13 Jahre!) und Christoph (28 Jahre) vom Roten Stern, die die Partien umsichtig und konsequent leiteten. Wir möchten uns auch ganz herzlich bei dem SPD-Ortsverein Leipzig-Nord, den Stadtbezirksverbänden Nord und Nordwest der Partei DIE.LINKE sowie dem Roten Stern Leipzig 99 e.V. bedanken, die unsere Veranstaltung großzügig finanziell unterstützten. Abschließend gilt auch Dank und Anerkennung allen fleißigen Helfer*innen, die in der Vorbereitung und am Veranstaltungstag einen reibungslosen Ablauf garantierten. Wir überlegen schon, wie wir im kommenden Jahr bei der fünften Auflage eine kleine Rakete (im übertragenen Sinn) zünden können.

Herbstliches KIEZgrillen mit Lampionumzug

von Peter Niemann

Wir laden herzlich zum gemeinsamen herbstlichen KIEZgrillen und einem kleinen Lampionumzug ein!
Wie bereits erfolgreich im Sommer beim Nachbarschaftspicknick erlebt, möchten wir auch im Herbst gemeinsam auf Stadtplatz mit unseren Nachbarn ins Gespräch kommen und laden daher am Freitag, den 08. November ab 16 Uhr zum herbstlichen KIEZgrillen auf dem Stadtplatz (zwischen Gothaer Straße und Eisenacher Straße) ein. Wir stellen ein paar Sitzgelegenheiten und einen Grill zur Verfügung, auf den Grill selbst kommt, was jeder mitbringt und das gemeinsame Buffet lebt von mitgebrachten Salaten, Snacks und Getränken.

Gegen 17:30 Uhr starten wir mit Lampions zu einem kleinen Laternenumzug. (Bitte eigene Lampions mitbringen)

Eine gemeinsame Veranstaltung von Gohliser KIEZgeflüster, der Initiative Weltoffenes Gohlis sowie dem Bürgerverein Gohlis e.V.

Unbenannte Plätze und Plätzchen in Gohlis – fünfter Teil

von Peter Niemann

Es gibt immer ein erstes Mal. Und tatsächlich war es genau dieser Platz, der mir vor etwas mehr als vier Jahren vor Augen führte, wie wenig man mitunter über genau den Stadtteil weiß, in dem man seit Jahren wohnhaft ist und es dort ebenso zentral gelegene wie vertraute Orte geben kann, deren Namen man einfach nicht weiß. Einer dieser Orte ist ein sehr zentral in Gohlis-Süd gelegener Platz an der Ecke Lindenthaler / Eisenacher Straße, über dessen offenbar fehlenden Namen ich im Frühjahr 2015 stolperte. Ein guter Bekannter wies mich dankenswerter Weise darauf hin, dass besagter Platz über eine eigene, kleine Geschichte und eigentlich auch einen Namen verfüge.

Er trägt nämlich den Namen „Stadtplatz Gohlis“ und ist als sogenannter Quartiersplatz von der Stadt Leipzig zu einer Zeit in Auftrag gegeben wurden, als weite Teile des Ortsteils Gohlis-Süd noch als Sanierungsgebiet galten. Bereits am 15.07.1999 kristallisierte sich heraus, dass der Entwurf der Landschaftsarchitekten Hanke + Partner im Rahmen des Gutachterverfahrens „Stadtplatz Gohlis und Umgebung“ realisiert werden sollte. Die Planungsarbeiten dieser Initialbaumaßnahme sollten sich jedoch noch bis zum Juni 2003 hinziehen. Fertiggestellt werden konnte der 1.900 m² große Platz schließlich im Oktober 2003.
Der Stadplatz verfolgt ein raumbildendes Konzept mit klaren Abgrenzungen und untergliedert sich in ein Forum mit kubischen Sitzelementen sowie ein bepflanztes Gartenplateau. Die vergleichsweise linearen Strukturen der architektonischen Elemente sollen durch die Baumbepflanzung aufgelockert werden.

