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Kurt Lisso

von Matthias Judt

Kurt Lisso (voller Name Ernst Kurt Lisso) 1892 Großbadegast – 1945 Leipzig

Der spätere Stadtkämmerer und stellvertretende Bürgermeister der Stadt Leipzig wurde am 7. März 1892 in Großbadegast geboren. Er studierte bis 1914 Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig, promovierte 1922 mit einer Arbeit zur Entwicklung des Jugendstrafrechts in Deutschland und arbeitete bereits seit dem Ende des Ersten Weltkrieges als selbständiger Rechtsanwalt in Leipzig. (1)

Im Dezember 1933 wurde er zum hauptamtlichen Stadtrat und Leiter des Personalamtes der Stadt Leipzig, 1940 dann zum Stadtkämmerer und stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Leipzig berufen. Innerhalb der Stadtverwaltung war Lisso einer der Hauptakteure antisemitischer Politik und profitierte selbst davon: 1942 wurde die Stadt Eigentümerin des zuvor zum „Judenhaus“ erklärten Wohnhauses des jüdischen Kaufmanns Adolf Nathan Bickart (1872 – 1945) in der Gohliser Kleiststraße 111, in das sodann Lisso mit seiner Familie zog. (2)

Lisso versinnbildlichte aber vor allem mit seinem Selbstmord im April 1945 die völlige ideologische Verblendung der kommunalen NS-Funktionärsschicht. Im Angesicht des Einmarsches amerikanischer Truppen hatten im Neuen Rathaus eine ganze Reihe von lokalen NS-Größen den Freitod gewählt – meist gemeinsam mit ihren nächsten Familienangehörigen. Mit Kurt Lisso starben am 18. April 1945 auch seine Ehefrau Renate (1895 – 1945) und seine Tochter Regina (1924 – 1945). (3) Das von Margerete Bourke-White am 20. April 1945 gemachte Foto der toten Familie Lisso wurde nach seiner Veröffentlichung im US-amerikanischen Magazin Life weltberühmt. Es kommentierte dieses und andere Fotos mit den wenig freundlichen Worten: „“Germans stopped killing others and began killing themselves.” (4)

(1) vgl. Kurt Lisso, in https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Lisso, aufgerufen am 26. Februar 2018.
(2) vgl. ebd. und Elisabeth Guhr, „Bickart, Adolf Nathan“, in Bürgerverein Gohlis 2017, S. 316f, hier S. 317.
(3) vgl. Kurt Lisso, in https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Lisso, aufgerufen am 26. Februar 2018.
(4) vgl. Life vom 14. Mai 1945; Time vom 30. April 2015. Zur „Selbstmordepidemie“ unter NS-Funktionären 1945 siehe Florian Huber: Kind, versprich mir, dass du dich erschießt. Der Untergang der kleinen Leute 1945, Berlin 2014.