Skip to content Skip to left sidebar Skip to footer

Gohlis Forum 2/2020

Viele Ideen fürs Gohliser Schlösschen – zu wenig Zeit!

Von Ursula Hein, Wolfgang Leyn, Tino Bucksch

Dass der Haussegen im Gohliser Schlösschen schief hängt, weiß man nicht erst aus der medialen Berichterstattung über das Gohliser Kleinod. Zwischen dem Freundeskreis, dem die Stadt 2005 die Betreibung der Schlossanlage übertragen hatte, und dem Restaurant im Haus herrscht Funkstille.
Umso erfreuter waren wir, als das Kulturamt für Mittwoch, den 29. Januar, zu einer Gesprächsrunde einlud. Akteure aus dem Stadtteil sowie aus der Kunst- und Kulturszene erhielten die Möglichkeit, ihre Wünsche, Ideen und Vorschläge einzubringen. Diese sollen in eine Potenzialanalyse einfließen, auf deren Grundlage die Stadt dann die Betreibung des Gohliser Schlösschens zum 1. Januar 2021 neu ausschreiben wird. Die geladenen Akteure waren daher gefragt, in den Themenbereichen „Veranstaltungsformate“, „Museale Nutzung“ und „Einbindung lokaler Akteure“ Vorschläge zu machen.
Mehrheitlich waren sich die Anwesenden einig, dass das Gohliser Schlösschen einer breiteren Nutzung zugeführt werden solle, welche der guten Verankerung im Stadtteil und der architektonischen Besonderheit des Objekts entspräche. Dabei reichten die Ideen von Tagungen und Seminaren über Kammerkonzerte und Theateraufführungen bis zur erneuten Nutzung für Trauungen. Dieser Mix soll sich auch im Spektrum der Akteure widerspiegeln, die das Gohliser Schlösschen zukünftig für ihre Arbeit nutzen. Dabei wurde betont, dass an das historische Erbe des Gebäudes als Treffpunkt für bürgerliche Freigeister angeknüpft werden soll.
Der Bürgerverein selbst hat zur musealen Nutzung konkrete Vorstellungen:
Bisher gibt es keine Ausstellung über die Gohliser Ortsgeschichte. Das Gohliser Schlösschen wurde 1756 von einem wohlhabenden und kunstsinnigen Leipziger Bürger auf dem Lehen seiner Ehefrau im damaligen Bauerndorf errichtet. Ein späterer Besitzer, der Leipziger Geschichtsprofessor und Universitätsrektor Johann Gottlob Böhme, stiftete gemeinsam mit seiner Ehefrau Geld für die Gohliser Schule und den Betsaal auf dem Anger, ließ die Dorfstraße (die heutige Menckestraße) pflastern und 1777 einen Spazierweg durch das Rosental von Leipzig nach Gohlis anlegen.

So wurde das Dorf zu einem der beliebtesten „Vergnügungsörter“ vor den Toren der Stadt. Alt und Jung, Reich und Arm pilgerten nun zu den beiden Schenken, die weithin berühmt waren für leckeren Kuchen und schmackhaftes Bier. Auf der Gohliser Mühlinsel gab es einen kleinen Park, nebenan ein Flussbad. Wer es sich leisten konnte, mietete sich in der warmen Jahreszeit auf einem Bauernhof ein oder ließ sich ein Sommerhaus bauen. 1785 war Friedrich Schiller für mehrere Monate zu Gast in Gohlis und verkehrte auch im Schlösschen, das zu dieser Zeit ein „Musenhof“ war. Die Entwicklung des Barockschlösschens, des Gartens und des Dorfes ist eng miteinander verknüpft. Erzählen lässt sich über Architektur, Kultur- und Lokalgeschichte. Für eine solche Ausstellung gäbe es keinen besseren Platz als das Gohliser Schlösschen.

