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Gohlis Forum 5/2018

Matthias Reichmuth

GF 5/2018 Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

beim Bürgerverein ist viel los in diesem Jahr – das zeigt sich auch an diesem Heft, dessen Inhalt beim besten Willen nicht auf 16 Seiten gepasst hat. Die Redaktion stand zwischen den Fragen: „Was wird gekürzt?“ und „Was kann ins nächste Heft verschoben werden?“

Warum das? Zum einen möchten wir auf den Tag des offenen Denkmals hinweisen, bei dem es in diesem Jahr in Gohlis etwas mehr zu sehen gibt als in früheren Jahren. Wir haben daher das Thema Denkmalschutz zum Leitthema gewählt, das Ihnen auf den Seiten 4 bis 6 und auf der Rückseite begegnet.

Wir berichten aber auch von Veranstaltungen, an denen wir beteiligt waren (Sommerfest, siehe Foto unten und S. 3, Nordcafé-Jubiläum sowie Nachbarschaftspicknick S. 8, Fußballturnier S. 12) und die noch vor uns liegen (Chillen und Grillen auf dem Gohliser Anger sowie interreligiöses Dankfest S. 9). Und egal bei welcher Veranstaltung: Wir stellen fest, wie groß das Bedürfnis ist, mehr Menschen aus der direkten Nachbarschaft oder aus dem Stadtteil kennen zu lernen – und immer wenn uns das gelingt, ist das Echo positiv. Auch unser Zulauf an Neumitgliedern kommt zu einem wesentlichen Teil von neu zugezogenen Gohliserinnen oder Gohlisern, die hier dazu gehören möchten und Menschen aus der direkten Nähe kennen lernen wollen. Auch im Internet gibt es solche Trends, etwa das Portal „nebenan.de“, wo sich Menschen mit Profil anmelden und dann nur Kontakt zu denen bekommen, die im gleichen oder benachbarten Stadtteil wohnen. Dort ist Gohlis sogar in fünf Teile gegliedert, weil der Stadtteil sonst zu groß geworden wäre. Als Bürgerverein liegen wir also im Trend, der in einer Zeit der unübersichtlichen Globalisierung auf die Verankerung in der übersichtlicheren Nachbarschaft setzt.

Das Heft bietet auch wieder einige bewährte Rubriken, so die Demokratieecke (S. 7) sowie die Artikel zum Geschäftsleben (S. 10), aus der Bibliothek (S. 14) und zum Baugeschehen (S. 16), aber auch historische Details, die nur wenige kennen (neuer Stolperstein S. 13 und „Das goldene Herz“ S. 17).

Und weil es für einen eigenen Artikel nicht gereicht hat, bringe ich auf dieser Seite gleich noch einen Aufruf mit unter: Beteiligen Sie sich am Stadtradeln! Für die kurzen Wege im Stadtteil ist das Fahrrad ein ideales Verkehrsmittel. Der Bürgerverein Gohlis geht wie in den beiden Vorjahren wieder mit einem eigenen Team an den Start und hofft, dass wir 2018 noch ein größeres Team als 2017 werden. Unter www.stadtradeln.de können Sie zunächst Ihre Stadt (Leipzig) eingeben und sich dann für ein Team registrieren. Unser Team „Bürgerverein Gohlis – besser Radeln in Gohlis“ erwartet Sie und Ihre Kilometer! Wir radeln zwar schon seit dem 31.08., aber bis zum 21.09. können Sie sich jederzeit noch nachmelden und uns verstärken.

Nun wünsche ich Ihnen einen guten Herbstanfang und viel Spaß beim Lesen!
Matthias Reichmuth

