Tran Huu Man

Ein sächsisches Hotel mit Vietnamesischer Küche
Mit dem Hôtel de Saxe in der Gohliser Straße 25 ist in Gohlis ein traditionsreicher Ort verbunden. Doch im Mittelpunkt dieses Unternehmerporträts steht nicht in erster Linie das Haus, sondern der Mensch, der es heute gemeinsam mit seiner Familie prägt. Duc Thanh Tran hilft seit 2015 dabei, den Hotel- und Restaurantbetrieb zu führen. Inhaber des Restaurants ist sein Onkel Huu Man Tran, mit dem er das Haus gemeinsam weiterentwickelt hat. In dieser Zeit wurde nicht nur ein Gebäude Schritt für Schritt verändert, sondern auch eine berufliche Aufgabe zu seiner eigenen, die für ihn anfangs keineswegs selbstverständlich war.
Geboren wurde Duc Thanh Tran 1985 in Vietnam. Als Kind kam er nach Berlin, wuchs dort auf, ging zur Schule und studierte später Betriebswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität. Dass sein beruflicher Weg einmal in die Gastronomie und Hotellerie führen würde, war zunächst nicht vorgezeichnet. Zwar hatte die Familie in Berlin bereits jahrzehntelang gastronomische Erfahrung gesammelt, doch er selbst war in jungen Jahren nicht eng in diesen Bereich eingebunden. Die Eltern legten Wert darauf, dass er sich auf die Schule konzentrierte. Erst als sich 2015 die Gelegenheit ergab, das Haus in Gohlis zu übernehmen, wurde aus dieser Möglichkeit ein gemeinsames Familienprojekt.
Gerade das scheint rückblickend entscheidend gewesen zu sein. Denn das Hôtel de Saxe wurde nicht einfach übernommen und fortgeführt, sondern über Jahre hinweg Schritt für Schritt neu gestaltet. Das Erdgeschoss wurde umgebaut, der Restaurantbereich erneuert, die Hotelzimmer renoviert. Lange Zeit lief neben dem normalen Betrieb immer auch ein Bau- oder Renovierungsprojekt mit. Dass diese Phase nun weitgehend abgeschlossen ist, bedeutet für ihn auch persönlich eine spürbare Entlastung. Heute könne er, so sagt er sinngemäß, stärker genießen, dass das, was die Familie vor Jahren nur als Bild im Kopf hatte, inzwischen Wirklichkeit geworden ist.
Wer mit ihm spricht, merkt schnell, dass er das Haus nicht als bloßes Unternehmen versteht. Er spricht vom Familienbetrieb und meint das im umfassenden Sinn. Die Eltern helfen bis heute mit, kaufen Zutaten ein und bringen teils sogar Waren aus Berlin mit. Insgesamt arbeiten etwas über zwanzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb, einige davon schon seit vielen Jahren. Es geht ihm nicht nur um Abläufe und Zahlen, sondern auch um Verlässlichkeit, Zusammenarbeit und den persönlichen Umgang mit Gästen und Beschäftigten.
Auch die Küche trägt diese Handschrift. Angeboten werden vor allem vietnamesische und japanische Gerichte, bewusst mit kompakter Karte und dem Anspruch, möglichst frisch zu arbeiten. Wichtig ist ihm dabei nicht nur Qualität, sondern auch Bezahlbarkeit. Man spürt, dass er den Blick des Gastes mitdenkt und kein Haus führen möchte, das Distanz erzeugt, sondern eines, das offen und zugänglich bleibt.
Inzwischen lebt Duc Thanh Tran mit seiner Familie selbst in Gohlis, das größere Kind geht hier in die Kita. Das Viertel ist für ihn also nicht nur Arbeitsort, sondern Lebensmittelpunkt geworden. Er beschreibt Gohlis als friedlich und angenehm und genau dieser Eindruck passt auch zu seiner Art, über das eigene Haus zu sprechen. Ruhig, sachlich und ohne große Geste. Das Hôtel de Saxe selbst trägt seit 1994 den Namen eines historischen Leipziger Hotels, das ursprünglich in der Innenstadt lag und auf eine bis ins Jahr 1213 reichende Geschichte zurückgeht. Doch in Gohlis ist daraus längst etwas Eigenes geworden. Nicht zuletzt durch einen Unternehmer, der seinen Weg in diese Aufgabe eher gefunden als geplant hat.
https://www.hotel-de-saxe.de/
https://la-che.de/
von Ron Kuhwede
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