Als Bürgerverein möchten wir daher mit Unterstützung des Stadtgeschichtlichen Museums, des Leipziger Stadtarchivs und des Schlösschen-Betreibers eine kleine Dauerausstellung gestalten, ergänzt durch diverse Wechselausstellungen. Konkrete Vorschläge dafür gibt es bereits. Als Zielpublikum sehen wir Schüler der Gohliser Schulen, geschichtsinteressierte Leipziger sowie Touristen im Rahmen der Führungen durch das Gohliser Schlösschen und das nahegelegene Schillerhaus mit dem Dorfmodell von Gohlis im 18. Jahrhundert.

Wie geht es nun weiter? Bis zum 31. März 2020 soll die erwähnte Potenzialanalyse vorliegen. Dann werden die Ergebnisse in den Gremien des Stadtrates diskutiert und in die Ausschreibung für den künftigen Betrieb einfließen. Am 30. September 2020 läuft der Interimsvertrag mit dem aktuellen Betreiber, dem Freundeskreis Gohliser Schlösschen e.V., aus. Bis zum Jahresende will die Stadt Reparatur- und Restaurierungsmaßnahmen am und im Schloss vornehmen. Danach soll das Schlösschen am 1. Januar 2021 wiedereröffnet werden.
Nach Auffassung des Bürgervereins steht dieser mit der heißen Nadel gestrickte Zeitplan im Widerspruch zu dem riesigen Blumenstrauß an Ideen und Wünschen für die künftige Nutzung des Schlösschens, wie sie beim Treffen am 29. Januar zusammengetragen wurden. Glaubt man im Kulturamt wirklich, in der Kürze der Zeit alle Probleme lösen zu können, um zu einem tragfähigen und nachhaltigen Betriebskonzept zu kommen? Der Bürgerverein ist hier skeptisch. Wichtig ist in unseren Augen, dass das Gohliser Schlösschen Ende 2020 nicht in einen Dornröschenschlaf verfallen darf. Wir werden die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und zu gegebener Zeit im Gohlis Forum berichten.

Neujahrsempfang

Von Tino Bucksch

Am 07. Februar fand zum ersten Mal in unserem neuen Domizil unser Neujahrsempfang statt. Der Bürgerverein lud daher ins Balkonzimmer des Budde-Hauses, dem Raum mit dem schönsten Ausblick auf den Garten, ein. Bei Getränken und kleinen Snacks konnten die Mitglieder des Bürgervereins und die geladenen Netzwerkpartner miteinander ins Gespräch kommen. Dies gelang auch sehr gut – in mehreren Gruppen tauschten sich die Gäste vor den prall gefüllten Stellwänden mit den Jahresterminen und den geplanten Projekten für 2020 aus und brachten an der einen oder anderen Stelle noch Ideen und Hinweise mit ein. Der Vorstand ist im Nachgang zufrieden mit dem Empfang, denn er bot außerhalb des engen Korsetts von streng durchorganisierten Veranstaltungen oder Podiumsgesprächen den Mitgliedern sowie Freundinnen und Freunden des Bürgervereins die Möglichkeit, sich im entspannten Rahmen auch einmal persönlich kennenzulernen. Fest steht, dass der Neujahrsempfang ein regelmäßiger Bestandteil in unserem Programm der nächsten Jahre sein wird.

Hermann und Dorothea – Flüchtlingsprobleme schon vor Jahrhunderten

Von Andreas Praße

1731 Flucht aus dem Fürsterzbistum Salzburg, 1792 und 1796 Flucht vor der Frz. Revolution. Einmal sind es Protestanten vor den Katholiken, einmal französischer Adel, später Deutsche aus den linksrheinischen Gebieten vor der Revolution, die doch die Freiheit bringen sollte.
Goethe schrieb dazu 1796/97 ein Epos in 9 Gesängen. Die Form ist uns heute eher ungewohnt, der Inhalt gegenwärtig, das gute Ende nicht immer zu erwarten.

