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Gohliser Baugeschehen: Von Hinterhauslücken bis zur Erbbaupacht

von Matthias Reichmuth

Während diese Zeilen entstehen, hat die größte europäische Flüchtlingsbewegung seit dem zweiten Weltkrieg begonnen. Nachdem Leipzig in den letzten Jahren deutlich gebremst gewachsen ist, kann wohl allein der Krieg dazu führen, dass unsere Einwohnerzahl bald wieder deutlicher ansteigt. Die weitere Verdichtung von Gohlis, die ja bisher noch aus dem großen Leipziger Aufschwung der letzten Jahre folgt, wird sich damit sicherlich fortsetzen.

Um mit einem erfreulichen Bild zu beginnen, zeigt unser erstes Foto den Neubau in der Fritz-Seger-Straße 10. Das neue Mehrfamilienhaus sieht optisch ansprechend aus und hat nicht das gesamte Grundstück zugebaut – von den beiden größten Bäumen, die erhalten werden konnten, ist einer der als Naturdenkmal geschützte kaukasische Flügelnussbaum.

Eine erste Etage ist mittlerweile in der Benedixstraße 11 zu erkennen: Hier baut der städtische Eigenbetrieb Behindertenhilfe die Komplex-Kita „Naturwerkstatt“ für 190 Kinder. Bis Jahresende soll die Kita mit 5,4 Mio. Euro Investitionskosten in den Betrieb gehen, Interessenbekundungen für Betreuungsplätze werden bereits angenommen.

Bis zur Fertigstellung noch etwas mehr Zeit braucht sicherlich das Projekt „Etkar“; angekündigt ist die Fertigstellung der 27 komfortablen Eigentumswohnungen mit 47 bis 117 Quadratmetern für Frühjahr 2023. Im Februar war an dieser Stelle jedenfalls die aktuell wohl tiefste Gohliser Baugrube zu sehen, der Keller in der benachbarten Michael-Kazmierczak-Straße 42 reicht jedenfalls erkennbar nicht so tief. Zugleich verdeutlicht das Bild den Schwachpunkt an der Lage: Sowohl nach Süden als auch nach Südwesten folgen Nachbargebäude mit Brandmauern, während der schöne Blick auf den noch namenlosen Platz, mit dem die Gottschallstraße beginnt, durch Nordfenster möglich wird.

Noch keine Baugrube zu sehen ist in der Magdeburger Straße 1-3: Während gegenüber in der Lindenthaler Straße 48-50 inzwischen die Gerüste gefallen sind und erste Zimmerpflanzen zeigen, dass der Einzug begonnen hat, wurde auf der gegenüberliegenden Seite bisher nur das Baufeld freigeräumt. Weil das Vorgängergebäude unvollständig abgerissen worden war, waren dafür an der Wand zur Lindenthaler Straße 57 auch noch über drei Etagen einiges an Steinen abzutragen – immerhin dieser Schritt wurde zu Jahresanfang geschafft.

Hinterhäuser gibt es in Gohlis ja an vielen Stellen. In der Regel kleiner, niedriger und dunkler als die Hauptgebäude an der Straße wurden viele seit den 1990er Jahren nicht mit saniert, sondern abgerissen, um etwas mehr Licht und Grün in die Hinterhöfe zu lassen. Etliche wurden aber auch saniert und sind heute besonders gefragt, weil die Vorderhäuser den Straßenlärm gut abschirmen. In der Kasseler Straße 14 wurde jetzt eine Baugenehmigung für ein Hinterhaus erteilt, wo früher schon einmal eines stand. Wie das Foto zeigt, stehen die Hinterhäuser der Nachbargrundstücke noch, während sich hier einige Bäume entfalten konnten, auch der Laubbaum knapp jenseits der Grenze auf dem Nachbargrundstück hat davon profitiert. Die Zeit dieser Bäume ist nun wohl abgelaufen, denn für die „Errichtung eines hofseitigen Mehrfamilienhauses mit Balkonen unter Aufnahme der Kubatur des ehemals vorhandenen Hofgebäudes“ wurde laut Amtsblatt vom 22.02.2022 die Baugenehmigung erteilt.

Zur Verhinderung überschießender Bodenpreise hat die Stadt Leipzig damit begonnen, kommunale Grundstücke nicht mehr zu verkaufen, sondern in Erbbaupacht zu vergeben. 2021 und 2022 sollen auf diesem Wege schrittweise 50 Parzellen vergeben werden. Die Stadt schreibt dazu: „Neben sozialen Kriterien sollen auch ökologische Gesichtspunkte wie energieeffizientes Bauen und eine klimagerechte Dachnutzung im Auswahlprozess berücksichtigt werden.“ In der ersten Tranche gibt es auch in Gohlis-Mitte ein solches Grundstück, allerdings ist es nicht unbebaut: Es handelt sich um die geschlossene Kindertageseinrichtung in der Eduard-von-Hartmann-Straße 29-31. Wer sich hierfür bewirbt, kann also ein Umbaukonzept mitbringen.