Sommerfest 2ß18 des Bürgervereins Gohlis e. V.; Foto: Andreas Reichelt

Gelungenes Sommerfest 2018

Von Ursula Hein und Matthias Reichmuth / Fotos: Andreas Reichelt

Nach dem Jubiläumsfest 2017 hatte sich der Vorstand entschlossen, das Sommerfest des Bürgervereins 2018 auf dem namenlosen Platz zwischen Wilhelm-Plesse-, Heinrich-Budde- und Adolph-Menzel-Straße zu veranstalten. Der schöne Platz bewährte sich bei bestem Wetter (sonnig aber nicht zu heiß). Von 8 bis 15 Uhr wurde schrittweise aufgebaut, der Bürgerverein präsentierte sich mit Kaffee- und- Kuchenbasar, dem Weltoffenen Gohlis und mit den Arbeitsgemeinschaften Mobilität und Stadtteilgeschichte sowie der Tombola, hinzu kamen über 20 Stände von Gohliser Vereinen, Gemeinden und Gewerbetreibenden.
Zur Eröffnung begrüßte Ursula Hein, die stellvertretende Vorsitzende, die Gäste von nah und fern, erwähnte die drei Hauptsponsoren und dankte allen Beteiligten. Der erste Programmpunkt fand dann vor der Bühne statt. Das Tanzprojekt „Freunde“ mit den Mädchen der Geschwister-Scholl-Grundschule unter Leitung von Karen Schönemann wurde eifrig beklatscht. Die Mädchen tanzten, sangen und stellten sich auch selbst dem staunenden Publikum vor. Nach kurzer Pause bezauberte die Märchenerzählerin Carla Doerffel nicht nur die Kinder, auch viele Erwachsene hatten sich unter den Zuhörern eingefunden. Inzwischen schlenderten die vielen Besucher über die etwas vertrocknete Wiese, besuchten die unterschiedlichen Stände und stauten sich vor dem reich bestückten Kuchenbasar – die Menge an selbstgebackenen Kuchen war aber so groß, dass es diesmal auch nach 17 Uhr noch eine Auswahl gab.

Zwischenzeitlich bauten die Mitglieder der Jugendband um Sängerin Nora Handschuh, die sich neuerdings in „Ready4“ umbenannt hatten, ihre Instrumente auf, und es kam wie es kommen musste, erst einmal fiel der Strom aus, nicht nur auf der Bühne, sondern auch an den Ständen bis hin zum Sanitärcontainer. Während der Vorstand sein Möglichstes tat, um dieses Problem zu beheben, zeigte die Band, dass sie auch ohne Strom Musik machen kann. Das Publikum dankte mit lautem Applaus. Die BrewSebs, die als nächste Band spielen durften, hatten einen Techniker mitgebracht, der Stromversorgung und Technik neu aufbaute, was mit einiger Verzögerung dann zum Erfolg führte. Während ein großer Teil der Stände schon abgebaut war, spielte die Band ihren selbst komponierten Sound und lockte in der Abendsonne noch bis 19:45 Uhr allerhand Publikum in entspannter Stimmung auf die Wiese. Von allen Ständen gab es ein positives Echo und einige Anwohner wünschten sich ausdrücklich eine Wiederholung dieses Festes im nächsten Jahr an gleicher Stelle.

Nach dem Abbau gab es beim Bürgerverein nicht einmal einen Müllsack voll Müll – das Konzept der mitgebrachten Teller und Pfandgläser hatte sich bewährt, und die Wiese war am Ende der Veranstaltung ohne weitere Nacharbeit müllfrei.

Denkmalreicher Stadtteil in bevorzugter Lage

Von Wolfgang Leyn

„Gohlis ist reich an Denkmalen“, erklärt Annekatrin Merrem bei ihren Stadteilrundgängen. Am bekanntesten ist sicher das Schillerhaus, wegen seines prominenten Sommergastes von 1785 und als ältestes Bauernhaus im heutigen Stadtgebiet. Das Gohliser Schlösschen ist Leipzigs einziges Rokokoschloss. Charakteristisch für die Bürgerstadt Leipzig ließ es kein Adliger errichten, sondern ein Kaufmann und Ratsbaumeister. Dass Gohlis im Vergleich mit anderen Stadtteilen relativ viele Denkmale hat, hat mit auch seiner günstigen Lage direkt am Rosental zu tun, aufgrund dessen wurde das einstige Bauerndorf Gohlis zum bevorzugten Vorort, in dem sich Mitte des 19. Jahrhunderts wohlhabende Leipziger ihre Sommerhäuser bauten – in der alten Ortslage, der heutigen Menckestraße, und an deren Rand, am Schillerweg. Häuser aus der Zeit um 1860 haben sich sonst in Gohlis nur wenige erhalten.

Architektur von hoher Qualität
Von bedeutenden Architekten entworfen wurden sowohl die Villen in der Friedensstraße, am Kickerlingsberg oder in der Ludwig-Beck-Straße als auch die großbürgerlichen Mietshäuser um den Nordplatz, in der Gohliser Straße, in der Schorlemmerstraße oder am südlichen Ende der Lindenthaler Straße. Das Haus Menckestraße 9 gehört zu den Hauptzeugnissen des Jugendstils in Leipzig. Reformstil und Art déco beeinflussten die Gestaltung von Villen wie auch von Wohnanlagen des genossenschaftlichen Wohnungsbaus der 1920er- und 1930er-Jahre. In Gohlis-Mitte gehört das sogenannte „Riemann-Quartier“ zu den prominenten Beispielen (siehe Seite 6).
Im Geist der Moderne entstanden in den späten 1920er-Jahren die Wohnhäuser der Krochsiedlung in Gohlis-Nord. Diese steht wegen ihrer städtebaulichen Bedeutung als sogenannte „Sachgesamtheit“ unter Denkmalschutz. Die Versöhnungskirche am Viertelsweg ist ein prominentes Beispiel des Kirchenbaus dieser Zeit. Ein prägendes Baudenkmal aus frühen DDR-Zeiten ist das Gebäude des früheren Herder-Instituts in der Lumumbastraße. Auf der Denkmalliste stehen auch die Feuerwache Nord, der Gohliser Friedhof oder Parkanlagen wie der Schillerhain.

