Buchlesung mit Luo Lingyuan im Schillerhaus in Gohlis (Nachlese)

Am 4.07.2026 um 15 Uhr fand auf dem Innenhof des Schillerhauses in Gohlis eine Lesung der chinesischen Schriftstellerin Luo Lingyuan statt. Dazu eingeladen hatte der Bürgerverein Gohlis und die Zweigestelle des städtischen Museums im Schillerhaus.
Luo Lingyuan, 1963 geboren, verließ China 1989, im Jahr des Massakers auf dem Tiananmen-Platz, aus privaten Gründen. Die ausgebildete Journalistin und Computerwissenschafterin jobbte zunächst als Zimmermädchen und Reiseleiterin in Berlin. In zahlreiche
Romanen und Erzählungen schreibt sie über Menschen, die zwischen Ost und West zerrissen sind, sowie über Gewalt und die vermeintliche Allverfügbarkeit des weiblichen Körpers.
Zur besagten Veranstaltung las die auf Deutsch publizierende Schriftstellerin aus ihrem aktuellen Buch „Kinder der roten Erde“. Die Handlung des Buches setzt 1952 ein, knapp drei Jahre nach der Gründung der Volksrepublik China. Schauplatz ist die Provinz Jiangxi in Zentralchina. Die junge Sina sitzt am Fluss und weint, während in den Reisfeldern „die kleinen Setzlinge wie grüne Sterne im Wasser“ stehen. Ihr Vater, ein erfolgreicher Kleinunternehmer, wurde als „Volksfeind“ enteignet und ist untergetaucht. Ihrer Mutter, einer Frau noch mit eingebundenen Füssen, verweigert man im Gefängnis die Nahrung. Sina entkommt dem sicheren Hungertod nur, weil eine pädagogische Hochschule ihre Bewerbung annimmt.
Der Lesung folgte eine Lebhafte Fragerunde. Die ca. 16 Zuhörer stellten vor allem viele Fragen zur aktuellen Lage in China, die Luo Lingyuan kompetent beantworten konnte, nicht zuletzt deshalb, da sie gerade von einem Heimatbesuch zurückgekommen war.
Im Anschluss an die Lesung konnte man Bücher der Autorin kaufen. Sie hatte ca. 10 Titel im Gepäck.
von Dr. Uwe Maaß
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