Seit seinem Entstehen bemühen sich Bürgerinnen und Bürger sowie diverse zivilgesellschaftliche Akteure darum, den Stadtplatz mit Leben zu erfüllen. Heute ist festzustellen, dass der Platz lebt. Die Bäume werden größer, spenden mehr und mehr Schatten, und auch mehr und mehr Menschen nutzen den Platz, um sich zu begegnen und aufzuhalten. Ganz regelmäßig finden dort auch Veranstaltungen, wie etwa KIEZgrillen, Nachbarschaftspicknicks, Sommerfeste und sogar Adventsveranstaltungen statt. Schon sehr bald findet das nächste KIEZgrillen statt und wir würden uns sehr freuen, auch Sie dort begrüßen zu dürfen.

Nachbarn lernen sich kennen: Grillabend in der Magdeburger Straße 18 bis 32

von Günter Krap

„Guten Tag Herr Zimmermann“, „Wie geht’s, Frau Baron“, so hieß es förmlich vor dem 27. Juli 2019. „Hallo Helga“, „Guten Tag Bernd“, „was macht dein Mann, Sabine“, heißt es jetzt. Der Grund ist ein von drei Bewohnerinnen und Bewohnern initiierter Grillabend auf der schönen Rasenfläche des Wohnkarrees. Gut die Hälfte aller Bewohner von acht Hauseingängen der LWB-Wohnanlage fanden sich rechtzeitig vor Beginn des Grillens ein. Schon ab Mittag wurden Tischen und Stühlen auf der Rasenfläche aufgebaut. Liebevoll brachten Mieterinnen an der Hecke bunte Luftballons an. Ein Großgrill wurde auf der gepflasterten Fläche vor dem Rasen positioniert, gefüllte Wassereimer bereitgestellt und die erschienenen Mieterinnen und Mieter von den Organisatoren herzlich begrüßt. Schon bald begannen angeregte Gespräche, die älteste Mieterin wohnt seit 1952 hier. „Weißt du noch, wie wir hier als Kinder im Sandkasten gespielt haben…“ – Erinnerungen wurden wach. Alt und Jung verbrachten einen interessanten Abend bei gutem Gegrillten und allerlei Getränken, Kartoffel-, Gurken- und Tomatensalat. Vielfach wurde das „Sie“ abgelegt und das vertraute „Du“ angeboten. Viele Mieterinnen und Mieter zollten den Organisatoren Dank für diese Idee („Das hätten wir schon viel früher machen sollen“). Am Ende waren sich fast alle einig: im September wird der Grillabend wiederholt und in der Adventszeit organisieren wir einen vorweihnachtlichen Nachmittag bei Glühwein, Gebäck und Stollen. Und nächstes Jahr wieder Grillen, versprochen.

Matinee und Konzert am 27. Oktober: Mozart, die Glasharmonika und Gohlis

von Jörg Holzmann

Vor 250 Jahren wurde im badischen Bruchsal ein Mädchen geboren, das im Alter von vier Jahren an den damals weit verbreiteten Blattern erkrankte und erblindete. Ein Jahr zuvor war ihre Mutter gestorben. So weit, so traurig, für die Zeit um das Jahr 1769 aber nicht ungewöhnlich. Was hat das Ganze mit Gohlis zu tun? Eine Menge! Dieses Mädchen nämlich, eine gewisse Marianne Kirchgessner, war zu ihrer Zeit die bekannteste deutsche Virtuosin auf der Glasharmonika. Und um 1800 kaufte sie sich im Dorf Gohlis bei Leipzig ein Häuschen, das sie bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1808 zu ihrem Lebensmittelpunkt machte.

Faszinierende Klänge in Europas Konzerthäusern
Die Glasharmonika, erfunden 1761 von Benjamin Franklin, ist ein Instrument, bei dem der Ton von sich stetig drehenden, ineinander geschichteten Glasschalen erzeugt wird. Will man diese Schalen zum Klingen bringen, betätigt man ein Pedal, das eine Drehung bewerkstelligt, feuchtet die Finger an und legt diese behutsam auf die jeweils gewünschten Glasschalen. Der so hervorgebrachte Ton faszinierte und spaltete seinerzeit die Hörer. Die einen schwärmten, die anderen hielten ihn für nervenschädigend. Marianne Kirchgessner jedenfalls erlernte das Spiel der Glasharmonika in Karlsruhe und konnte ab 1791 durch Vermittlung einflussreicher Gönner zu ambitionierten Konzerttourneen aufbrechen. Diese führten die begabte junge Frau nicht nur durch viele Städte in Deutschland und Österreich, sondern auch nach Prag und London, Den Haag, Kopenhagen und St. Petersburg.

