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Anno dazumal: Historie und Histörchen – Die Lehensherren von Gohlis

von Heidrun Zinecker

Gohlis, erstmals urkundlich erwähnt 1317, war im Spätmittelalter ein grundherrschaftliches Lehen des Bischofsstifts Merseburg und dann des Wettin‘schen Lehnsherrn, dem Markgrafen von Meißen. Lehen wurden, etwa von (Kur)Fürsten und Herzogen, im Gegenzug zu militärischer Gefolgschaft und politischer Treue an sog. Vasallen „verliehen“. Im Fall von Gohlis geschah das zunächst dem Ritter und markgräflichen Vogt Johannes Porzk/Porzig (auch Lehensnachfolger der Herren von Wahren) und dann, für mehr als zwei Jahrhunderte, der Adelsfamilie Pflugk (Meißen‘sche Linie). Die Pflugks stammten aus Böhmen/Prag und waren bereits zuvor in Strehla an der Elbe belehnt worden. Gohlis gelangte 1349 in ihre Hände. Insbesondere die Brüder Tham/Thammo/Dam (Damianus) (*ca. 1385 Knauthain – †1426 Aussig) und Otto Pflugk (*ca. 1382 Knauthain – †1426 Aussig) nahmen sich des Lehens an. Beide waren Söhne des Nickel Pflugk auf Knauthain, dem Herrn von Wildenfels, Strehla und Frauenhayn. Während Tham Amtmann von Quedlinburg und als Rat dem Markgrafen von Meißen, Friedrich d. IV. Streitbaren, verpflichtet war, diente Otto Pflugk selbigem als Hofmarschall. Die Brüder fielen in den Hussitenkriegen in der Schlacht bei Aussig, das damals zur Mark Meißen gehörte. Später übernahm Ururenkel Benno Pflugk (*ca. 1510 Zschocher – † vor 1579), seines Zeichens Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld, Amtmann bzw. Hauptmann zu Sangerhausen sowie kursächsischer Rat, das Gut Gohlis, das er dann seinerseits seinem Schwiegersohn Carl Dieskau (*1528 Zschocher – †1620 Zschocher) vermachte. Ab 1393 fand die Pflugk‘sche Familiendynastie ihr Grab in einer eigens errichteten Marienkapelle an der Nordwand der Leipziger Paulinerkirche. Beide Familien, die Pflugks wie die Dieskaus, sollen „wenig Sorgfalt“ (Otto Moser) auf Gohlis verwendet haben, zumal sie dort weder Sitz noch Hof hatten. Den Dieskaus schließlich verursachte der Dreißigjährige Krieg, der in den Dörfern des Leipziger Umlands etwa zwei Drittel der Bevölkerung dahinraffte, derart viel Schaden – Gohlis wurde dabei fünfmal niedergebrannt –, dass sie das Gut 1659 an einen Bürgerlichen, den Professor der Medizin Dr. Michael Heinrich Horn, weiterverkauften.