Nicht nur Fassade und Dach
Zum schützenswerten Denkmalerbe in Gohlis gehört in vielen Fällen die Innenarchitektur, zum Beispiel Wand- und Deckenmalereien in den Treppenhäusern. Dort, wo offene Bebauung vorherrscht, betrifft das bei einzelnen Gebäuden auch die Gärten. Dazu kommen allerlei Kleindenkmale – von der Wasserpumpe in der Berggartenstraße, Ecke Lindenthaler Straße bis zur Taxi-Rufsäule in der Elsbethstraße vor dem ehemaligen Kino „GoLiPa“.

Wohnen in früheren Industriebauten
Anders als zum Beispiel Plagwitz war Gohlis kein ausgesprochenes Industrieviertel. Dennoch gibt oder gab es hier wichtige technische und Industriedenkmale. Die historische Actien-Brauerei an der heutigen Georg-Schumann-Straße einschließlich der Gaststätte „Bräustübl“ ging verloren, anderes wie die Gohliser Mühle konnte gerettet werden. Die allermeisten nach 1990 entstandenen Industriebrachen wurden oder werden für andere Zwecke umgebaut: Aus der Aromafabrik Oehme und Baier in der Benedixstraße wurde 2000 ein Wohn- und Pflegeheim, in der Schokoladenfabrik Felsche zwischen Menckestraße und Poetenweg entstanden ab 2004 Loft-Wohnungen. Verwaltungsgebäude und Fabrikhallen der einstigen Bleichert-Werke an der Lützowstraße erleben gerade ihre Metamorphose zu noblen Wohnhäusern mit hochwertiger Ausstattung.
Zum Bedauern der Denkmalpfleger blieb bei der Umnutzung von Industriedenkmalen von der historischen Ausstattung oft nur wenig erhalten. Annekatrin Merrem nennt ein Beispiel, wie dem entgegengewirkt werden kann: Die einstige Kasernenstadt an der Flurgrenze zu Möckern verwandelt sich Schritt für Schritt in ein neues Wohnquartier. Damit die Spuren der früheren Nutzung der Gebäude nicht verlorengehen, wurden in der einstigen Heeresbäckerei zum Beispiel die historischen Sackrutschen geborgen. Zusammen mit Fotodokumenten sollen sie später im Gelände museal untergebracht werden.

Architektonisches Ortsgedächtnis
Gibt es ein Denkmal in Gohlis, das Annekatrin Merrem besonders am Herzen liegt? Diese Frage lässt sie kurz zögern, ehe sie ein ganzes Denkmalensemble nennt – die alte Ortslage an der Menckestraße, aufgeweitet durch den einstigen Dorfanger, mit Gebäuden aus beinahe allen Stilepochen – vom Barock über Biedermeier, Gründerzeit und Jugendstil, den sozialen Wohnungsbau der 1920er- und 30er-Jahre bis hin zu ambitionierten Wohnhaus-Neubauten aus dem 21. Jahrhundert. Die allermeisten Gebäude in der Straße stehen heute unter Denkmalschutz. Mit dem Schillerweg im Hintergrund ist die Menckestraße so etwas wie das Gedächtnis des alten Ortes. Man spürt, dass es diese Straße schon vor vielen hundert Jahren gegeben hat. Auch hat deren Krümmung zur Folge, dass sich beim Durchwandern ständig neue, romantische Blickwinkel ergeben.