Zum Jubiläum Matinee und Konzert in Gohlis
Zu Ehren ihres 250. Geburtstages ist dieser außergewöhnlichen Musikerin am Sonntag, dem 27. Oktober, ein ganzer Tag im Gohliser Schlösschen gewidmet. Das abwechslungsreiche Programm beginnt mit einem geführten Spaziergang durch den heutigen Leipziger Stadtteil. Im Gohliser Schlösschen zeichnen danach kurze Vorträge aus musikwissenschaftlicher, medizinhistorischer und speziell Gohliser Sicht ein Bild der Person Kirchgessners und ihrer Zeit. Dazu gehören Ausführungen über die Blattern (oder Pocken), die sie als Kind das Augenlicht kosteten, über ihren Lebensweg und die Gründe, weshalb dieser sie nach Gohlis führte. Den Abschluss und Höhepunkt bildet am Nachmittag das Glasharmonika-Konzert mit Bruno Kliegl, einem der wenigen Musiker, die das Instrument heute beherrschen. Auf dem Programm stehen Werke, die speziell für Marianne Kirchgessner komponiert wurden, so etwa ein Adagio von W. A. Mozart, der die junge Frau 1791, kurz vor seinem Tod, bei einem Privatkonzert gehört hatte. Aber auch andere Originalwerke für die Glasharmonika sowie Bearbeitungen für dieses ungewöhnliche Instrument werden erklingen.

Veranstaltet wird das Programm vom Bürgerverein Gohlis gemeinsam mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig und dem Freundeskreis Gohliser Schlösschen. Los geht’s am 27.10.2019 um 10.30 Uhr mit dem Spaziergang auf Kirchgessners Spuren; 12.30 folgen die Vorträge; 15.30 Uhr ist Einlass zum Konzert. Karten erhalten Sie über die Tickethotline des Gohliser Schlösschens: 0341 33 17 36 33 (Mo-Fr 9-17 Uhr).

Jan Tschichold – Ein Gohliser Junge wird zu einem wichtigen Typografen und Buchgestalter

von Ursula Hein

1902 in der heutigen Schorlemmerstraße als Sohn des Schriftenmalers Franz Tzschichhold geboren, wurde er 1914 als Zwölfjähriger durch die BUGRA, die internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Grafik, so beeindruckt, dass er sein Leben der Typografie widmete.

Nach dem Besuch des Lehrerseminars in Grimma schrieb er sich an der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig ein und begann sein Studium in der Schriftklasse von Hermann Delitzsch, wurde rasch Meisterschüler und unterrichtete ab 1921 selbst in der Abendschule.

Schon zwei Jahre später feierte er seinen Durchbruch mit dem Themenheft „elementare typographie“, gab hierin einen Überblick über die verschiedenen graphischen Schulen – der sowjetischen Konstruktivisten, des De-Stijl-Kreises um Theo Doesburg und der Typographen am Bauhaus. Diesem angehörte er jedoch nie an, wurde aber von den dort wirkenden Künstlern stark beeinflusst. Das Aufbrechen der alten Typografien, die Vereinfachung, die experimentelle Arbeitsweise begeisterten ihn, ohne dass er jedoch die Traditionen der Leipziger Grafik vergaß.

1926 wurde er Lehrer an der Münchener Meisterschule für Typografie, hatte große Erfolge mit seiner reduzierten Bildsprache für Filmplakate, Buch- und Umschlagsentwürfe für den sozialistischen „Bücherkreis“, seine ersten Schriften brachten ihm eher Achtungs- als materiellen Erfolge.

1931 schuf er die Schriften Zeus, Transito und Saskia sowie die Uhertype-Standard-Grotesk für ein frühes Fotosatzsystem. Mit Kurt Schwitters und vielen anderen gründete er 1928 den „Ring neue Werbegestalter“.
Nach großen Erfolgen in den 20er-Jahren musste er 1933 mit seiner Frau Edith vor den Nationalsozialisten in die neutrale Schweiz flüchten. Dort begann seine klassisch-modernen Phase als Gegenentwurf gegen die von der NS-Propaganda vereinnahmte moderne Grafik. Man verübelte ihm in Fachkreisen dieses Verhalten, als „Typografiestreit der Moderne“ wird diese Auseinandersetzung von 1946 mit dem Bauhausschüler Max Bill bezeichnet.

