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Wie weiter mit dem Kultur- und Kreativstandort in der Lindenthaler Straße 61-65

Der Bürgerverein Gohlis zieht eine kritische Bilanz zur Entwicklung des Kultur- und Kreativstandorts in der Lindenthaler Straße 61–65.

Der Bürgerverein Gohlis zieht eine kritische Bilanz zur Entwicklung des Kultur- und Kreativstandorts in der Lindenthaler Straße 61–65.
Kreativstandort Lindenthaler Straße Gohlis

Als Bürgerverein setzen wir uns nachdrücklich für eine positive, nachhaltige und bürgernahe Stadtteilentwicklung in Gohlis ein. Die Umnutzung der Liegenschaft in der Lindenthaler Straße 61-65 bot aus unserer Sicht eine enorme Chance, unseren Stadtteil kulturell aufzuwerten und der akuten Raumnot in der Kreativwirtschaft zu begegnen. Mit Blick auf die vergangenen Jahre und die aktuelle Situation ziehen wir nachfolgend Bilanz.

In Leipzig und speziell in attraktiven Wohnlagen wie Gohlis wuchs seit 2015 der Mangel an bezahlbaren Arbeitsräumen, Ateliers und Freiräumen für die Kultur- und Kreativwirtschaft zusehends. Um diesen Leerstand zu beenden, fasste die Ratsversammlung Ende 2018 den Beschluss, das Objekt in der Lindenthaler Straße für die Kultur- und Kreativwirtschaft zu öffnen. Ziel war es, bezahlbare Arbeits- und Atelierräume zu schaffen und so einen neuen kreativen Knotenpunkt in Gohlis zu etablieren.

Zwei Instrumente waren dabei für den nachhaltigen Erfolg zentral:

  • Netzwerk und Betreuung: Ein eingemieteter Verein aus dem künstlerischen Bereich sollte als direkter Ansprechpartner vor Ort fungieren, um das Objekt gemeinschaftlich zu beleben. Zudem wurde der LGH eine inhaltlich-konzeptionelle Unterstützung durch das städtische Kulturamt zugesichert.
  • Langfristige Sicherung: Es sollte ein tragfähiges Anschlusskonzept für den Betrieb als Standort für Kunst- und Kreativschaffende ab 2029 erarbeitet und vorgelegt werden.

Bilanz: Verwaltet statt entwickelt – Eine verpasste Chance für Gohlis

Die grundlegende Idee, das Areal für die Kultur- und Kreativwirtschaft zu öffnen, wurde vom uns als Bürgerverein ausdrücklich begrüßt. Eine echte Einbindung der Nachbarschaft und eine nachhaltige Stärkung des Stadtteils erfordern jedoch mehr als nur die reine Bereitstellung von Flächen. Genau hier müssen wir als Bürgerverein mit großem Unverständnis feststellen, dass die Stadt Leipzig ihre eigenen Beschlüsse und Versprechen nicht erfüllt und die Entwicklung des Zentrums damit selbst massiv behindert hat.

Die versprochene inhaltliche und konzeptionelle Betreuung vor Ort fand nicht in dem Maße statt, wie es für ein funktionierendes soziokulturelles Zentrum nötig gewesen wäre. Statt den Standort konzeptionell zu entwickeln, Synergien mit dem Stadtteil zu schaffen und die Bürgerinnen und Bürger aktiv mitzunehmen, wurde die Liegenschaft de facto nur administrativ verwaltet.

Besonders eklatant ist das völlige Versagen bei der langfristigen Perspektive. Das dringend notwendige Anschlusskonzept, das Planungssicherheit schaffen sollte, wurde von der Stadtverwaltung zunächst auf 2022 und später auf das zweite Quartal 2024 verschoben. Bis zum heutigen Tag liegt der Stadtgesellschaft kein tragfähiges Konzept vor.

Die Konsequenz dieses städtischen Handelns ist fatal: Das Projekt steuert aktuell konzeptionslos in eine völlig unsichere Zukunft. Ohne ein starkes, inhaltlich fundiertes und politisch abgestütztes Konzept gibt es für die Stadt de facto keinen Handlungs- und Verhandlungsspielraum gegenüber dem Immobilienbesitzer, um den Standort über das Ende des Hauptmietvertrags 2029 oder perspektivisch bis 2035 hinaus zu sichern.

Unser Fazit: Die Stadtverwaltung hat eine große stadtentwicklungspolitische Chance für Gohlis liegengeschossen. Anstatt ein lebendiges, in den Stadtteil strahlendes Kultur- und Kreativzentrum zu formen, droht das Projekt an konzeptioneller Stagnation und administrativer Verwaltungslosigkeit zu scheitern.

von Tino Bucksch

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