Die Internationale Gesellschaft Orientalischer Christen zusammen mit dem Schillerhaustheater hat sich an dieses Stück gewagt und es am 23. Januar im Buddehaus als szenische Lesung vorgetragen. Leider haben sich nicht viele dazu eingefunden, vielleicht wagte man es nicht, sich einem ungewohnten Stück Literatur auszusetzen, vielleicht war die Zeit ungünstig, man weiß es nicht. Aber alle haben etwas verpasst. Vom Schillerverein lasen Dietmar Schulz und Hansjörg Rothe (der Initiator), Hartmut Kauschk, auch Inge Beer, Maria Hüttig und nicht zuletzt Saeed Kouki in verteilten Rollen, einander ablösend auf einem kleinen Podium im Gohliser Buddehaus, nur zwei Bilder als Eindruck.

Neben dem extrovertierten Auftritt von Dietmar Schulz beeindruckte der junge Saeed Kouki. Obwohl es für ihn ein erstes gemeinsame Spiel mit dem Ensemble war, wirkte er äußerlich erstaunlich unaufgeregt. Der Höhepunkt des Epos ist zweifellos die Offerte des Hermann, die Dorothea zunächst als Jobangebot missversteht, welches sie freudig annimmt, bis es sich als Heiratsantrag herausstellt. Das Stück, das vor allem von seiner hohen Aktualität lebt, endet so zumindest nicht mit einer „Scheinehe“, sondern mit einer auf Liebe gegründeten Ehe zwischen einem alteingesessenem jungen Bürger und einem armen Flüchtlingsmädchen.

Gohliser Baugeschehen – Bauen ohne Winterpause

Von Matthias Reichmuth

Der Klimawandel zeigt seine Auswirkungen leider schneller als vermutet, denn bis Anfang Februar gab es in Gohlis noch keinen Schnee und nur an sehr wenigen Tagen Frost – und beides war auch laut Vorhersage nicht in Sicht. Das bedeutet für die Gohliser Baustellen, dass ohne Winterpause weiter gebaut werden konnte. Zwar pausieren einige Baustellen, was aber andere Gründe hat. So steht an der Menckestraße 54 nahe der Straßenbahnhaltestelle seit Jahren ein Gerüst, da am Haus offenbar immer nur dann wieder ein wenig gebaut wird, wenn es Geld und Zeit erlauben – schlecht nur für den Fußgängerverkehr, der sich weiterhin durch das Gerüst drängen muss.

Über die Baustellen von vier neuen dreistöckigen Kindertagesstätten (Leipzig-Kitas) berichteten wir in Heft 5/2019. Anfang Dezember 2019 wurde in der Kleiststraße 58 die vorletzte und am 12.12.2019 in der Möckernschen Straße 29 die letzte aus dieser Reihe eröffnet.
Nach diesen Kitas geht es aber weiter, für 2020 sind die Fertigstellung einer Einrichtung in der Wilhelm-Sammet-Straße 33-39 als Teil der sanierten Bleichertwerke (im Juni) sowie des Ersatzneubaus in der Bremer Straße 17 (im Oktober) zu rechnen. Träger der ersten Einrichtung wird der Verein Herbie, in der zweiten Einrichtung ist es weiterhin das Berufsbildungswerk (BBW), das mit der Diakonie verbunden ist. Von einem reinen Ersatzneubau lässt sich aber nicht sprechen, denn etwa doppelt so viele Kinder wie früher sollen dort Platz finden. Im Januar waren zwei Etagen fertig (vgl. Foto), der Vorgängerbau bestand nur aus einem Erdgeschoss.

Schräg gegenüber werden 65 Wohnungen in zwei Gebäuden errichtet, die dem Immobilien-Spezialfonds „Industria Wohnen Deutschland IV“ gehören. Die 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen werden zwischen 35 und 99 Quadratmeter groß. Die Baustelle liegt direkt hinter dem inzwischen fertig gestellten Komplex Max-Liebermann-Straße 49-59, wo auch die Sparkasse eingezogen ist. Das Bild von Januar zeigt einen Einblick in das gemeinsame Untergeschoss, wo eine Tiefgarage mit 55 Stellplätzen entsteht.