Ein Vortrag vor dem „Double Crown Club“ 1937 in England brachte ihm viel Zustimmung. 1947 ging er für zwei Jahre auf die Insel, wo er in London großen Erfolg mit den Buchserien des Penguin-Verlages erzielte. Die letzten Jahre seines Lebens arbeitet er Basel, für die Pharmafirma Hoffmann-LaRoche und widmete sich auch wieder der Schriftgestaltung. Seine letzten Gelegenheitsdrucke beschäftigen sich mit historischen Flugblättern. 1974 starb er in Basel.

Nach Gohlis kam er wohl nicht wieder zurück, erhielt allerdings 1965 den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig. 2015 fand Tschicholds Nachlass dank einer großzügigen Schenkung seiner Erben seinen Weg ins hiesige Deutsche Buch- und Schriftmuseum, verpackt in 176 teils großformatigen Kisten.

Noch bis zum 6. September 2019 zeigt das Museum einen Teil dieser Schätze. Der Ausstellungskatalog „Jan Tschichold – ein Jahrhunderttypograf? Blicke in den Nachlass“ von Stephanie Jacobs und Patrick Rössler kostet 24 €.

Gohliser Geschäftsleben – Neue Geschäftsflächen an fünf Standorten und ein Todesfall

Von Günter Krap und Matthias Reichmuth

Mehr Fahrräder statt Blumen
Aus geschäftlichen Gründen musste bereits im Februar dieses Jahres das Blumenhaus Leilani in der Max-Liebermann-Straße 31b seine Pforte schließen, zum Bedauern vieler Anwohner, die hier gerne Schnittblumen und Pflanzen einkauften.
Diese Schließung des Blumenhauses nutzte Jürgen Hirche, Inhaber des benachbarten Fahrradladens „Max-Bike“ in der Max-Liebermann-Straße 31a. Die Nachfrage für neue Fahrräder, Reparatur- und Umbauwünsche war gestiegen (Gohlis-Forum, Heft 2/2019, berichtete darüber). Hirche ergriff die Chance und mietete die Räume des Blumengeschäftes an. Umbaumaßnahmen zur Erweiterung der Geschäftsräume für Verkauf, Service und Reparatur sowie Lagerung von Zubehör- und Ersatzteilen folgten: Ein Durchbruch zwischen bisherigem Fahrradladen und vorhergehendem Blumenhaus wurde geschaffen. Das bisherige Inventar des Blumenhauses wurde entfernt. Es schlossen sich Innenausbau- und Malerarbeiten an. Neues Inventar und Werkstatteinrichtungen wurden angeschafft und eingebaut. Es entstanden zwei moderne Arbeitsplätze für Reparatur und Service von Kundenfahrrädern. Gestiegen ist die Nachfrage nicht nur hierfür, auch neue Marken- und Elektroräder werden gerne gekauft. Kompetenz in Beratung und Service schätzen die Kunden sehr. Inhaber Jürgen Hirche und sein Azubi Jonas Bäuml bemühen sich, und das spürt man vom ersten Moment des Betretens des Geschäfts, freundliche Begrüßung und die Erfüllung der Kundenwünsche haben bei ihnen oberste Priorität.

Neue Bäckerei in der Lützowstraße 52
Seit einigen Wochen gibt es in der Lützowstraße 52 ein Bäckereigeschäft für Samstag, Sonntag und für die Feiertage. Eine interessante Geschäftsidee, wie wir meinen, gibt es doch gerade auch für die Feiertage Nachfrage nach frischen Brötchen, Brot und Kuchen. Dieses Geschäft wirbt mit den Vorteilen echter traditioneller Handwerksbäckerei. Die Öffnungszeiten sind jeden Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 07:00 bis 12:00 Uhr.

Neuer Inhaber im Gemüsegeschäft
Seit einigen Wochen hat das Fachgeschäft für Obst, Gemüse, türkische und asiatische Spezialitäten in der Gohliser Straße 16 einen neuen Betreiber. Denis Tunc verkauft als Inhaber zudem alkoholfreie Getränke und Säfte, darunter leckere türkische Limonaden. Abgepackte Produkte, wie Fleisch- und Wurstwaren, Waschmittel und Seifen, Tee und Kaffee sind auch im Sortiment. In der Kühltheke finden sich schmackhafte Salate und Brotaufstriche. Geöffnet ist an Werktagen von 7:00 bis 20:00 Uhr.

