Hans Kroch

Hans Krochs Name ist auf mehrfache Weise mit unserem Stadtteil verbunden: durch den Bau der im Volksmund bald nach ihm benannten Krochsiedlung und die ebenfalls nach ihm benannten Hans-Kroch-Schule, die Grundschule am Jörgen-Schmidtchen-Weg in Gohlis-Nord (nahe der Siedlung).
Hans Kroch wurde am 3. Juni 1887 in Leipzig geboren. Er war das dritte von acht Kindern des Kaufmanns und Bankiers Samuel Kroch (1853– 1926) und seiner Ehefrau Hermine geb. Risch (1857–1929). Gewohnt haben die Krochs in der Sebastian-Bach-Straße 53. Die noch heute existierende „Villa Gebhardt“ gehört aktuell zur Seniorenresidenz „Stadtvilla. Schließlich gemahnt ein Stolperstein an das düstere Kapitel der Familiengeschichte: „Ella kroch, geb. Baruch, ermordet am 12.5.1942“ steht darauf zu lesen.
Die umbenannte 75. Grundschule trägt seit dem 1. August 2012 offiziell den Namen Hans-Kroch-Schule – Grundschule der Stadt Leipzig. Der Namenswechsel erfolgte auf Beschluss der Leipziger Ratsversammlung, um den Stifter der benachbarten Krochsiedlung und verdienten Leipziger Bürger direkt im Stadtteil Gohlis zu ehren.
Außerhalb von Gohlis sind weitere Spuren von Hans Kroch zu finden: das Krochhochhaus am Augustusplatz und die Brodyer Synagoge in der Keilstraße. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1926 betrieb Hans Kroch den Neubau des Bankhauses Kroch jr. KG a. A. als erstem Hochhaus in Stahlbetonbauweise in Leipzig mit den Glockenmännern auf dem Dach (Bauzeit 1927/28, Architekt German Bestelmeyer).
Heute befindet sich das Gebäude im Eigentum der Stadt Leipzig und beherbergt seit 2009 das Ägyptologische Institut, das Altorientalische Institut mit einer Bibliothek sowie das Spracheninstitut der Universität Leipzig. Seit Juni 2010 beherbergt das Gebäude auch das Ägyptische Museum der Stadt Leipzig. Herausragendes Kennzeichen des Hochhauses war und ist der Uhrenturm, der bewusst Anklänge an den Uhrenturm auf dem Markusplatz in Venedig nahm. Der Vater von Hans Kroch gehörte zu den Gründern der Brodyer Synagoge in der Keilstraße. Hans Kroch förderte sie weiterhin nach dem Tod seines Vaters. Heute ist sie die letzte aktive Synagoge in Leipzig.
Eine Büste von Hans Kroch ist in Leipzig zu entdecken: an der Frontseite des Endes der Zwanzigerjahre von Alfred Liebig errichteten Messehauses Petershof. Dort ist sie an der Fassade angebracht in einer Reihe mit sechs anderen verdienstvollen Leipziger Bürgern. Neben Alfred Liebig selbst sind das der Messedirektor Raimund Köhler, der Bankier und Oberbürgermeister Karl-Rothe, der Kommerzienrat Felix Geissler, der Baudirektor Ludwig Fraustadt und der Messevorstand Edgar Hoffmann Im Zuge der „Arisierung“ deutscher Unternehmen durch die Nationalsozialisten wurde der einer jüdischen Familie angehörende Hans Kroch am 10. November 1938 nach der Pogromnacht verhaftet und wie sein Bruder Kurt Kroch ins KZ Buchenwald, später Sachsenhausen verschleppt. Nach der Enteignung durch die Nazis floh Hans Kroch 1939 mit seinen Kindern nach Amsterdam und später nach Argentinien. Seine Frau wurde beim Versuch, ihnen zu folgen verhaftet. Im Mai 1940 wurde sie in das KZ Ravensbrück gebracht und 1942 in der Tötungsanstalt in Bernburg umgebracht. Am 7. Februar 1970 starb Hans Kroch in Jerusalem.
von Dr. Uwe Maaß
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