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Gohlis Forum 3/2023

Dr Seidel Gründer des Bürgerverein Krochsiedlung e.V.

Die Krochsiedlung – Interview mit Dr. Seidel

von Petra Voigt

Als Einstieg auf den Stadtteilrundgang folgt ein Interview mit Herrn Dr. Seidel und ein Beispiel, was ein Verein alles so leisten kann.

Ein Vorwort:
1928 plante die 1922 von Hans Kroch gegründete AG für Haus – und Grundbesitz wegen der akuten Wohnungsnot in Leipzig die Errichtung einer großen Wohnanlage im Stil des „NEUEN BAUENS“ oder auch Bauhausstil am nördlichen Rand der Stadt.

Hans Kroch entstammte einer angesehenen jüdischen Familie in Leipzig und war ein geschickt agierender Geschäftsmann und Bankier. Mit ihm verbindet man auch das „Kroch-Hochhaus“ am Augustusplatz mit seinem Glockenspiel, Industriepalast und das Königshaus.

Nach einem Architekturwettbewerb planten die Berliner Architekten Mewes und Emmerich eine Wohnanlage mit 1018 2 – 4 Raumwohnungen, die heute noch im Bestand sind.

Herr Dr. Seidel lebt mit seiner Frau seit über 60 Jahren in der Siedlung. Er hat diese Zeit engagiert verfolgt und insbesondere nach der Wende machte sich der Bürgerverein Krochsiedlung e.V. zur Aufgabe, die Restitutionsansprüche der Krocherben, die Sanierung durch den neuen Eigentümer zu unterstützen und mit diesem gemeinsam eine kleine „Schlacht“ gegen die Denkmalschutzbehörde zu schlagen.

Das Interview führte Petra Voigt (2.Vorsitzende Bürgerverein Gohlis)

Herr Dr. Siedel, zunächst herzlichen Dank, dass Sie die Führung durch die Siedlung übernehmen. Ohne Ihren Berichten und Erzählungen vorgreifen zu wollen, geben Sie uns doch eine kleine Über-sicht zur Geschichte der Krochsiedlung:
Herr Dr. Seidel: Die Gebäude wurden im Zeilenbau mit quergestellten Kopfbauten errichtet. Variantenreiche Gestaltung der Grundrisse, farbliche Gestaltung der Fassaden, unterschiedliche Hauseingänge, Loggien und Balkone zeichnen diese Bauten aus. In jeder Zeile befand sich ein mit Hecken umfasster Spielplatz mit Bänken für die Eltern, Teppichklopfstangen u.s.w.. Bereits damals gab es Heizung und Warmwasser, gesichert durch 7 Heizkeller. Ebenso 14 Waschküche mit damals moderner Technik nebst Trockenräumen. Zugleich wurde in der Max -Liebermann – Str. eine Ladenzeile errichtet, die heute noch gewerblich genutzt wird. Sieben Gärtner pflegten die parkähnlichen Anlagen zwischen den Zeilen mit ausgewähltem Baum – und Straucharten. Am 30.10.1930 wurde das Areal offiziell unter „Wohnstadt Gohlis – Nord“ eingeweiht. Schon bald erhielt die Wohnanlage von der Bevölkerung den Namen „Krochsiedlung“. Wenn wir am 07.05.2023 das Areal besichtigen, kann ich Ihnen Geschichte und Geschichtchen näherbringen.

Herr Dr. Seidel, vielleicht doch noch ein paar Ausführungen:
Herr Dr. Seidel: „Nun, anhand der Siedlung ist die wechselvolle Geschichte vom Dritten Reich, über die DDD bis zur Wende 1989 nachzuvollziehen. 1938 verschleppten die Nazis Hans Kroch in ein KZ. Nachdem die Familie auf den gesamten Besitz verzichtet hatte, kam er frei und emigrierte. Seine Frau wurde im KZ Ravensbrück ermordet. Ein Stolperstein, den meine Frau und ich gestiftet haben, vor dem Haus in der Sebastian-Bach-Str. 53 erinnert daran. Die DDR hat die Krochsiedlung 1951 in Volkseigentum überführt und völlig überraschend 1980 auf die Denkmalschutzliste der Stadt Leipzig aufgenommen. Dies hatte in der DDR keine weitreichenden Folgen. Diese überlies die Siedlung sich selbst und sie bot 1989/90 einen doch recht erbärmlichen Anblick. Nach der Rückübertragung der Siedlung an die Krocherben 1996 verkauften diese 1997 an den mittelständischen Bauunternehmer, Gaedeke, aus Mölln, der das Areal weiter liebevoll sanierte. Am Rande: Zuvor hatte bereits die LWG mit der Sanierung begonnen, jedoch nach Fertigstellung von 20 % gestoppt. Es dauerte 5 Jahre, bis die Sanierung weiterbetrieben wurde. Plötzlich war das Thema „Denkmalschutz“ auf dem Plan. Baustopps wurden verhängt. So, wegen der geplanten Anbringung von Wärmedämmung. Die Denkmalschutzbehörde Leipzig lehnte dies ab. Die Firma Gaedeke suchte sich Unterstützung unseres 1992 gegründeten Vereins. Gemeinsam, ich würde sagen, kämpferisch, haben wir erreicht, dass sich eine bewohnbare Siedlung auf aktuelle Herausforderungen einstellen musste. Es wird auch deutlich, dass Bauen, Denkmalschutz und Umweltschutz durchaus realisierbar sind. Dafür hatte sich der Bürgerverein Krochsiedlung eingesetzt und es geschafft.

