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Gohliser Arkaden

Eines der ersten großen Bauvorhaben, welches der Bürgerverein kurz nach seiner Gründung begleitete, war das heute als Gohlis-Arkaden bekannte Stadtteilzentrum. Am 4. August 1992 folgten ca. 160 Bürger:innen der Einladung des Vereins und dem Stadtplanungsamt in die Aula des Schiller-Gymnasiums und lauschten der Vorstellung des Stuttgarter Bauherrens. Dabei fanden die Pläne zu dem geplanten Büro- und Geschäftshauses mit vielfältigen Läden, gastronomischen Einrichtungen sowie Wohnungen von euphorischer Zustimmung bis Ablehnung. Einig war man sich aber an dem Abend schon, dass statt dem gesichtslosen und inflationären Namen City-Center ein passender zu suchen sei – ein beliebter Vorschlag war dabei Lützow-Tor. Aber auch die konkreten Hinweise, dass sich das geplante Gebäude nicht in die gewachsene villenartige Bebauung einbindet oder dass eine Anpassung der Bauweise eine 200-jährige Eiche, eine 150-jährige Platane und mehrere alte Kastanienbäume erhalten würde. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde darauf hingewiesen, dass die geplante Tiefgarageneinfahrt die Verkehrssituation im Bereich Lützowstraße und Georg-Schumann-Straße nur verschärfen würde. Eine Feststellung, die bis heute nicht an Aktualität verloren hat. Am 21.09.1994 wurde dann das Richtfest des 160-Millionen-DM-Projektes gefeiert. Dabei setzte der Bauherr darauf, mit historischen Bezügen die Akzeptanz des sehr wohl umstritten Projektes zu erhöhen: die alte Hallische Straße (heute Georg-Schumann-Straße) war eins Durchgangsweg für Pilger, Kaufleute und kaufkräftigen Gästen. In der Nachwendezeit sei diese Tradition endgültig verschwunden. Daher sollten die Gohlis Arkaden einen Mosaikstein bilden, der alten Handelsstraße wieder zu neuem Leben zu verhelfen. Aber auch eine emotionale Bindung sollte hergestellt werden. So durften Schüler:innen des Schiller-Gymnasiums den Bauzaun um die Baustelle künstlerisch gestalten. Natürlich auf Kosten des Bauherren, der dann sogar noch Schüler:innengruppen nach Stuttgart und Dresden einlud. Dennoch blieb das Projekt sehr umstritten. Gerade dem als „Betonbunker mit Glasturm“ empfundene Bau konnte nicht ganz unberechtigt in ein „Turmwettbewerb zu Babel“ eingereiht werden, in welchem sich über die Stadt verteilt ähnliche Bauprojekte realisiert wurden.

Am Ende wurden die Gohlis Arakaden vom 15. bis 17. Juni 1995 mit Musik und Ausstellungen nach 19 Monaten Bauzeit feierlich eröffnet. Zu den Mieter:innen der ersten Stunde gehörten Sport-Frank, das Farbenhaus Gohlis, das Schuhgeschäft Wunderlich, die AD-Küchen-Art & Design, HABRA-Moden, die SAXONIA Touristik International, Blumen-Frenzel, die Sparkasse Leipzig oder der Lukas-Bäcker. Viele von diesen sind aus dem heutigen Bild der Gohlis Arkaden verschwunden. Als Geniestreich des Investors stellte sich dabei die Ansiedlung des Penny-Marktes heraus. Dieser lockte täglich ca. 2.000 Passant:innen mehr durch die Passagen, wovon alle ansässigen Gewerbetreibenden profitierten. Auch noch leerstehende Geschäfte wurden gemeinnützigen Vereinen, kirchlichen Einrichtungen oder Künstler:innen zur Verfügung gestellt. Somit wurde den Arkaden von Anfang an Leben eingehaucht.

Ebenso zur Akzeptanz der Arkaden führte die Verlagerung der Haltstelle der Linie 20 und 24 (heute Linie 12) an den ursprünglichen Ort vor die Kreuzung Lützowstraße und Georg-Schumann-Straße. Zeitweise war diese 50 Meter weiter Richtung Blumenstraße verlegt worden und führte somit zu deutlich schlechteren Bedingungen für die Nutzung des ÖPNV. Dazu mussten aber leider die vor den Arkaden erfolgte Bepflanzung entfernt werden. Ein Wehrmutstropfen, der eine Fehlplanung verdeutlich und am Ende den versiegelten Betoncharakter der Gohlis Arkaden unverändert lies.