Demokratieecke GF 5/2018

Von Tino Bucksch

Nachbarschaftsforum Eutritzscher Freiladebahnhof
Als Bürgerverein des angrenzenden Stadtteils sind auch wir im Nachbarschaftsforum zur Entwicklung des neuen Stadtteils auf dem ehemaligen Freiladebahnhof beteiligt. Das bisher sehr partizipative Verfahren, an dem neben der Stadtverwaltung und der CG-Gruppe als Investor auch eine Vielzahl an Bürgerinnen und Bürgern teilnehmen konnten, hat in den letzten Wochen leider Kratzer erhalten. Gerade die kurzfristig erfolgten Kündigungen vom Musikclub So&So zum September 2018 und die angekündigte Kündigung des TV-Clubs zum Sommer 2019 sehen wir daher äußerst kritisch. Im bisherigen kooperativen Planungsverfahren bestand Konsens, dass deren Standorte als Bestandteil eines integral wichtigen Areals mit Kulturmeile, dem Schulcampus und öffentlichen Raum sowie Sportanlagen erhalten bleiben müssten. Nach dem Verständnis des Bürgervereins muss unter Gebäuden, die unverändert erhalten bleiben, auch nicht nach Altlasten gesucht werden. Daher kann der Bürgerverein die aktuelle Lage nicht nachvollziehen und fordert das Einhalten der bisher gemachten Vereinbarungen. Grundlage des bisherigen Konsens zwischen Verwaltung, Investor und Bürgerinnen und Bürgern war das Ziel, einen Stadtteil mit einer ausgewogenen Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Kultur und öffentlichem Raum zu errichten. Im Konsens und mit Zustimmung aller anwesenden Akteure wurden Entscheidungen getroffen, die am Ende in einen Siegerentwurf mündeten. Diese Ergebnisse wurden sogar bis zur letzten Sitzung des Nachbarschaftsforums im Juni 2018 konkretisiert. Doch die aktuellen Veränderungen der bisherigen Pläne sind nicht zufriedenstellend. Der Bürgerverein Gohlis ist von den Verschiebungen der Schwerpunkte weg von der Durchmischung des Areals hin zu einer hochprofitablen Wohnbebauung beunruhigt.

Wir hoffen daher, dass die Planungen weiterhin entlang der vereinbarten Grundsatzentscheidungen erfolgen. Das viele Lob für das kooperative Beteiligungsverfahren bekommt nun einen sehr faden Beigeschmack. Wer Beteiligung will, muss auch deren Ergebnisse ernst nehmen – sonst wächst nur der Verdruss der Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Demokratie.

Stadtbezirkbeirat Nord
In der ersten Sitzung nach der Sommerpause standen wichtige Themen auf der Tagesordnung des Stadtbezirksbeirats Nord, von denen zwei hier vorgestellt werden:
Vorgelegt und einstimmig vom Beirat angenommen wurde die aktuelle Satzung der Stadt Leipzig zur Festlegung der Schulbezirksgrenzen der Grundschulen. Anders als bisher werden Grundschulbezirke zusammengelegt, damit die Stadt schnell auf Bevölkerungsentwicklungen reagieren kann, also um Kapazitäten flexibler festzulegen. Dies leuchtet ein, denn bisher hatte jede Schulbezirkssatzung zwei Jahre Vorlauf – aufgrund der Bekanntmachungsfristen, aber auch wegen der Anmeldefristen für die Eltern – und war dann oft nach wenigen Monaten schon wieder obsolet. Dies wird nun mit den sogenannten „atmenden“ Schulbezirksgrenzen vermieden. Das Landesamt für Schule und Bildung wird die Schulleiter v. a. rechtlich mit Handlungsempfehlungen unterstützen.

Ebenfalls einstimmig stimmte der Beirat der Aktualisierung des bestehenden Maßnahmekonzeptes im Bund-Länder-Programm Stadtumbau für das Aufwertungsgebiet Georg-Schumann-Straße zu. Da das seit Mai geltende INSEK keine fächerübergreifenden Entwicklungsschwerpunkte für die Georg-Schumann-Straße vorsieht, wurden für die bis 2022 andauernde Förderperiode neue Schwerpunktgebiete definiert. Diese verlagern sich vom bisher geförderten Abschnitt der Magistrale nach Norden, da hier neue Entwicklungen stattfinden, die sich gut mit dem bisher Erreichten auf der Georg-Schumann-Straße verknüpfen lassen. Die Stadt behält sich aber den Spielraum vor, jährlich Anpassungen vorzunehmen. Grundlegende Instrumente wie das Magistralenmanagement und der Verfügungsfonds werden ebenfalls bis 2022 weitergeführt.

Das Riemann-Quartier wird fertig

Von Stefan W. Krieg-von Hößlin

Seit dem vergangenen Jahr saniert die Vereinigte Leipziger Wohnungsgenossenschaft (VLW eG) die Wohnhausgruppe Krokerstr. 11–15/Renkwitzstr. 10–12. Nach Entwürfen und unter der Bauleitung des Büros W&V Architekten GmbH (früher: Weis & Volkmann) werden die Fassaden liebevoll wiederhergestellt und das Innere unter Bewahrung vieler historischer Details heutigen Wohnbedürfnissen behutsam angepasst. Mit dem neuen Namen ehrt die Genossenschaft ihren Architekten an seinem wohl wichtigsten Werk.