In Gohlis-Süd wurde das Wohnhaus Gothaer Straße 32 noch im letzten Jahr fertig und ist inzwischen bezogen. Das Erdgeschoss wird durch eine Durchfahrt zum Hof geteilt, wo die Autos parken.

Aber auch direkt an der Georg-Schumann-Straße wird gebaut. Das Eckhaus zur Bleichertstraße mit der Nummer 34 erhält u. a. durch geschwungene Balkone eine etwas kreativere Form als die meisten quaderförmigen Neubauten. Direkt daneben entsteht parallel in der Bleichertstraße noch ein Wohnhaus mit 11 Wohnungen.

Weitere Baustellen kommen auf Gohlis zu, beräumt ist z. B. die Fritz-Seger-Straße 10 gegenüber dem Michaeliskindergarten, lediglich drei alte Bäume, darunter ein Naturdenkmal sind stehen geblieben. In der Etkar-André-Straße 35 (kurz vor der Gottschallstraße) gibt es noch Vegetation, ein Wohnhaus ist aber geplant. In den nächsten Ausgaben des Gohlis-Forum lesen Sie mehr.

Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen.

Von Hannes Meißner

Dem ein oder anderen Nutzer des Gohliser S-Bahn-Verkehrs ist es vielleicht schon aufgefallen. In der Weihnachtszeit erfolgte eine künstlerische Neugestaltung des Zugangs zu den Gleisen 1 und 2 am S-Bahnhof Gohlis. Nunmehr wird man an dieser Stelle vom Alt-Gohliser Friedrich Schiller begrüßt, der sich in ein farbenfrohes Wandgemälde einfügt und dem Besucher so eine deutliche Steigerung der Aufenthaltsqualität verschafft – auch wenn diese dort nur von kurzer Dauer sein mag.

Wir finden, dass sich hier talentierte Künstler viel Mühe gegeben haben und ihrem Drang nach farblicher Gestaltung des öffentlichen Raumes legal und mit sichtbarem Erfolg nachgehen konnten.

An dieser Stelle könnten wir uns auch eine bessere Aufenthaltsqualität vorstellen, indem kleine Geschäfte mit Bedarf des täglichen Lebens oder sogar ein Café in den alten Bahnbogen einziehen. Mit Tischtennisplatte, Sitzgelegenheiten und dem benachbarten kleinen Park an der Blochmannstraße ist hier bestimmt noch viel Potenzial.

Nun bleibt nur noch zu wünschen, dass in Gohlis weitere Ecken des öffentlichen Raumes durch derlei Aktionen in ihrer Wahrnehmung attraktiver werden und so zu einer Steigerung des Wohlbefindens beitragen. Oder wie es Schiller sagen würde: Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.

Wilde Entsorgung von Weihnachtsbäumen – Alle Jahre wieder….

Von Ursula Hein

kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch der Ärger mit dem Weihnachtsbaum. Besser gesagt mit seiner Entsorgung. Die Leipziger Obrigkeit hat in ihrer unendlichen Güte zahlreiche Tannenbaumabwurfplätze auf Karten im Internet und in der LVZ und anderswo ausgewiesen. In Gohlis Süd sind es ganze zwei Plätze, am Kickerlingsberg und in der Möckernschen Straße.

Aber was machen die undankbaren Gohliser? Sie suchen sich ein eigenes Plätzchen. Eine dieser Stellen befindet sich seit Jahren, zumindest seitdem wir in Gohlis leben, an der Ecke Berggarten-Schorlemmerstraße vor dem seit dem Krieg unbebauten Eckgrundstück. Leider haben nun dessen Besitzer Großes vor, sie wollen bauen, haben ausgeschachtet und die Baugrube durch einen Zaun gesichert.

Was machen die Gohliser nun mit der geliebten Abwurfecke? Der Zaun ist leider zu hoch, also müssen sie die ausgedienten Weihnachtsbäume auf den Bürgersteig werfen. Erst einen, dann zwei, dann drei, dann vier…dann steht nicht das Christkind vor der Tür, sondern der Bürgersteig ist weg und das jetzt schon seit Anfang Januar.

