Gohliser Villenspaziergänge: Friedensstraße 9

Mit der Serie „Gohliser Villenspaziergänge“ wollen wir dem geneigten Leser ausgewähltes Fotomaterial nahebringen, das unser Fotograf, Jürgen Milnik, im Laufe der letzten 2 Jahre erstellt hat. Im Zuge des Aufrufes zum Projekt „Villen in Gohlis“ hatten sich viele Bewohner und Eigentümer von Gohliser Villen bereit erklärt, dass der Bürgerverein Fotos ihrer Domizile von außen und manchmal sogar von innen aufnehmen darf. Nach Abschluss der Serie soll eine gesonderte Publikation in Buchform dazu erscheinen.
Die Villa in der Friedensstraße 9 gehört zu den besonderen historischen Wohnhäusern in Gohlis. Sie zeigt bis heute, wie wohlhabende Leipziger Familien im 19. Jahrhundert lebten und bauten. Am 20. Juli 1872 beantragte Friedrich Ludwig Eduard Mackenthun den Bau eines neuen Wohnhauses auf seinem Grundstück in Gohlis, das damals noch an der Antonstraße lag. Die Pläne stammten vom Gohliser Maurermeister C. F. Heintze. Zwei Jahre später, am 10. Juli 1874, war die Villa fertiggestellt.
Eduard Mackenthun war ein erfolgreicher Leipziger Kaufmann. Seine Firma Mackenthun & Co. handelte im großen Stil mit Band- und Seidenwaren und hatte ihren Sitz am Leipziger Markt. Die Villa mit ihrem weitläufigen Garten wurde über viele Jahrzehnte zum Zuhause der Familie Mackenthun. Schon von außen zeigt die Villa ihren besonderen Charakter. Ihre Wirkung entstand nicht nur durch das Gebäude selbst, sondern auch durch das Grundstück, den Garten und die frühere Lage an der Bahnlinie. Haus und Garten waren eng aufeinander abgestimmt und sollten gemeinsam einen repräsentativen Eindruck vermitteln.
- Die verputzten Fassaden sehen durch feine Linien und ihre Farbgebung fast so aus, als wären sie vollständig mit Sandstein verkleidet.
- Verzierungen aus Stuck, feine Gesimse, Figuren und besondere Dachaufbauten geben dem Haus eine elegante, aber nicht überladene Wirkung.
- Auch von außen lässt sich erkennen, wie die Räume im Inneren angeordnet waren.
Im Erdgeschoss lagen die wichtigsten Wohn- und Gesellschaftsräume auf der Gartenseite. Dort empfing die Familie Gäste, speiste gemeinsam und nutzte die Räume für das gesellschaftliche Leben. Zum Speisezimmer kamen ein großer Saal und ein Verandazimmer hinzu. Dieses war mit dem Herrenzimmer an der Friedensstraße verbunden.
Im Obergeschoss lagen die privateren Räume der Familie. Zur Gartenseite befanden sich das Morgenzimmer und das Schlafzimmer. Außerdem gab es dort unter anderem ein Kinderzimmer und ein Zimmer für die Gouvernante, die für die Erziehung und Betreuung der Kinder zuständig war. Der Garten war ein wichtiger Teil der Gesamtwirkung. Besonders an den Straßenseiten sollte er das Haus schmücken und seine Architektur hervorheben. Die Bepflanzung rahmte die Villa und schuf zugleich eine grüne Kulisse. An der Eingangsseite standen Zierapfelbäume, die bewusst auf die Felder des Zauns abgestimmt waren.
Nach vielen Jahren des Verfalls wurde das Haus 2012 umfassend saniert. Auch der Garten konnte in großen Teilen wiederhergestellt werden. Für die Nachfahren des Erbauers Eduard Mackenthun, die die Sanierung mit großem Interesse verfolgten, ist der Erhalt der Villa ein besonderer Glücksfall. Heute zeigt das Haus wieder seine historische Ausstrahlung und ist zugleich ein lebendiger Ort geblieben.
von Dr. Uwe Maaß
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