Herr Dr. Seidel, vielen Dank für die kleine Vorschau. Wir sind gespannt auf den 07.05.2023.

Ein Nachwort: Der Bürgerverein Gohlis e.V. hatte 1999 eine Sonderausgabe „Krochsiedlung“ herausgegeben. Diese Ausgabe werden wir auf unserer Homepage bereitstellen und ggf. einige Exemplar am 07.05.2023 mitbringen.

Für Interessenten zum Thema Kroch in Leipzig verweisen wir auf das Buch: Kroch Der Name bleibt. Von den Autoren Hans-Otto Spithaler/Rolf H. Weber / Monika Zimmermann. Erschienen im Mitteldeutschen Verlag Halle (Saale)

KIEZgrillen in Gohlis Nord

von Tino Bucksh

Im Anschluss an den Stadtteilrundgang wird es am 07.05. ab 16 Uhr (bis 18 Uhr) das erste KIEZgrillen des Bürgervereins im Gohlis Nord geben. Auf der Fläche des Spielplatzes an der „Erbse“ – auf der gegenüberliegenden Seite der Krochsiedlung. Nach den gutbesuchten Grillen beim Nachbarschaftspicknick, auf dem Stadtplatz und dem Freiligrathplatz wollen wir dieses Angebot auch den Gohliserinnen und Gohlisern im Norden machen. Wir stellen ein paar Sitzgelegenheiten und einen Grill zur Verfügung, auf den Grill selbst kommt, was jeder mitbringt und das gemeinsame Buffet lebt von mitgebrachten Salaten, Snacks und Getränken.

Die Krochsiedlung in Gohlis als Thema für einen Stadtteilrundgang im Rahmen des Jane’s Walk 2023

von Tino Bucksch

Im Rahmen des weltweiten Projektes Jane´s Walk, an dem sich seit 2019 auch Leipzig beteiligt, veranstaltet der Bürgerverein Gohlis am Sonntag, dem 07.05.2023 einen Stadtteilspaziergang durch die Krochsiedlung. Ab 14 Uhr (Treffpunkt: Helgoländer Weg Ecke Norderneyer Weg) laufen wir gemeinsam entlang der markanten Punkte der Siedlung. Die Führung wird Dr. Seidel, Bewohner der Krochsiedlung und langjähriger Vorsitzender des Bürgerverein Krochsiedlung durchführen. Mit seinem Wissen aus 60 Jahren wird dieser einen Einblick in die komplexe Geschichte der Siedlung und deren Architektur und Grundstruktur geben.

Panorama der Werkstätten des Makerspace

Makerspace Leipzig

von Peter Petzka

Die Gemeinschaftswerkstatt, Lindenthaler Straße 61-65, 04155 Leipzig

Ich war unterwegs, um einen Bericht über den Makerspace in Leipzig zu schreiben, verabredet zu einem Termin mit Inga Strauch. Sie ist die Koordinatorin der 700 m2 großen und 178 Mitglieder umfassenden Location.

Der Makerspace ist nicht nur ein Ort in Leipzig, sondern Teil einer weltweiten Maker-Bewegung. Überall auf dem Globus gibt es ähnliche Werkstätten. Manchmal heißen sie auch Frickelbude oder Fablab.
Es geht darum, Orte zu schaffen, in denen Menschen Räume, Maschinen und Wissen miteinander teilen. Also ein Ort, an dem sie befähigt werden, Dinge wieder selbst zu machen, statt zu kaufen, zu reparieren, statt wegzuwerfen und ihr Wissen um handwerkliche Fertigkeiten zu teilen und somit zu bewahren.

