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Baugeschichte in Gohlis

von Ulrich Materne

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Gohlis ein Dorf mit wenigen Hundert Einwohnern und geprägt von landwirtschaftlichen Anwesen.

Im 18. Jahrhundert erwarben vermögende Leipziger Bürger bäuerliche Anwesen, um dort Sommerresidenzen zu errichten. Das bekannteste Beispiel ist das Gohliser Schlösschen, erbaut im spätbarocken Stil in den Jahren 1755/56.

Ab 1850 bis zur Eingemeindung nach Leipzig 1890 vervielfachte sich die Bevölkerungszahl und es entstanden Villen und Mehrfamilienhäuser, zunächst als schlichte Bebauung z.B. in der Gothaer und der Breitenfelder Straße im spätklassizistischen Stil.

Die beginnende Industrialisierung beförderte eine rasche Bebauung der Gohliser Feldfluren und dem Zeitgeist entsprechend entstand eine Gründerzeitarchitektur in der Formensprache des Historismus: es wurden 4-5geschossige Wohnhäuser als Reihenbebauung entlang der Straßen als Blockrandbebauung errichtet, in den Vorderansichten in Nachahmung historischer Baustile wie Gotik oder Barock reichlich mit Stuckelementen verziert.

Nach der Jahrhundertwende werden die Fassaden immer pompöser. Es wurde alles an die Fassaden gebaut, was zur Verfügung stand. Hinzu kamen florale Elemente beeinflusst durch den Jugendstil. Die prächtigsten Beispiele findet man u.a. in der Ludwig-Beck-Straße (auch die Gohliser Riviera genannt)

Im sogenannten „französischen Viertel“ wird die Wandlung von überbordender Ornamentik zur „Neuen Sachlichkeit“ deutlich. Das Französischen Viertel erhielt seinen Namen zur Erinnerung an den Deutsch- Französischen Krieg 1870/71, wobei sich die Straßennamen auf die Orte von Entscheidungsschlachten beziehen. Die heutige Coppistraße hieß Lothringer Straße und die Virchowstraße war die Pariser Straße. So wurde 1903 in der Wilhelm-Plesse-Straße 8 (Gravelottestraße) noch reiches Dekor mit Jugendstileinfluss verwendet und in der Corinthstraße 15-19 (Werderstraße) wurde gar im Landhausstil gebaut. Aber schon wenige Meter weiter in der Heinrich-Budde-Straße 23-25 (Beaumontstraße) ist ab 1915 der Übergang zur Moderne mit einer reduzierten Formensprache ohne Verzierungen und ohne historische Zitate erkennbar.
Städtische Wohnungsgesellschaften und bürgerliche Genossenschaften wie der „Spar- und Bauverein Leipzig Nord“ und die „Aktiengesellschaft für Haus- und Grundbesitz“ schaffen weiteren Wohnraum im typisch genossenschaftlichen Baustil in der Adolph-Menzel-Straße 12-16 aus dem Jahr 1931.

Parallel dazu entsteht nördlich der Max-Liebermann-Straße ab 1928 die Krochsiedlung in extrem vereinfachter Bauweise.

Nur vereinzelt wird im privaten Bereich im Bauhaus-Stil gebaut (Villa Richter am Kickerlingsberg 1927-28.

Nach dem 2. Weltkrieg wird der großflächige Wohnungsbau mit Gründung der Arbeiterwohnungsgenossenschaften (AWG) in der Landsberger Straße fortgesetzt.