Thomas Bötig
In ihm schlagen zwei Herzen: das eines Unternehmers und das eines Künstlers. Thomas Bötig ist geschäftsführender Inhaber von Sachsen-Case, Sänger und Pianist der Piano-Man-Band. Seine Geschichte begann im Juni 1965, als er in Plagwitz das Licht der Welt erblickte. Sein Vater Gerhard Fritsch wirkte als Musiker und Komödiant (Monsieur Malheur) und stammt aus Gohlis, ein Detail, das später noch eine Rolle spielen wird.
Bereits mit sechs Jahren begann er Klavier zu spielen; seine Eltern förderten sein Talent durch Unterricht in Klavier und Gesang. Ab 1987 fand der Leipziger seinen Platz als Keyboarder in einer Rockband. 1990 erkannte er eine Lücke: Musiker transportierten ihre Instrumente in Koffern oder Pappkisten, während Profi-Bands längst auf stabile Flightcases setzten. „Die Musiker hatten alle nur Koffer mit einem Gürtel drum oder Pappkisten. Da musste ich jetzt mal was machen. Ich kannte das ja von Profi-Bands wie Silly oder Zoe. Die hatten richtige Cases, und da habe ich dann angefangen.“
Der Start verlief alles andere als reibungslos. Bötig bestellte Material für 2.500 Mark, dann kam die Währungsunion. Aus 2.500 Mark wurden wegen Umsatzsteuer und Mindermengenzuschlägen 7.000 DM, von 30 Bestellungen blieben zwei übrig. Er baute trotzdem weiter, zunächst in der Garage, dann mit gemieteter Werkstatt und einer gebrauchten Plattensäge. „Ich habe für schlechte Zeiten eine Firma gegründet. Und dann waren die Zeiten schlecht und aus dem Hamsterrad wieder rauszukommen ist schwierig.“ Heute zählen Musiker, Mittelständler und auch große Unternehmen wie Airbus, DHL und Bundeswehr zu seinen Kunden. Überall dort, wo hochwertige Ausrüstung sicher verpackt oder transportiert werden muss, entwickelt Bötig mit seinem vierköpfigen Team individuelle, maßgeschneiderte Lösungen. Produziert wird auf seinem großen Grundstück in der Wiederitzscher Straße in Gohlis, ein Gelände, das er 2008 erwarb und auf dem er auch lebt. Dass er ausgerechnet in Gohlis landete, war zunächst Zufall. Dass er blieb, fühlt sich im Nachhinein fast zwangsläufig an: Sein Vater hatte jahrzehntelang in eben diesem Viertel gewohnt. Manchmal schließen sich Kreise.
Musiker sind auf dem Grundstück häufig gesehene Gäste, denn Bötig stellt seinen Proberaum auch anderen Kreativen zur Verfügung. Er selbst ist dabei sein bester Kunde: Hier probt die Piano-Man-Band, sein 2019 gegründetes Musikprojekt. Mit wandelbar markanter Stimme präsentiert der Pianist und Sänger die meist authentischen Geschichten von Billy Joel, begleitet von acht Musikerinnen und Musikern. Was die Show von anderen Tribute-Produktionen unterscheidet: Bötig bindet bei jedem Konzert einen regionalen Chor ein. Kein Zufall, sondern Konzept, denn viele Songs von Billy Joel tragen im Original einen Chor. Jede Show klingt dadurch ein bisschen anders. Die Noten bleiben dieselben, die Energie wandelt. Dass Bötig heute selbst Veranstalter, Manager und Produzent ist und das gesamte finanzielle Risiko trägt, ist auch das Ergebnis einer schmerzhaften Erfahrung. Ein früheres Management hatte Einnahmen abgezweigt, Musiker kaum bezahlt, die Technik abgezogen. Bötig baute das Projekt danach alleine neu auf, mit eigenem Equipment, eigenen Kontakten, eigenem Kapital. „Ich habe noch nicht eine Mark mit dem Projekt verdient. Ich lebe von meiner Firma, aber in dieser Musik steckt die Liebe. “Meine Frau ist die größte Unterstützung, die ich je hatte.“ Sein nächstes großes Ziel ist ein Auftritt im Admiralspalast Berlin. Dass auf dem Weg dorthin noch einiges schiefgehen kann, weiß er. Dass es ihn aufhalten wird, glaubt er nicht. „Bei mir gibt es eigentlich selten schlechte Tage. Ein Problem ist dazu da, dass es gelöst wird.“ Es sind eben diese zwei Herzen, die in Thomas Bötig schlagen und die ihn antreiben: das des Unternehmers, der kalkuliert und trägt, und das des Künstlers, der liebt, was er tut.
https://www.sachsen-case.de/
von Ron Kuhwede
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