Zwei neue Eisdielen
Das Jahr 2019 brachte den Gohlisern zwei neue Eisdielen. Bereits im ersten Halbjahr eröffnete in der Adolph-Menzel-Straße 9, direkt neben dem Platz, auf dem der Bürgerverein am 24. August sein Sommerfest durchführte, „Erikas Eisdiele“. Wie der Stadtteilblog „Gohliser Kiezgeflüster“ herausfand, gibt es dort handgemachte Eiskreationen aus regionalen Zutaten in Bio-Qualität und zudem hausgemachte Limonaden. Angeboten wird das Eis im Straßenverkauf oder im Eiscafé sowie auf einer kleinen Sitzbank auf dem Fußweg.

Am 18.07. eröffnete mit „Mein Eis“ ein weiteres Eiscafé in einem schmalen Geschäft in der Gohliser Straße 4, direkt neben der McMedi-Apotheke. Geöffnet ist jeweils von 12 bis 18 Uhr. Außer Eis gibt es auch Milchshakes und Kaffee, so dass sich ein Besuch auch im Herbst noch lohnt. Streng genommen liegt „Mein Eis“ nicht mehr in Gohlis, aber zumindest auf dem Weg sehr vieler Gohliser, die im Leipziger Zentrum arbeiten und auf dem Heimweg durch die Gohliser Straße kommen – oder wie es einer der Kiezköpfe des Jahres 2018 formulierte: Das gefühlte Gohlis fängt an der Michaeliskirche an.
Inhaber verstorben

Bereits im Juni 2018 verstarb plötzlich und unerwartet im Alter von nur 40 Jahren Thomas Schaal, der Gründer des Bio-Kaufmannsladens, der zunächst in der Lützowstraße 25 und später auch in der Gohliser Straße 40 zwei Geschäfte betrieb. Er hinterlässt Frau und zwei Kinder – seine Witwe Maria Schaal, mit der er die Läden gemeinsam betrieben hatte, leitet nun beide Läden allein. Wir möchten auf diesem Wege unser Beileid ausdrücken.

Falschparker behindern Abfallentsorgung – Gegenseitige Rücksichtnahme erforderlich

Beitrag der Stadtreinigung Leipzig

In einer wachsenden Stadt wie Leipzig lässt sich eine Verschärfung der Parksituation nicht vermeiden. Zudem werden häufig größere Pkw angeschafft, die mehr Parkfläche benötigen. Die Mitarbeiter des Eigenbetriebes Stadtreinigung Leipzig tun alles, um die ordnungsgemäße Entsorgung der Abfälle sicherzustellen. Sind Straßen jedoch durch ordnungswidrig abgestellte Autos zugeparkt, können die Abfallbehälter nicht geleert werden.

Insbesondere in engen Straßen sowie in Kurven oder Wendehammern verhindern parkende Pkw die Einfahrt für die Abfallsammelfahrzeuge, die generell eine Mindestdurchfahrtsbreite von 3,55 Meter benötigen. „Wir versuchen nach Möglichkeit den Standort nochmals anzufahren, doch die Einfahrt ist auch dann nicht immer möglich“, erläutert Thomas Kretzschmar, Erster Betriebsleiter des Eigenbetriebs Stadtreinigung Leipzig. Mitunter muss der Eigenbetrieb satzungsgemäß eine Änderung des Bereitstellplatzes anordnen, um eine dauerhafte und verlässliche Entleerung der bereitgestellten Abfallbehälter sicherzustellen.

„Damit die Entsorgung reibungslos erfolgen kann, ist die Einhaltung gesetzlicher Regelungen beim Parken erforderlich“, fasst Thomas Kretzschmar zusammen. Grundsätzlich besteht laut Straßenverkehrsordnung ein Halteverbot an engen und an unübersichtlichen Straßenstellen sowie in scharfen Kurven. Eng ist eine Stelle immer dann, wenn die Restfahrbahnbreite es nicht mehr erlaubt, dass auch größere Fahrzeuge die Straße weiter befahren können. Die Praxis zeigt, dass diese Regelungen und die daraus resultierenden Probleme oftmals nicht bekannt sind.

