offener Brief an die Stadtratsfraktionen zur Sanierung der Georg-Schumann-Straße

Der Vorstand des Bürgerverein Gohlis e. V. hat sich mit einen offenen Brief an die Stadtratsfraktionen in Leipzig gewandt. Ausgangspunkt war der kurzfristig eingereichte Änderungsantrag der CDU-Fraktion zum Bau- und Finanzierungsbeschluss Georg-Schumann-Straße (Böhmestraße bis Chausseehaus)
Verlässlichkeit von Diskussionsprozessen wahren – Für einen zukunftsfähigen Ausbau der Georg-Schumann-Straße (Böhmestraße bis Chausseehaus)
Sehr geehrte Damen und Herren Stadträtinnen und Stadträte,
am 02./03. September entscheiden Sie über den Bau- und Finanzierungsbeschluss für die Neugestaltung der Georg-Schumann-Straße zwischen Böhmestraße und Chausseehaus. Wir appellieren an Sie, der Vorlage der Verwaltung zuzustimmen und den vorliegenden Änderungsantrag der CDU-Fraktion abzulehnen.
Der vorliegende Beschlussentwurf basiert auf einem gründlichen, mehrstufigen Planungsprozess, der 2022 abgeschlossen wurde und an dem sich die Bürgerschaft sowie örtliche Akteure intensiv beteiligt haben. Dass nun kurz vor dem finalen Beschluss – Jahre nach Abschluss des Diskussionsprozess – ein Antrag eingebracht wird, der diesen hart erarbeiteten Grundkompromiss aushebeln möchte, halten wir für das falsche Signal. Ein solches Vorgehen entwertet die investierte Zeit und das Engagement vieler Menschen vor Ort.
Als Vertreter des Stadtteils betonen wir ausdrücklich: Wir stellen uns keineswegs gegen die Belange des Autoverkehrs oder des lokalen Gewerbes. Wir sehen die Notwendigkeit von Stellplätzen für Kundinnen, Kunden und Anwohner. Genau deshalb haben wir uns bereits 2021 gegen die reine ÖPNV-Variante 1 (mit nur 6 Parkplätzen) und für die ausgewogene Variante 2 ausgesprochen.
Ein Blick auf die Geschichte der Straße rückt die aktuelle Debatte in ein realistisches Licht: Bis zum Jahr 2011 existierten in diesem Straßenabschnitt aufgrund der damaligen Vierspurigkeit überhaupt keine Parkplätze. Die 2012 neu geschaffenen Stellflächen waren in den ersten Jahren völlig unterausgelastet. Wenn nun behauptet wird, eine Begrünung schädige das Gewerbe, ignoriert dies die Fakten: Mit künftig 23 strukturierten Längsparkstreifen, klar ausgewiesenen Lieferzonen sowie den Kapazitäten in den direkt angrenzenden Seitenstraßen stehen auch weiterhin deutlich mehr Parkmöglichkeiten zur Verfügung als in den Jahrzehnten vor 2012. Einen unumstößlichen „Historischen Bestandsschutz“ auf dem Höchststand von 2012 einzufordern, greift stadtplanerisch zu kurz.
Wer angesichts der klimatischen Herausforderungen Straßenräume weiterhin wie vor 50 Jahren planen und auf 46 schattenspendende Bäume verzichten will, gefährdet die Zukunft und Aufenthaltsqualität der Magistrale. Die Vorlage der Verwaltung schafft einen ausgewogenen Mix aus Verkehrsfluss, Parkmöglichkeiten, ÖPNV-Stärkung, sicheren Rad- und Gehwegen sowie dringend benötigter Begrünung.
Wir bitten Sie daher eindringlich: Stehen Sie zur Verlässlichkeit von Diskussionsprozessen und Entscheidungen und stimmen Sie für die zukunftsfähige Vorlage der Verwaltung.

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