Fritz Albin Ferdinand Riemann wurde am 26. Februar 1881 in Schlotheim als Sohn eines Bäckermeisters geboren. Von seiner Ausbildung wissen wir nur, dass er 1907/08 ein Jahr an der Technischen Hochschule Darmstadt studierte. 1908 kam er nach Leipzig, seit etwa 1911 war er Mitarbeiter des Architekten Georg Lubowski, der neben Privatbauten auch die Eisenbahnersiedlung Lindenthal plante. Dafür gab es 1913 erste Zeichnungen Riemanns. Lubowski schloss sein Büro 1917; ab 1919 plante Riemann – nun selbstständig – den weiteren Ausbau dieser Siedlung. 1921 errichtete dieselbe Genossenschaft eine Wohnanlage in der Blochmannstraße, die vielleicht den Anstoß gab, dass sich die neugegründete Baugenossenschaft für die Reichsfinanzbeamten für Fritz Riemann entschied.

Er errichtete bis 1939 fast 2.000 Wohnungen für die heutige VLW in Gohlis, Connewitz, Eutritzsch und Leutzsch. Außerdem gab es Planungen von ihm aus den Jahren 1938–42 für eine weitere Wohnanlage in Mockau mit 360 Wohnungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet werden sollte, aber nicht mehr gebaut wurde. Da Riemann nicht bei der Genossenschaft angestellt, sondern freier Architekt war, entwarf er gleichzeitig für andere Bauherren über 500 weitere Wohnungen und zahlreiche Einfamilienhäuser, von denen sich etliche an der Ludwig-Beck-Straße und Hoepnerstraße befinden. Aus der Zeit nach Kriegsende sind keine Planungen mehr bekannt; Fritz Riemann starb am 9. März 1955 in Leipzig; sein Grab befindet sich auf dem Leipziger Südfriedhof.

Allein schon aus dem Umfang seiner Bautätigkeit wird seine Bedeutung als einer der wichtigsten privaten Architekten in Leipzig zwischen den beiden Weltkriegen deutlich. Noch entscheidender ist aber die architektonische und städtebauliche Qualität seiner Entwürfe. Er fasste die einzelnen Häuser zu Baugruppen zusammen, die er mit Erkern und Giebeln gliederte und in ihrer Symmetrie betonte. Immer wieder wich er von den Festlegungen der Bebauungspläne ab und fand neue Lösungen als städtebauliche Höhepunkte. Mehrfach rundete er stumpfwinklige Brüche der Baufluchten (Coppistraße 23, Rudi-Opitz-Straße 2–8). Sorgfältig stufte er Eckgebäude ab, um auf unterschiedlich hohe Nachbarhäuser Rücksicht zu nehmen (Coppistraße 30/Renkwitzstraße 2 und Krokerstraße 14a/Wustmannstraße 1). Am eindrucksvollsten aber ist das „Riemann-Quartier“: Auf dem spitzen Winkel zwischen Krokerstraße und Renkwitzstraße ordnete Riemann einen ovalen Kuppelbau an, den man durch einen Portikus mit vier dorischen Säulen betritt – der wohl schönste Genossenschaftsbau in Leipzig.

Sommerliches Nachbarschaftspicknick in Gohlis

Von Talina Rinke/Magistralenmanagement

„Auf die Plätze, PICKNICK, los!“ hieß es diesen Sommer für Nachbarn, Freunde und ansässige Unternehmen der Georg-Schumann-Straße. In den Stadtteilen Gohlis, Möckern und Wahren veranstaltete das Magistralenmanagement gemeinsam mit lokalen Partnern, wie der Klosterbäckerei Seidel, insgesamt vier Nachbarschaftspicknicke, um zu picknicken, sich als Nachbarn kennenzulernen und über die Entwicklungen im eigenen Stadtteil auszutauschen. Am Samstag, den 4. August fand das Nachbarschaftspicknick gemeinsam mit der Initiative Weltoffenes Gohlis auf dem Gohliser Stadtplatz statt. „Das war eine schöne Veranstaltung, es sind viele Leute gekommen. Es ist schön, wenn Leute zusammenkommen, die sich noch nie begegnet sind.“ so Peter Niemann von Weltoffenes Gohlis rückblickend. Bei hochsommerlichen Temperaturen trafen sich rund 30 unterschiedlichste Nachbarn, trugen eine bunte Auswahl an Speisen und Getränken zusammen und belebten den Platz mit einem fröhlichen Picknick. Während die zahlreichen Kinder das Angebot der Bewegungskiste des Gesundheitsamtes Leipzig ausprobierten, entwickelten sich spannende und informative Gespräche über den Stadtteil, es wurden Ideen für neue gemeinsame Projekte entwickelt, sowie Vorschläge zur Gestaltung und häufigeren Nutzung des Stadtplatzes aufgenommen. Auch Tino Bucksch, Vorstandsmitglied des Bürgervereins Gohlis, war beim Picknick dabei: „Das Format ist offen für alle und so niedrigschwellig aber auch gesellig, dass es diese Veranstaltungen öfters geben sollte.“