Es erfüllt damit also auch einen Umweltaspekt. Man kann auf die Kompetenzen der anderen Mitarbeiter zurückgreifen und ist nie allein. Folgende Gewerke sind vorhanden:
Holz, Metall, Keramik, Textil, Beton, Fotostudio, Upcycling, FabLab (‚Fabrikationslabor‘), Siebdruck und selbst Bier brauen! (Saisonal bedingt)

Der Bereich der Holzbearbeitung ist sehr beliebt und besitzt eine voll ausgestattete Holzwerkstatt. Es gibt einen Keramikbereich incl. Brennofen und Töpferscheibe, einen Textilbereich mit mehreren Nähmaschinen auch für Leder. Im FabLab kann man Roboter bauen und programmieren. Es gibt 3D-Drucker, einen Laser Cutter, und Mann / Frau kann Bier brauen. Die gut ausgestattete Metallwerkstatt hat im Moment leider keinen Gewerkeleiter. Bewerber sind herzlich willkommen. Melden Sie sich.

„Ihr möchtet den Makerspace kennenlernen, um euch vor Ort ein Bild von uns machen? Dann kommt gern vorbei zu unserem Willkommensabend oder Schnuppertag an jedem 2. Freitag im Monat jeweils 17 – 22 Uhr. Alle Termine auf der Website des Makerspace https://makerspace-leipzig.de/.“ Hier ist Platz für eure Ideen.

Wissen Sie, was ein „Quantenholzwurm“ ist? Ich habe hier einen kennen gelernt. Aber, das ist vielleicht eine andere Geschichte. Schauen Sie wieder rein in eine der nächsten Ausgaben des Gohlis Forum.
Für mich war es wieder mal ein interessanter Einblick in einen Bereich, den ich bisher in Gohlis noch nicht kannte. Dafür meinen herzlichen Dank an Inga Strauch.

Monika Maywald im Weinkeller

Aus dem Geschäftsleben Teil 1: Die Kellermeisterin – seit 10 Jahren in Gohlis

von Petra Voigt

Diplom-Önologin steht auf der Visitenkarte von Frau Monika Maywald, der Inhaberin vom (w)einstein 13“ in der Breitenfelder Straße 20. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums haben wir sie besucht.

Die gebürtige Thüringerin studierte 5 Jahre an der Lebensmittel-Universität in Plovdiv in Bulgarien und schloss als Dipl.- Önologin ab. Mit der Frage – was ist Önologie im Kopf, besuchte ich Frau Maywald. Önologie ist die Wissenschaft des Weines. Sie ist also die Fachfrau, die sich auskennt mit verschiedenen und zahlreichen Prozessvorgängen, um aus Trauben einen wunderbaren Wein zu erzeugen. Dazu benötigt man fundierte Kenntnisse, begonnen von den Reben über die Gärführung, dem spannenden Prozess der Reife der Weine bis zur Füllung in die Flasche und natürlich den perfekten Genuss der edlen Tropfen.

Übrigens begann die praktische Karriere der Fachfrau vor vielen Jahren genau hier in Gohlis, in der damaligen Stadtkellerei. Ihr Weg führte sie über die fachliche Betreuung einer Großkellerei nach der Wende, die Gründung einer Importfirma für bulgarische Weine schließlich mit dem [w]einstein 13 wieder hierher zurück.

Hier bietet Frau Maywald ausschließlich Produkte an, die sie kennt. Sie reist mit ihrem Mann durch Europa, besichtigt Kellereien, informiert sich über die Produktion und kennt so die Weinbauern und Kellermeister ihrer Weine persönlich.

Dies können die Gäste bei den verschiedenen Events erleben. Frau Maywald nimmt sie engagiert und humorvoll mit auf ihre Reisen und erzählt über die Gegenden, Geschichte und Geschichtchen, natürlich über Herstellung und Charakter der Weine, die sie anbietet.

Man muss kein Verleger sein, um ein gutes Buch zu lesen und sicher kein Önologe, um Wein zu trinken, aber es ist gut, ein Produkt zu bekommen und zu kosten, von dem man weiß, dass ein Profi dahintersteht.

Seien Sie neugierig (www.weine-events.de) und lassen sich überraschen von der Welt des Weines bei Frau Maywald.

Vanessa Lusian Inhaberin des Feenhandwerk

Aus dem Geschäftsleben Teil 2: Kosmopoliten haben einen Platz in Leipzig – Gohlis für sich und Feen gefunden.

von Petra Voigt

Vanessa Lusian ist Gründerin und Inhaberin vom „Feenhandwerk“ hier in Gohlis.

