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Malerische Fotografie · Rheinromantik

Bernd Heyne präsentiert zur Nacht der Kunst künstlerisch bearbeitete Fotografien zur Rheinromantik und verknüpft dabei persönliche Wege mit Leipzig.

Bernd Heyne präsentiert zur Nacht der Kunst künstlerisch bearbeitete Fotografien zur Rheinromantik und verknüpft dabei persönliche Wege mit Leipzig.
Bernd Heyne Nacht der Kunst

Als die auch von Leipzig ausgehende »Friedliche Revolution« mit der Wiedervereinigung Deutschlands endete, wurde wahr, was der Kabarettist Jürgen Hart in seinem Lied schon zur DDR-Zeit um 1979/80 besungen hatte: »Der Sachse liebt das Reisen sehr«. Jürgen Hart besuchte ein Schuljahr über mir die Erweiterte Geschwister-Scholl-Oberschule in Auerbach/Vogtland. Als er das Lied sang, beherbergte mich die Gohliser Olbricht-Kaserne für ein winterliches Vierteljahr zum Reservistendienst. Ich stand im 36. Lebensjahr, hatte Frau und zwei Kinder. Unsere in Leipzig 1970 geborene Tochter fand nach ihrem Pädagogikstudium (Deutsch/Musik) in ihrer Heimat keine Anstellung und landete auf Umwegen in Biebrich bei Wiesbaden, lehrt heute in Eltville im Rheingau.
So ist es nicht verwunderlich, dass ihren Eltern diese Gegend, bei Besuchen durchwandernd, immer vertrauter wurde. So lag es auch nahe, die dabei im Laufe der Jahre entstandenen Fotos, »malerisch bearbeitet«, anlässlich einer »Nacht der Kunst« zu zeigen.

In Frankfurt am Main wurde Johann Wolfgang von Goethe geboren, der später bis an sein Lebensende in Weimar, der Geburtsstadt meiner Frau, lebte und mit mir am gleichen Tag Geburtstag feiert. In der Schule wußte ich so stets den Tag, weniger aber das Jahr zu nennen. Es fanden sich in dieser mir erst in der 2. Hälfte meines Lebens persönlich erfahrbar gewordenen Gegend viele Spuren, die mit Goethe, Weimar und Leipzig in Verbindung gebracht werden konnten. So dessen Rheinreise 1814 mit dem Besuch der Rochuskapelle bei Bingen, die das von ihm angeregte und 1816 entstandene Ölbild »Der heilige Rochus« der Weimarer Malerin Louise Seidler beherbergt. Das im gleichen Jahr 1814 erwanderte Schloss Johannisberg mag der Dichter ebenso wie ich weinselig wieder verlassen haben. Am 8. August 1814 schrieb Goethe an seine Frau Christiane von seinem Besuch im Schloss Biebrich: »Gestern war ich in Biebrich zur Tafel. Die Herrschaften sehr gnädig und freundlich. Der Gesellschaftssaal eine Galerie, man sieht an einer Seite den Rhein, an der anderen Seite den Lustgarten. Es ist völlig ein Märchen…«. Am Ende der Biebricher Rheinpromenade brachte mir eine Tafel mit dem Text in goldenen Lettern den Bezug zu Leipzig: »In diesem Landhause schuf Richard Wagner im Jahre 1862 seine Meistersinger«. In Kiedrich entdeckte ich im Original das Motiv eines Aquarells des unglücklich jung in Rom im Fluß Tiber ertrunkenen Carl Philipp Fohr (1795-1818): »Die Totenkapelle in Kiedrich« (1814). Leipzig als Austragungsort der »Völkerschlacht« mit der mitten im Rhein befindlichen Zollstation in Caub in Verbindung zu bringen, fiel mir nicht schwer: Eine monumentartige Tafel berichtet: »Im Jahre des Heils 1813 am 31. December um Mitternacht, zog siegreich an dieser Stelle Fuerst Bluecher von Wahlstadt, Feldmarschall, genannt Vorwaerts, mit seinen Tapfern ueber den Rhein zur Wiedergeburt des deutschen Vaterlandes.«. Die vielbesungene »Loreley« aber war mir seit der Schulzeit geläufig: Im kalten Krieg der 50er Jahre hatte man auf ostdeutscher Seite die vorbereitete Sprengung des Felsens im Falle eines Atomkrieges kritisiert. Dass es letztendlich nicht dazu kam, gilt es zu feiern, wird mir auch an diesem ersten September-Wochenende des Jahres 2026 ein Glas (vielleicht Rhein-)Wein die lange »Nacht der Kunst« beschließen. Meinen Gastgebern sei gedankt.

von Bernd Heyne

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