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Von der Ladentheke ins Varieté: Max Laube – ein Gohliser Original

von Harald Pfeifer

Vor 25 Jahren tauchte er eines Tages in der Leipziger Szene auf und war da. Max Laube. Sein Gesicht mit Schnauzer und Brille konnte man sich merken, er war freundlich und hatte immer einen flotten Spruch parat. Sein Markenzeichen ist der Smoking. Wohlgemerkt, der müsse passen, sagt er, und auch die Accessoires müssten stilecht sein. Silberne Manschettenknöpfe, keine Armbanduhr, stattdessen eine silberne Taschenuhr. So kann man ihm auch heute noch Abend für Abend im Krystallpalast begegnen. Er strahlt gute Laune aus und ist ein Sinnbild für Seriosität.

Der Laden als Bühne
1954 wurde der freundliche Herr mit Stil in Leipzig geboren. Seit 1980 lebt er in Gohlis. Beruflich ist Max Laube seinen beiden Großvätern gefolgt. Der eine hatte ein Lebensmittelgeschäft, der andere war Elektromechaniker. Diesen Beruf hatte er auch gelernt, aber 1981 schließlich doch einen Lebensmittelladen eröffnet. Denn da war die Versorgung seinerzeit deutlich besser als beim Elektrozubehör. Laubes Laden befand sich an der Gohliser, Ecke Menckestraße, dort, wo heute der Bäcker Wendl verkauft. Lebensmittel aller Art und Feinkost waren in Laubes Laden sorgfältig und eindrucksvoll angeordnet und drapiert. Erwähnt werden muss unbedingt sein vielgelobter Fleischsalat.
Max Laube war nie ein Freund des allgemein Üblichen. „Ich habe immer versucht, mich von der Masse abzuheben“, sagt er, und das fiel in den kollektivorientierten Zeiten der DDR schon auf. Seine Waren verkaufte er beispielsweise stets im blütenweißen Kittel. Die Ladentheke war für ihn eine Bühne. Dort stand er im Mittelpunkt.

Wechsel zum Varieté
So gesehen kam 1994 der Wechsel zum Varieté nicht überraschend. „Ich hatte immer ein Faible für die zwanziger Jahre. Und dann lernte ich Katrin Tröndle kennen.“ Die hatte zu jener Zeit in einem Flachbau am Sachsenplatz ein Zwanziger-Jahre-Programm auf die Bühne gebracht und suchte jemanden, der stilgerecht die Gäste empfing und Eintrittskarten abriss.

Empfangs-Chef im Krystallpalast
Dafür kaufte sich Max Laube seinen ersten Smoking. Im Grunde war sein „Auftritt“ nur für einen Abend gedacht, doch daraus wurden 25 Jahre. Im 1997 gegründeten Krystallpalast Varieté in der Magazingasse ist Laube tätig als Maître de Plaisir, als Fachmann für gute Laune. Er empfängt die Gäste, geleitet sie zu ihrem Platz und verabschiedet sie nach der Vorstellung. Mitunter, wenn es sich ergibt, steht er auch mit einem kleinen Gag auf der Bühne.
Max Laube hat seine Bestimmung gefunden. Im Varieté fühlt er sich wohl. „Das ist wie eine Familie“, sagt er. „Die Künstler kommen aus den verschiedensten Ländern. Und vertragen sich alle. Im Kleinen funktioniert das immer.“ Zunächst war der Krystallpalast Laubes Feierabend-Beschäftigung. „18.30 Uhr habe ich meinen Laden abgeschlossen und bin ins Varieté geeilt.“ Das war sein Alltag, tagsüber im weißen Kittel und am Abend im edlen Zwirn. Bis 2001, dann hat er den Laden aufgegeben.

Schellack-Sammler und Gästeführer
Laube hatte sich auf Wein spezialisiert. Bis 1996 gingen die Geschäfte gut, erinnert er sich. „Dann kauften die Leute zunehmend in den Großmärkten und nicht mehr bei mir. Und die Weine bezogen sie direkt vom Winzer. Von da an habe ich dann ausschließlich beim Varieté gearbeitet“. Das war zwar nur ein Halbtagsjob, doch kamen Nebeneinnahmen hinzu. So legte er bei Zwanziger-Jahre-Partys seine Schellackplatten auf. „Ich hab die schon als Kind geliebt. Meine Großeltern hatten ein Grammophon. Ich hatte ein paar Platten, später habe ich dann systematisch gesammelt.“ Außerdem führt Laube als Schaffner im historischen Straßenbahnwagen Gäste durch Leipzig und unterhält einen Veranstaltungsservice.

Modeln strengt an
Mit Schnauzbart, Fliege und Smoking posierte er für das großformatige Plakat einer Wohnungsbaugesellschaft. Seither ist Max Laube quasi eine öffentliche Person. Das Modellstehen war allerdings ziemlich anstrengend. „Mit der Schminkerei ging es los, dann kam eine Dame mit Stecknadeln, die alle Falten am Smoking verschwinden ließ, dann wird man ausgeleuchtet und immer muss man lächeln… nach einer halben Stunde tut dir das ganze Gesicht weh. Du kannst nicht mehr. Aber es geht weiter. Dann passt das Licht nicht, und du musst noch mal ran. Drei Stunden hat der Fototermin gedauert!“

Gärtnern in Radefeld, Wohnen in Gohlis
Mittlerweile ist für Max Laube die Rente in Sicht, aber an Ruhestand ist bei ihm nicht zu denken. Zu viele Eisen hat er im Feuer. Und da ist auch noch sein Garten in Radefeld, wo er sich nicht nur im Sommer oft aufhält. „Im Winter fahre ich jeden Tag raus, um die Vögel zu füttern.“
Seit fast vier Jahrzehnten ist Laube Gohliser und will es bleiben. „Ich liebe an Gohlis diese gewisse Vornehmheit. Ich würde nie woanders hinziehen. Das hat was. Das Rosental in der Nähe…“ Mehr kann man nicht wollen. Max Laube ist ein zufriedener Mensch.