Die Stadt habe ich per Telefon und per Mail (mit Bild) informiert und die Müllabfuhr hat sogar geantwortet und versprochen, das Übel zu beseitigen. Leider dauere es noch eine Weile, man habe zu wenig Personal. Im letzten Jahr wurde dann Anfang Februar geräumt, diesmal ging es schneller, seit dem 30.1. sind die Bäume weg! Und auch die Verkehrsführung ist an diesem Platz geändert, aber das ist eine andere Geschichte.
Nun wollen wir nicht nur meckern, sondern der Stadt noch zwei mögliche Lagerplätze vorschlagen, die den Vorteil haben, Eigentum der Stadt zu sein: einmal das kleine Rasenstück mit einen Bäumchen Ecke Berggarten-/Lindenthalerstraße, zum andern das größere Rasenstück fast am Ende der Berggartenstraße zur Menckestraße hin, im Sommer normalerweise voll mit den schönsten Brennnessel.

Weitgereist – unser Gohlis-Kalender 2020

Von Ursula Hein

Wo hat es ihn nicht überall hin verschlagen, unseren Gohlis-Kalender 2020 mit seinen schönen Fassaden und welch positive Rückmeldungen haben wir erhalten. Einige wollen wir unten zitieren. Auch mündliches Lob haben wir reichlich erhalten und sind froh darüber, dass unsere Müh‘ und Plag‘ so gut angekommen ist. Hier einige Meldungen per Brief und per Mail:
„Herzlichen Dank… für den Kalender. Er spiegelt sehr schön das Bild und die Geschichte des Viertels, zeigt alte Perlen und moderne Akzente, und man spürt, dass der Bürgerverein die Kostbarkeit der Umgebung bewahrt und ins Bewusstsein bringt. Und man sieht die sorgfältige Redaktion, die alles koordiniert!“ (Dr. Dorothee H. aus Bonn)

„Zu meinem Geburtstag kam pünktlich der schöne Kalender von Gohlis… Der ganze Kalender ist SEHR gelungen und ich hoffe, ihr habt ihn gut verkaufen können. Sehr stimmungsvolle Bilder, und Michel und ich haben mehrfach „Wiedersehen“ gefeiert. „Da sind wir vorbeigegangen…“ etc. Wir denken beide gerne an unseren Aufenthalt bei euch zurück.“ (Christine S. aus Ladenburg)

„Die Überraschung ist Ihnen wirklich gelungen. Heute kam der Kalender mit den interessanten Hausfassaden aus Leipzig-Gohlis bei mir an, und ich habe ihn mit großem Interesse gelesen und angeschaut. … Haben Sie herzlichen Dank dafür.“ (Brigitte S. aus Heidelberg)

„Soeben ist Dein Gohlis-Kalender angekommen – tausend Dank dafür! Ich habe schon einen würdigen Platz im Haus gefunden. Tove hat den Kalender bereits durchgeblättert und ist total begeistert, also einen Riesendank auch von ihr! (Tove und Holm F. aus Aarhus, beide lebten lange in Gohlis)
Und wo hängen die schönsten Fassaden aus Gohlis? Wir können nur die Orte nennen, von denen wir gehört haben. Da ist einmal Oxford im Brexit-Land, dann wie gesagt Aarhus in Dänemark, in Italien wissen wir von mindestens zwei Kalendern bei früheren Gohlisern, außerdem in verschiedenen westdeutschen Bundesländern – in Baden-Württemberg, im Saarland, in Nordrhein-Westfalen.

Und immer noch gibt es Anfragen, aber leider keine Kalender mehr, selbst unser Büro-Exemplar musste wir weitergeben. Wir hoffen nun, dass unser nächster Kalender unter dem Motto „Unterwegs in Gohlis – gestern und heute“ – die gleiche Verbreitung und Anerkennung findet.