Die Idee, Anwohner auf öffentlichen Plätzen zusammenzubringen und gemeinsam den jeweiligen Platz aus einer anderen Perspektive zu betrachten, wurde vom Magistralenrat und von Akteur*innen und Unternehmer*innen entlang der Magistrale erfreut begrüßt.

 

Das Nordcafé feiert sein erstes Jahr

Von Gerd Klenk

Eine Begegnungsstätte für Migrantinnen und Migranten, Geflüchtete, Bürgerinnen und Bürger im Norden von Leipzig hat das erste Jahr hinter sich und feierte dies am 08.05.2018 angemessen. Im Keller des Gemeindehauses der Bethesdakirche war der Saal an diesem Dienstag von Besuchern sehr gut gefüllt. Bei den Neubürgern handelt es sich sehr oft um Geflüchtete aus den Herkunftsländern Syrien, Irak, Türkei und Nigeria, aber auch Afghanistan und Eritrea. Natürlich waren auch viele Eltern mit Kindern dabei, die an diesem Tag die Möglichkeit hatten, Plätzchen zu backen und auch etwas zu basteln. Schließlich sollte sich keiner langweilen und die Eltern konnten einmal nicht die Unterstützungsangebote wie sonst, mit Hausaufgabenhilfe, Deutsch lernen oder andere Hilfen für die Integration in Deutschland in Anspruch nehmen, sondern den flotten internationalen Musikstücken der Band von Waldemar Schmidt lauschen.

Das Nordcafé steht seit einem Jahr jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr unter dem Motto: „Begegnung, Gespräch und Unterstützung für Geflüchtete, Bürgerinnen und Bürger“ Dies wurde auch noch einmal in seiner kurzen Geburtstagsansprache von Herrn Eibisch von der gastgebenden Bethesdagemeinde deutlich gemacht. Vorbereitet wird es nicht nur vom hauptamtlich Beschäftigten Ramón Heberlein aus der Gemeinde, sondern auch von vielen ehrenamtlich Helfenden aus den Unterstützergemeinden, wie der ev.-luth. Michaelis-Friedenskirchgemeinde, der röm.-kath. Pfarrei St. Georg, der ev.-methodistischen Bethesdakirchgemeinde, der ev.-luth. Versöhnungskirchgemeinde, dem Caritasverband Leipzig e. V., der Diakonie Leipzig, Innere Mission e. V., der Ökumenischen Flüchtlingshilfe, dem ev.-methodistischen Diakoniewerk Bethanien e.V., dem Bürgerverein Gohlis e. V. sowie der Initiative Weltoffenes Gohlis. Genutzt wird es auch von vielen Besuchern aus dem Stadtteil. Zum Jubiläum gab es ein besonders breites Angebot zum Essen und Trinken. Neben den Getränken, wie Kaffee, Tee, Wasser und Saft, die von gespendeten Mitteln Aller besorgt wurden, gab es wieder reichlich selbstgebackenen Kuchen und auch eine Geburtstagstorte von zahlreichen Spendern, die sich sonst Woche für Woche in eine Liste eintragen. Beim Kaffeeklatsch kamen alle Anwesenden an den Tischen locker in anregende Gespräche. Doch damit war die Geburtstagsfeier noch nicht zu Ende. Der Kinderchor der Singschule Leipzig e. V. unter der Leitung von Heiko Dreßler wurde noch einmal zu einem musikalischen Höhepunkt am Nachmittag mit Liedern, die auch die Besucher zum Mitsingen anregten.
Als der Nachmittag sich dem Ende neigte und man sich gegenseitig verabschiedete, war man sich sicher: Wir sehen uns bestimmt wieder im Nordcafé.

