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Hans Kroch

von Matthias Judt

Hans Kroch (voller Name Hans Meyer Zvi Kroch) 1887 Leipzig – 1970 Tel Aviv (Israel)

Der Bankier und Investor Kroch wurde am 3. Juni 1887 als Deutscher jüdischen Glaubens in Leipzig geboren. Er war seit 1922 Bankier in der 1877 von seinem Vater Martin Samuel Kroch (geb. 20. November 1853, gest. 25. Oktober 1926) im Jahre 1877 gegründeten Privatbank Kroch jr. KGaA und wurde später deren persönlich haftender Gesellschafter. Das Bankhaus befand sich am Augustusplatz im Leipziger Zentrum im ersten, in Leipzig errichteten Hochhaus („Krochhaus“). (1)

1923 gehörte Kroch zu den Gründern der Leipziger Messe- und Ausstellungs-AG, in deren Aufsichtsrat er lange Sitz und Stimme hatte. Er war zudem Hauptaktionär der „Aktiengesellschaft für Haus- und Grundbesitz“, die 1929/30 die Siedlung Neu-Gohlis (heute bekannt als Krochsiedlung) errichtete. (2)

Kroch gehörte neben weiteren Mitgliedern seiner weiteren Familie zu den Gründern und Förderern der orthodoxen Brodyer-Synagoge in der Keilstraße, der einzigen, in Sachsen heute noch existierenden Synagoge.(3)

Unmittelbar nach der Pogromnacht wurde Hans Kroch von den Nationalsozialisten am 10. November 1938 gemeinsam mit seinem Bruder Kurt (Curt) Isaac Kroch (geb. 30. März 1884 in Leipzig, gest. 1960) verhaftet. Sie wurden in die Konzentrationslager Sachsenhausen bzw. Buchenwald verbracht und erst wieder entlassen, als Hans Kroch für sich und seine gesamte Familie eine Verzichtserklärung auf das Gesellschaftsvermögen des Bankhauses Kroch und all ihre Beteiligungen abgegeben hatte. (4) Darunter gehörte nicht zuletzt das Stadttheater in Leipzig, für das die Leipzig 2006 an Krochs Enkel Hillel Tscharni eine Entschädigung zahlte. (5)

Nach seiner Haftentlassung floh Kroch gemeinsam mit seinen Kindern zunächst nach Amsterdam. Dorthin sollte ihnen auch seine Ehefrau Ella Kroch, geb. Baruch (geb. 16. Juli 1896 in Karlruhe, ermordet am 12. Mai 1942 im KZ Ravensbrück (6)) folgen. Sie war jedoch bei ihrem eigenen Fluchtversuch im Februar 1940 an der deutsch-niederländischen Grenze festgenommen und drei Monate später ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück gebracht und zwei Jahre später umgebracht worden. (7)

Hans Kroch emigrierte zunächst nach Argentinien und wanderte nach dem Zweiten Weltkrieg nach Israel aus. Dort errichtete er in Jerusalem eine Hotelanlage. Hans Kroch starb am 7. Februar 1970 in Jerusalem. (8)

(1) vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Kroch.
(2) vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Kroch.
(3) vgl. Elisabeth Guhr, „Kroch, Meyer Hans“ (im Folgenden „Guhr, Kroch 2017“), in Bürgerverein Gohlis 2017, S. 322f, hier S. 322; Barbara Kowalzik, Jüdisches Erwerbsleben in der inneren Nordvorstadt Leipzigs. 1900 – 1933, Leipzig 1999, S. 29f.
(4) vgl. https://www.geni.com/people/Hans-Kroch/6000000002215913862; Guhr, Kroch 2017, S. zz. Näheres zur „Arisierung“ des Bankhauses Kroch jr. siehe Ingo Köhler, Die „Arisierung“ der Privatbanken im Dritten Reich. Verdrängung, Ausschaltung und die Frage der Wiedergutmachung (=Schriftenreihe zur Zeitschrift für Unternehmensgeschichte. Band 14), 2. Auflage, Münchden 2008, S. 380f.
(5) vgl. http://www.n-tv.de/politik/dossier/Israel-erstattet-nicht-article337496.html.
(6) Guhr gibt als Sterbeort die Tötungsanstalt in Bernburg an (vgl. Guhr, Kroch 2017, S. 323).
(7) vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Kroch; Guhr, Kroch 2017, S. 323.
(8) vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Kroch; Guhr, Kroch 2017, S. 323.