Neues aus der Bibliothek Gohlis „Erich Loest“

Liebe Leserinnen und Leser des Gohlis Forums,

langsam aber sicher kündigt sich der Frühling an und damit auch die alljährlich stattfindende Leipziger Buchmesse. Und zur Buchmesse gehört natürlich auch immer das Lesefest „Leipzig liest“. An über 500 Orten auf dem Messegelände und in der ganzen Stadt werden die Neuheiten verschiedenster Literaturgattungen vorgestellt. Ein Fest für Freunde des Buches, an dem die Bibliothek Gohlis „Erich Loest“ auch dieses Jahr mit zwei spannenden Autorenlesungen beteiligt ist.

Am Donnerstag, den 12. März um 19 Uhr begrüßen wir Robert-Tarek Fischer in unserem Haus. Der promovierte Historiker befasst sich in seinem aktuellen Werk mit einer der charismatischsten, rätselhaftesten und abgründigsten Figuren des Hochmittelalters. Richard Löwenherz. Sein Kreuzzug gegen Sultan Saladin und sein Image als Idealgestalt des Rittertums machten ihn zu einem Mythos. Die nachträgliche Verbindung zur Robin Hood-Sage steigerte seinen Bekanntheitsgrad noch mehr. Als Herrscher des Angevinischen Reiches, das von Schottland bis zu den Pyrenäen reichte, verfolgte er eine komplexe Politik und stieg zum mächtigsten Herrscher Westeuropas auf. Er setzte neue Maßstäbe im europäischen Festungsbau, betrieb intensive Eigen-PR und schuf die berühmten Three Lions, die noch heute das englische Wappen zieren. Es ist kein Zufall, dass sich gerade um Richard I. Löwenherz so viele Legenden ranken.

Am Freitag, den 13. März um 19 Uhr liest der Autor Markus Orths aus seinem neuen Roman „Picknick im Dunkeln“. In dieser urkomischen und zugleich todernsten Geschichte treffen sich Stan Laurel und Thomas von Aquin…im Dunkeln! Eine unglaubliche, unerhörte Begegnung, die den Bogen spannt über siebenhundert Jahre Weltgeschichte: Zwei Männer treffen sich in vollkommener Finsternis. Sie wollen ans Licht, unbedingt. Sie tasten sich voran, führen irrwitzige Gespräche und teilen die Erinnerungen an zwei haarsträubend unterschiedliche Leben. Die Männer? Stan Laurel und Thomas von Aquin. Der begnadete Komiker trifft auf den großen Denker des Mittelalters. Warum hier? Warum jetzt? Warum gerade sie beide? Genau dies müssen sie herausfinden, um endlich ans Licht zu gelangen.

Der Eintritt zu den beiden Veranstaltungen ist frei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Die Anmeldung für LeipzigPass-Inhaber ist ermäßigt.
Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 19. Lebensjahr können die Bibliothek kostenlos nutzen.

Bibliothek Gohlis „Erich Loest“
Stadtteilzentrum Gohlis
Georg-Schumann-Str. 105
04155 Leipzig

Tel.: 0341 / 123 5255
E-Mail: bibliothek.gohlis@leipzig.de

Öffnungszeiten: Mo, Di, Do, Fr 10 – 19 Uhr; Mi 15 – 19 Uhr

Fotowettbewerb: Ihre Bilder für unseren Kalender 2021

Von Wolfgang Leyn

Auch im nächsten Jahr bringt der Bürgerverein einen Kalender heraus. Wenn möglich wieder mit Unterstützung durch Leser des „Gohlis Forums“. Mit anderen Worten, wir hoffen auf Ihre Fotos, aktuelle oder solche aus dem Familienalbum.

Unser Thema für 2021 heißt „Unterwegs in Gohlis – einst und jetzt“. Wir möchten im neuen Jahreskalender mit Bild und Text eine Reise in die Gohliser Verkehrsgeschichte unternehmen, Ausflüge in die Gegenwart inbegriffen. Fußgänger und Bierkutscher werden eine Rolle spielen, Bauernwagen, Fahrräder, Autos, Straßenbahn, Bus und Eisenbahn, aber auch Krankenfahrstühle, Motorrad-Seitenwagen und natürlich die „Eidechse“, der von der Firma Bleichert entwickelte Elektrokarren.