Als Tochter von Eltern, die 40 Jahre rund um den Globus gelebt haben, kann man Sie mit Fug und Recht als Weltbürgerin bezeichnen. Abitur in Italien, Studiengänge in Maastricht, Newcastle Australien zu International Management und Finanzen, International Marketing runden dies ab.

Bevor sie sich die Welt der Feen und des kreativen Handwerks verschrieben hat, liegen einige Berufsjahre als Gründerin, Innovatorin und Coach u.a. im Management eines großen Lebensmitteldiscounters, Privatdozentin im Bereich Service Design und Buchautorin und als BOOST.coach (visuelle und zielgerichtete Kommunikation sowie multimediales Lernen) hinter ihr. Aus familiären Gründen zogen sie und ihr Mann nach Leipzig. Hier wurde ihr Kind geboren.

Eigentlich waren Kunst und Kreativität gepaart mit Nachhaltigkeit schon immer eine Passion und die Zeit während Covid bestärkte sie, endlich diese Interessen in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen.
Sie gründete einen Online-Shop und verkaufte und verkauft heute noch, erfolgreich handgefertigte Miniaturen und Spielzeug. Nachdem auch ihre Eltern ihren Lebensmittelpunkt nach Leipzig verlegt hatten, beschlossen sie die Tochter beim Start in die Selbstständigkeit zu begleiten und sich selbst mit Interior – und Schmuckdesgin einzubringen. Ein Ladenlokal wurde gesucht, um diese Geschäftsideen u.a. für nachhaltig hergestellte Produkte aus Upcycling zu verwirklichen.

Fündig wurden sie in Gohlis in der Magdeburgerstraße 36 und unterstützt von der Mittelstandsförderung der Stadt Leipzig eröffneten sie im Herbst 2022. Sie haben ein stressiges Berufsleben geführt und wissen genau, wie wichtig es ist,meinen Ruhepunkt zu finden.

In der Tat können Kinder und Erwachsene in eine magische Welt der Feen und des handgefertigten Schmucks eintauchen und sich inspirieren lassen, den Stress und den Alltag vor der Ladentür zu lassen. Wer davon noch nicht genug hat, kann Workshop zu Upcycling und Möbelrenovierung besuchen. Die Kinder und auch die Erwachsenen können hier im Feenhandwerk ihrer Phantasie freien Lauf lassen.
Bei einem guten Kaffee und selbstgebackenen Kleinigkeiten erlebt man auch das italienische Flair der Familie https://www.feenhandwerk.de, Magdeburger Str. 36, 04155 Leipzig

Gohliser Kunstmarkt 2022

Gohliser Kunstmarkt im Schlossgarten

von Uta Schlenzig

Der Kunstmarkt des „Gohliser Vereins für Kunst und Kultur – KuK Gohlis“ ist seit inzwischen 12 Jahren in jedem Frühjahr ein Höhepunkt für Künstler und Kunstinteressierte weit über den Stadtteil hinaus.

Seit 2021 findet er im Garten des Gohliser Schlösschens statt, gemeinsam veranstaltet mit der Musenhof am Rosental gGmbH.

Dort werden am Sonntag, dem 21. Mai 2023 zwischen 13 und 18 Uhr verschiedene, nicht nur Leipziger Künstler mit Grafik, Malerei, Skulptur, Keramik, Literatur, Accessoires und mehr einen Einblick in ihr Schaffen geben. Kann es für die bildenden Künstlerinnen, Kunsthandwerker, Autorinnen und Musiker einen passenderen Ort geben als den Musenhof am Rosental? Mit dabei sein werden z.B. Helene Graupner mit Illustrationen, die Leipzig Werkstätten, der Autorenverband Leipzig, Annett Zachäus präsentiert Druckgrafiken, Titus de Jong zeigt seine japanische Tuschemalerei. Außerdem gibt es Schmuck, textile
Objekte, Keramik u.v.m. zu bewundern – und zu erwerben.

Zum Gohliser Kunstmarkt ist auch das Schlosscafé geöffnet. Der Leipziger Autorenstammtisch liest aus aktuellen Veröffentlichungen, es erklingt Live-Musik und Kinder wie Erwachsene können die Märchenerzählerin Angelika Tilsner unter der großen Kastanie im Schlossgarten finden.

Der Eingang zum Kunstmarkt erfolgt vom Poetenweg. Zur Deckung der Unkosten zahlen Besucher des Kunstmarktes ab 16 Jahren einen Beitrag
von 2 €. Weitere Informationen zum Programm und zu den Ausstellenden auf der Webseite kuk-gohlis.de.