Um das Bewusstsein der Verursacher zu erhöhen wurde als erstes an eine erforderliche gegenseitige Rücksichtnahme appelliert. „Wir haben gemeinsame Hinweiszettel von Feuerwehr (Branddirektion) und Stadtreinigung an den falsch parkenden Autos angebracht, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Denn nicht nur der Eigenbetrieb Stadtreinigung Leipzig kann in die zugeparkten Straßen nicht einfahren, sondern in Notfallsituationen können auch die Rettungsfahrzeuge dies nicht“, erklärt Thomas Kretzschmar. „Darüber hinaus erhielten betroffene Grundstückseigentümer von uns ein Informationsschreiben, indem wir die aktuelle Situation erläutert haben.“

Gefordert wird von einigen Bürgerinnen und Bürgern die Anschaffung kleinerer Abfallsammelfahrzeuge. In anderen Kommunen wurden diese in der Regel für historisch enge Gassen angeschafft. Diese Situation ist allerdings nicht auf Leipzig übertragbar. Einerseits sind die Durchfahrtsbreiten bei ordnungswidrig abgestellten Fahrzeugen so gering, dass auch kleinere Abfallsammelfahrzeuge nicht zur Sicherstellung der Abfallentsorgung beitragen. Zudem haben kleinere Fahrzeuge eine erheblich geringere Ladekapazität. Im Vergleich zu den normalen Abfallsammelfahrzeugen müssten drei kleine Fahrzeuge für die gleiche Abfallmenge unterwegs sein. Die Folgen aufgrund des Fehlverhaltens einzelner wären spürbar höhere Betriebskosten zu Lasten aller Gebührenzahler sowie eine deutliche Zunahme des Fahrverkehrs einschließlich gesundheitsschädlicher Stickoxide.

Als Pilotprojekt hat die Stadtverwaltung bei der obersten Landesbehörde Ausnahmegenehmigungen für ausgewählte Straßen, beispielsweise auch für Gohlis Nord, beantragt. Denn aufgrund der geltenden Rechtslage können aktuell keine Beschilderungen mit Halteverboten zur Sicherung der Abfallentsorgung und der gehinderten Durchfahrt für Abfallsammelfahrzeuge angeordnet werden. Dafür bietet die Straßenverkehrsordnung keine Ermächtigung. Mit dem Pilotprojekt soll die Aufstellung von Verkehrszeichen geprüft werden, welche die Befahrbarkeit für Abfallsammelfahrzeuge an den Leerungstagen unterstützt und Verkehrsteilnehmern die gesetzliche Regelung verdeutlicht.

Kennen Sie Gohlis?

von Wolfgang Leyn

Waren etwa alle ratelustigen Leser im Urlaub? War unser Rätsel zu schwer? Fakt ist, dass wir diesmal keine einzige Zuschrift bekommen haben. Wir wollten wissen, an welcher Straße in Gohlis die schöne junge Frau so traumverloren gen Himmel blickt. Die Lösung lautet: Coppistraße 81. Ein Bild der reich geschmückten Fassade dieses um 1910 errichteten großbürgerlichen Wohnhauses finden Sie im Wandkalender des Bürgervereins für 2020.

Die zwölf Monatsblätter zeigen die Vielfalt der Wohnhaus-Architektur in Leipzig-Gohlis von Historismus über Gründerzeit, Jugend- und Reformstil, Bauhaus-Einflüsse, Art déco bis hin zum DDR-Wohnungsbau der frühen 60er. Die Auswahl der Bilder aus dem Fotowettbewerb des Bürgervereins lag in den Händen des Leipziger Fotografen Karl-Detlef Mai. Auf der Rückseite der Blätter informieren kurze Texte über Gebäude, Architekt, Auftraggeber, Stilmerkmale usw., erstellt gemeinsam mit der Denkmalpflegerin Annekatrin Merrem und versehen mit Detailfotos des Hauses. Außerdem wird die Lage des abgebildeten Hauses auf einem Kartenausschnitt markiert.

Ab Mitte September können Sie den Kalender zum Preis von 9 Euro erwerben. Vorbestellungen nimmt der Bürgerverein ab sofort entgegen. Bei Interesse mailen Sie an buergerverein@gohlis-info.de, Kennwort „Kalender“.

Eine größere Auswahl der besten Bilder aus dem Fotowettbewerb wird am 7. September in der „Nacht der Kunst“ in einer Ausstellung präsentiert, je nach Wetterlage am oder im Budde-Haus. Eröffnet wird sie um 16 Uhr.