Wir suchen Bilder von Menschen, die zu Fuß unterwegs sind oder mit den verschiedensten Fortbewegungsmitteln. Es geht uns um Fotos von Fahrzeugen, die auf den Straßen von Gohlis zu sehen waren oder sind. Es sollte zu erkennen sein, dass die Bilder in unserem Stadtteil entstanden sind. Auch möchten wir gern wissen, wann und wo sie fotografiert wurden. Bitte reichen Sie nur solche Bilder ein, an denen Sie die Veröffentlichungsrechte besitzen, also eigene Fotos oder solche aus dem Familienalbum bzw. Ihrer Sammlung historischer Postkarten. Falls lebende Personen abgebildet sind, ist deren Einverständnis notwendig.

Ihre digitalen Fotos mit möglichst hoher, für den Druck geeigneter Auflösung schicken Sie bitte an unsere Mailadresse buergerverein@gohlis.info oder geben Sie sie im Vereinsbüro im Budde-Haus, Lützowstraße 19, auf einem USB-Stick ab. Unsere Sprechzeiten sind mittwochs 17-19 Uhr und freitags 10-12 Uhr. Einsendeschluss ist am 11. April 2020. Alle Einsender, deren Bilder im Kalender verwendet werden, erhalten ein Gratisexemplar.

Fortsetzung Reiseschilderung „Mit dem Fahrrad von Leipzig (Sachsen) nach Leipzig (Russland/ Ural)

(Gohlis Forum, Heft 1/2020, Seite 8)

Liebe Leserinnen und Leser unseres Gohlis Forums, wir haben uns entschieden, ihnen in diesem und im Folgeheft Leseproben aus der Reiseschilderung des Herrn Dr. Thomas Purcz, welche uns vom Autor zur Verfügung gestellt wurde, anzubieten. Wir hoffen, damit ihr Interesse zu wecken auf den Gesamtbericht, den Sie ab April 2020 auf der Homepage des Bürgervereins Leipzig-Gohlis lesen können.

