Von Birgit Heise

Unter dem Thema „Gestanzte Musik“ geht es am letzten August-Wochenende in der Musikschule Neue Musik in der Eisenacher Straße 72 um Leipzig-Gohlis als Zentrum der Musikautomaten-Produktion mit Lochplatte um 1900. Auf dem Programm stehen Fachvorträge, Stadtteilrundgänge und Vorführungen historischer Instrumente. Außerdem können Besucher eigene Spieldosen begutachten lassen.

Manch einer hat es noch zuhause: ein mechanisches Musikinstrument mit gelochten runden Platten aus Pappe oder Blech. Man muss es aufziehen oder ständig an einer Kurbel drehen, dann erklingt eine vielstimmige Melodie. Nach einer Plattenumdrehung, also nach etwa einer Minute, ist es jedoch schon wieder vorbei damit bzw. das Stück beginnt von vorn.

Lochplatten-Spielwerke wurden 1881 von Paul Ehrlich in Leipzig erfunden und in Gohlis zu tausenden gebaut. In allen Größen und Formen erhältlich, verbreiteten sie sich rasant bis an den Amazonas und nach Australien. Unter schön klingenden Markennamen wie „Symphonion“, „Phönix“ oder „Ariston“ avancierten sie zu weltbekannten Musikautomaten für jedermann.

In den ehemaligen „Symphonion-Werken“ in der Eisenacher Straße 72 befindet sich heute die Musikschule Neue Musik Leipzig. Mit viel Sorgfalt wurden die Räume so ausgebaut, dass die frühere Fabrikation noch deutlich sichtbar geblieben ist. Hier geht es vom 27. bis zum 30. August um „gestanzte Musik“. Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen veranstaltet der Förderkreis Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig e.V. in Kooperation mit dem Bürgerverein Gohlis im „Jahr der Industriekultur 2020“ eine Serie von Veranstaltungen rund um die Gohliser Lochplatte.

Unter Einhaltung der Hygienevorschriften wird es am historischen Ort mehrere Veranstaltungen geben, von Referaten über Stadtteil-Führungen und Museumsbesuchen bis hin zu einem ganz besonderen Tag: Am Sonntag, dem 30. August, werden private Sammler ihre Lochplatten-Spielwerke klingend vorführen und erläutern. Insbesondere präsentiert dann Jost Mucheyer eine ausgewählte Kollektion. Er ist der Inhaber des größten Museums für mechanische Musikwerke in der Umgebung von Leipzig, mit Sitz in der Eisenmühle Elstertrebnitz.

Von 11 bis 17 Uhr können interessierte Bürger an diesem Tag nicht nur die gezeigten Instrumente bestaunen, sie dürfen auch ihre eigenen Spieldosen zur kostenlosen Begutachtung mitbringen. Die genauen Termine aller Veranstaltungen finden Sie zu gegebener Zeit auf Plakaten, in der Presse sowie auf diesen Webseiten: Universität Leipzig, Musikwissenschaft und Jahr der Industriekultur 2020.

Zum Weiterlesen empfiehlt die Autorin ihren reich bebilderten Katalog „Leipzigs klingende Möbel“, der 2015 im Verlag Kamprad Altenburg erschien.