Gohliser Geschäftsleben

Von Matthias Reichmuth und Tino Bucksch

In den letzten Monaten waren in Gohlis sowohl Schließungen als auch Neueröffnungen zu beobachten. Fangen wir bei dem an, was es neu in Gohlis gibt:
Vom Johannisplatz in die Corinthstraße 6 (Gohlis-Mitte) zog Anfang des Jahres das Tanzstudio „etage5“. Darin bietet Claudia Göhler Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, von JazzDance, ModernDance, Musical über HipHop bis Pilates. Mehr Informationen im Internet unter www.etage5-tanzstudio.de.

In den Gohlis Arkaden gibt es auf Initiative von Janina Kreisel mit dem Kikoo Kinderland ein Spielangebot für Kinder bis zu 3 Jahren und deren Eltern. In einer gesamten Etage des zentralen Gebäudes der Gohlis Arkaden (über der Post) bietet eine bunte Spielewelt alles, was die Herzen von Kleinkindern höher schlagen lässt. Mit Babykursen, Spielegruppen, Kindersport und Fitnesskursen mit Babys werden die Angebote abgerundet. Frau Kreisel ist am 7. und 8. September am Kikoo-Informationsstand vor dem Kaufland-Gohlis anzutreffen. Ansonsten können Interessierte täglich von 9 bis 18 Uhr das Kinderland besuchen.
Seit kurzem gibt es in der Sasstraße 33 eine Handy-Werkstatt namens Mobile Express Service (MES) – genau dort, wo wir vor kurzem die Eröffnung des Feinkostladens „Kern & Stein“ gemeldet hatten. Der Feinkostladen ist nun genau ein Haus weiter an die Ecke zur Coppistraße vorgerückt.

Direkt neben dem Büro des Bürgervereins gibt es in der Lindenthaler Straße 36 seit 14. August einen neuen Imbiss mit dem Namen Döner Royal. Der Inhaber, Herr Hüseyin, gehört zu einer Unternehmensgruppe, die bisher schon Döner-Fleischspieße herstellte und beispielsweise 100 % Kalbfleisch anbietet. Er setzt auf die Kundschaft unserer wachsenden Großstadt.

Geschlossen haben in den letzten Monaten drei sehr unterschiedliche Gastronomiebetriebe in Gohlis-Süd: An der Ecke Georg-Schumann-Straße/Mottelerstraße hat sich das Café home.le verabschiedet, die Inhaberin Maike Steuer war im Gohlis-Forum sogar einer der Kiezköpfe, allerdings haben die Einnahmen offenbar für einen wirtschaftlichen Betrieb nicht auf Dauer ausgereicht, auch ein angedachter Umzug kam nicht zu Stande. Schon seit einigen Monaten ist an der Ecke Wiederitzscher/Möckernsche Straße das afghanische Restaurant „Hindukusch“ geschlossen, nun haben auch die Betreiber des Restaurants „Passion“ in der Möckernschen Straße nach 15 Jahren aufgegeben. Somit verbleiben an der Möckernschen Straße gerade noch das griechische Mytropolis und das Eiscafé Capri als gastronomische Betriebe. In der Landsberger Straße 46 hat schließlich die Biowelt Gohlis-Nord geschlossen. Dem kleinen Bioladen, über dessen Eröffnung wir Anfang 2016 berichtet hatten, war es nie gelungen, größere Kundenströme anzulocken.

Neuer Stolperstein in Gohlis

Von Ursula Hein

Am 21. Juni wurde in der Kleiststraße 111 ein Stolperstein zu Ehren des jüdischen Kaufmanns Adolf Nathan Bickart auf Initiative von Monika Hirsch und Hermann Schein verlegt. Etwas 30 Gohliser, die meisten aus der Kleiststraße, versammelten sich kurz vor 11.45 Uhr, um an der Verlegung des Stolpersteins teilzunehmen. Von kleinen Kindern bis zu alten Menschen, die noch als Kinder die NS-Zeit miterlebt haben, waren alle Altersgruppen vertreten. Nachdem Kölner Künstler Gunter Demnig an diesem Tag schon zahlreiche Steine verlegt hatte, kam er in die Kleiststraße, um auch hier die Plakette mit Namen und Informationen zu Adolf Nathan Bickart in das Pflaster vor dem Haus der Familie Schlothauer einzusetzen.

Bickart war Mitinhaber einer großen Leipziger Lederwarenhandlung. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten sein Haus, um es zu einem sogenannten „Judenhaus“ zu machen, in dem zahlreiche jüdische Bürger in qualvoller Enge bis zu ihrem Abtransport in die Vernichtungslager untergebracht wurden. Leipzig hatte 47 solche Judenhäuser. Nach dem Abtransport dieser Menschen wurde es geplündert, einige Anwohnern ließen selbst Gartengeräte mitgehen; danach wurde es städtisches Eigentum und vom Stadtkämmerer Dr. Kurt Lisso und seiner Familie bewohnt.