1. Leseprobe aus: Dr. Thomas Purcz, „Butterbrot und Datscha – Mit dem Fahrrad nicht nur durch Russland“

So nutzte ich den teils kräftigen Rückenwind, der mir zu einem Schnitt von 22 – 23 km/h verhalf, und fuhr bis Kupiskis. Das erste Gebäude am Ortseingang war eine einsame Tankstelle. Eigentlich eine für mich völlig unbedeutende Versorgungseinrichtung, hatte ich doch die umweltschonende Fortbewegungsform gewählt und war damit unabhängig von Benzin oder Diesel. Und doch sind Tankstellen auf so einer Tour von großer Wichtigkeit. Die Toilettennutzung, das Auffüllen der Trinkflaschen, ein kleiner Einkauf, ein kurzer Imbiss, das Aufladen der Geräteakkus, ein Schwatz mit dem Servicepersonal – alles möglich und sehr hilfreich. Oft noch werde ich diese Einrichtungen verlassen und denken: danke Tanke. Nicht nur für mich war der Stopp eine willkommene Abwechslung, auch die Tankwartin schien erfreut, ihre Strickarbeiten für ein paar Minuten unterbrechen zu können. Ein Gespräch in deutscher Sprache, das hatte sie schon lange nicht mehr. Sie klagte dann auch darüber, dass sie schon wieder viele Wörter vergessen hätte nach ihrem Au-pair – Einsatz in Frankfurt. Es war eine schöne Zeit in Deutschland, aber irgendwann war das Heimweh doch stärker. Nun wartet sie täglich auf durstige Autos und hungrige Fahrer. Gut geht es ihr bei dem sehr überschaubaren Andrang nicht, aber sie war froh, überhaupt einen Job in dem kleinen Städtchen gefunden zu haben. Ein Hotel würde es aber geben, immerhin eine Option sollte es mit der Zeltaufstellung nicht klappen. Die wäre eigentlich schon hinter der Tankstelle möglich gewesen, eine große Wiese mit einem Baum und etwas schützendem Gebüsch, so schlecht fühlte sich die Stelle nicht an. Und sie hatte mit der Nähe zu den Sanitäranlagen der Tanke einen wichtigen Punkt meines Anforderungsprofils erfüllt. Aber der Platz war für alle zugänglich. Ob Mensch, ob Tier, jeder konnte hin und schaun, wer ist wohl im Zelte drin. Deshalb fuhr ich auch weiter nach dem Motto: Ehe man sich für eine Nacht so bindet, prüfe, ob sich nicht noch etwas besseres findet. Ich sollte nicht enttäuscht werden. Schnell sah ich eine Einfamilienhaussiedlung mit teils schicken Wohnhäusern und gepflegten Gärten. Nun hatte ich bereits im letzten Jahr erfahren, dass je schöner, größer, moderner die Häuser, je saftiger der kurz geschorene Rasen, je gepflegter und farbenprächtiger die angepflanzten Blumenrabatten, desto geringer die Chancen ein Plätzchen für das Zelt zu bekommen. Die weniger gestylten Häuser mit Gärten, wo auch das Unkraut noch eine faire Möglichkeit der Entfaltung bekam und die Bewohner sich vielleicht gerade im Freien aufhalten, das ist mein Beuteschema. Ein Gespräch über den Gartenzaun zu beginnen finde ich persönlich besser, als die an der Haustür klingelnde Variante. Zuerst ist es von Vorteil abzuklären, in welcher Sprache die eigene kurze Vorstellung und die Wunschäußerung für den Hausbesitzer verständlich wird. Ein Mix aus Englisch und Deutsch sollte in diesem Fall helfen, die Frau des Hauses war Lehrerin und hatte einige Zeit in Deutschland gelebt. So waren die wesentlichsten Dinge schnell geklärt, Zeltaufbau im Garten, Wasser- und Toilettennutzung im Haus. Sie und ihre Familie fanden meine Unternehmung spannend, so dass wir später bei einer Tasse Tee und Gebäck eine, manuell unterstützte, nette Unterhaltung hatten. Wenn das Eintippen unbekannter Wörter in die Übersetzerfunktion des Smartphones kein sinnvolles Ergebnis hervorbrachte, blieb immer noch die Zeichensprache.

Die Nacht war warm und trocken, der Schlaf nach reichlich 160 Kilometern redlich verdient und erholsam. Generell habe ich bei so einer Tour mit den täglich wechselnden Schlafplätzen kein Problem. Für etwa 1 Million Menschen, die laut einer aktuellen Krankenkassenumfrage in Deutschland an permanenter Schlaflosigkeit leiden, sicherlich ein beneidenswerter Zustand. Das Zelt war am Morgen schnell abgebaut, zusammen mit Schlafsack und Isomatte im Packsack verstaut und auf dem Fahrrad befestigt. Die vier seitlichen Radtaschen belasse ich während der Nacht ziemlich bedenkenlos am Rad. Auch ein Vorteil eines umzäunten, abgeschlossenen Grundstücks. Während in einer festen Unterkunft immer sorgfältig jede Ecke nach noch nicht eingepackten Dingen abgesucht werden muss, ist das Risiko, nach einer Zeltnacht etwas zu vergessen, deutlich geringer. Es ging weiter Richtung Lettland, bis zur Grenze waren noch etwa 85 Kilometer zu fahren. Wieder lagen kaum Ortschaften an der Strecke und hatte ich dann doch mal eine erreicht, wurde meine Frage nach einem Restaurant oder Café mit dem Ausspruch „wir sind ein Dorf“ lächelnd beantwortet. Die innereuropäische Grenzüberfahrt verlief fast unbemerkt.