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Ankommen

Zwischenbericht zur Elterninitiative „FLÜCHTLINGSFAMILIE“

Es begann mit einem einfachen Projekt: Eltern organisierten gemeinsam mit dem Hort der Erich-Kästner-Grundschule zum Kindertag im Jahre 2015 einen Flohmarkt, dessen Erlös dem Verein Pandechaion / Herberge e. V. zu Gute kam. In einem zweiten Projekt sammelten daraufhin Eltern erfolgreich mit wohlwollender Unterstützung durch die Schule für Flüchtlinge in Leipziger Sammelunterkünften dringend benötigte Dinge des täglichen Bedarfs.

Diese Erfahrungen, in Verbindung mit der Kunde von einem ersten Wohnungsprojekt für Flüchtlinge der Leipziger Pfarrersfamilie Dohrn, mündeten in ein noch größeres Hilfsprojekt der Initiative. Man fand in Gohlis im Einzugsgebiet der Grundschule eine gespendete Wohnung mit fast vollständig überlassener hochwertiger Möblierung. Diese Immobilie mietete das Sozialamt Leipzig zu Förderbedingungen an und stellte sie temporär einer vermittelten Flüchtlingsfamilie zur Verfügung. Seit dem unterstützt die Initiative die in Patenschaft genommene Familie mit Sachspenden, durch familiäre, gesundheitliche, administrative, schulische und kommunikative Hilfestellungen auf dem integrativen Weg. Sogar studentische Mentoren aus dem Wissenschaftszweig Arabistik der Universität Leipzig leisteten wertvolle Unterstützung bei der fristgerechten Anfertigung von schulischen Facharbeiten der beiden afghanischen Schülerinnen. Inzwischen betreut die Initiative zwei Flüchtlingsfamilien. In der ersten Wohnung lebt eine syrische Familie mit einem Kleinkind. Ein Kinderkrippenplatz wird soeben organisiert. Die momentanen Aussichten sind vielversprechend. Beide jungen Eltern sind beruflich sowohl im Schauspiel als auch als Filmproduzenten etabliert. Die Verständigungssprache ist Deutsch und Englisch. Die zweite Familie stammt aus Afghanistan, hat zwei hochbegabte Mädchen, die gerade die neunte Klasse einer Gohliser Mittelschule zum Teil als Klassenbesten absolvierten. Die Eltern lernen Deutsch und die beiden Töchter können  sich mehrsprachig verständigen. Eine zweite (den Förderrichtlinien der Stadt Leipzig gerechte) Wohnung im Herzen Gohlis wurde ebenfalls gefunden. Nach Klärung einiger noch offenstehenden Fragen zur Finanzierung der Wohnung zusammen mit dem Sozialamt Leipzig kann die zweite Familie hoffentlich bald aus ihrem Interimsquartier beim Herbergsverband Pandechaion e.V. aus- und umziehen.  Was haben wir persönlich und im gesellschaftlichen Maßstab gesehen von diesen wertvollen Begegnungen?
Warum machen wir das? Zum einen erfährt man fernab von öffentlichen gefilterten Nachrichten Authentisches über das anhaltende Flüchtlingsdrama, über Flüchtlingswege, Strapazen, Ausgrenzung und Kriegsverbrechen an der Menschlichkeit. Die beiden Familien haben aus unterschiedlicher Sicht heraus unvorstellbares Leid erlebt. Zum anderen offenbaren und eröffnen sich für uns Bewohner des Abendlandes aus berufenem Munde reichhaltige Informations- und Bildungsquellen über vergangene, zerstörte und nach wie vor vorhandene morgenländischen Hochkulturen.

Darum lohnt es sich einzusetzen. Durch die persönliche Patenschaft nimmt man aktiv an einem nachbarschaftlichen Familienleben Anteil. Das persönliche Netzwerk in allen Alltagsdingen muss zu Hilfe genommen, auf seine Tauglichkeit überprüft und erweitert werden. Technik, Wege, Kontakte und behördliche Erfordernisse, die uns Deutschen selbstverständlich erscheinen, werden durch das Erläutern, Vermitteln und Organisieren hinterfragt, erweitert und auf ihre Praxistauglichkeit überprüft. Wenn ein Weg nicht gleich zielführend bestritten werden kann, gilt es, neue Nebenwege zu erfinden.

Darum lohnt es sich einzusetzen. Kulturelle, gastrosophische und religiöse Besonderheiten unserer neuen Mitmenschen erweitern den eigenen Bildungshorizont und die Toleranz zu anderen Kulturen. Man lernt respektvoll und demütig einiges aus der kulturellen und religiösen Mitte einer uns bisher fremden Welt kennen. Mit steter Verbesserung des deutschen Sprachvermögens bei den beiden Patenfamilien erweitert sich die Palette der Möglichkeiten für gemeinschaftliche, freundschaftliche, familiäre, kulinarische und freizeitliche Unternehmungen. Es ist eine Freude, wenn man dabei zusieht, wie sich der selbstständige Aktionsraum der beiden Familien bei familiären, schulischen und beruflichen Aktivitäten erweitert. Es entstehen interessante kulturelle Mischformen im Alltag.

Darum lohnt es sich einzusetzen!  Die Eltern­initiative der Erich-Kästner-Grundschule in Gohlis arbeitet mit der Initiative Weltoffenes Gohlis, dem Bürgervereins Gohlis e. V., mit der Plattform Flüchtlingswohnungen der Pfarrersfamilie Andreas Dohrn, mit dem Magistralenmanagement in der Georg-Schumann-Straße, dem Verein Pandechaion/Herberge e.V., mit in Gohlis ansässigen Wohnungseigentümern und einer renommierten Bauträgergesellschaft zusammen. Wer sich an diesem Unterfangen konstruktiv beteiligen möchte, ist herzlich willkommen und kann sich unter der E-Mail-Adresse fluechtlingshilfe@gohlis.info melden.

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