Lisso, eine führende Figur der Leipziger Nationalsozialisten, war nach der Machtübernahme durch die Nazis zunächst Personalchef der Stadtverwaltung geworden. In dieser Funktion war er verantwortlich für die Säuberung der Verwaltung von den Nazis missliebigen Personen aus anderen politischen Lagern. Mehr noch: Lisso sorgte dafür, dass jüdische Mitarbeiter entlassen wurden und war schließlich an der Organisation der Judenverfolgung in Leipzig maßgeblich beteiligt. Schließlich gelangte er in das wichtige Amt des Stadtkämmerers.

Das Bild des toten Kurt Lisso, der sich kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner in Leipzig gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter im Zimmer des Oberbürgermeisters das Leben genommen hatte, gehört zur Ikonographie des Zweiten Weltkrieges. Das Foto erschien schon im Mai 1945 im amerikanischen Wochenmagazin „Life“, dort untertitelt mit der irrigen Bildunterschrift, es handle sich bei den abgebildeten Toten um den Leipziger Oberbürgermeister und dessen Familie. Die hatte sich indes in einem anderen Raum des Neuen Rathauses umgebracht.

Michael Schlothauer, der Besitzer des Hauses 111, hatte sich an seinem Geburtstag, dem 21. Juni, mit seiner Frau vor seinem Haus eingefunden und im Garten einen Tisch mit Getränken aufgebaut, um einmal auf andere Weise des ehemaligen Besitzers Bickart zu gedenken. Dieses Haus hatten er und seine Frau noch in DDR-Zeiten von der Stasi gekauft, die diese Immobilie seit 1949 besaß. Nach der Wende wurde dieser Kauf von der Treuhand als unrechtmäßig eingeordnet. Familie Schlothauer setzte sich mit den Erben der ursprünglichen Besitzer in den USA in Verbindung und kaufte das Haus zum zweiten Mal.

So sehen Sieger aus – Somalia Jungs; Foto: Uwe Schröder

Hattrick vom Feinsten

Von Andreas Praße; Foto: Uwe Schröder

Am 30. Juni hatte die Initiative „Weltoffenes Gohlis“ in Kooperation mit dem Team Nord der Streetworker der Stadt Leipzig, dem Roter Stern 99 e.V. und dem Bürgerverein Gohlis e.V. zum dritten Mal zum fußballerischen Tanz im Gohliser „Stadion des Friedens“ geladen.

Der Einladung zum 3. Interkulturellen Fußballturnier waren zehn Mannschaften gefolgt, die ausgesprochen hochklassigen Fußball boten. Fairplay und Freundschaft prägten alle Spiele. Nach jedem kleinen Foul (grobe gab es nicht) folgten ein Handschlag und ein Lächeln. Die vier besten Mannschaften der Vorrunde lieferten sich dann spannende und knappe Duelle in der Endrunde. Leider musste der Vorjahreszweite – Durchblick e.V. – trotz einer Klasseleistung nur durch das schlechtere Torverhältnis vorzeitig ausscheiden. Den dritten Platz eroberte das Team von Mama Africa aus der Erstaufnahmeeinrichtung Max-Liebermann-Straße im 9-Meterschießen gegen den Roten Stern. Strahlende Sieger waren dann die Somalia Jungs durch ein 1:0 im Finale gegen Bacche, ein italienisch-marokkanisch-syrisches Team, das bewundernswerterweise nur mit sieben Spielern angereist war, so dass alle ohne Auswechslung durchspielen mussten – Chapeau!

Es war eine tolle Veranstaltung. Unser besonderer Dank gilt allen fleißigen Helfer*innen, die einen reibungslosen Ablauf des Turniers gewährleistet haben. Hervorheben möchte ich die drei tapferen Jungs vom FC Blau-Weiß Leipzig e.V., die uns hervorragend als Schiedsrichter unterstützt haben, auch wenn die meist älteren Spieler immer etwas zu meckern hatten.

1000 Dank geht auch an alle, die durch ihre Spenden die dritte Auflage des Turniers finanziell ermöglicht haben: Herr Dr. Björn Opfer-Klinger, der Roter Stern Leipzig 99 e.V., der Stadtbezirksverband Nord der Partei DIE.LINKE, der SPD-Ortsverein Leipzig-Nord, MdB Frau Daniela Kolbe, Herr Stadtrat Werner Kujat, Herr Siegmund Mai und Herr Tobias Friese.