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Thomas Gatzemeier

Thomas Gatzemeier verbindet Kunst, Galerie und Verlag in Leipzig. Ein Porträt über „Soll und Haben“, seine Arbeit und seinen Werdegang.

Thomas Gatzemeier verbindet Kunst, Galerie und Verlag in Leipzig. Ein Porträt über „Soll und Haben“, seine Arbeit und seinen Werdegang.
Thomas Gatzemeier Galerie @Ron Kuhwede

Unternehmerporträt – Thomas Gatzemeier

Ein Leben in Soll und Haben

Eigentlich wollte Thomas Gatzemeier hier nur malen. Doch als er 2020 von Karlsruhe nach Leipzig zurückkehrte und die Räume im Haus seiner Familie sah, wurde aus dem geplanten Atelier eine Galerie. Ein alter Stuhl steht vor einem Bild – den hat einst sein Großvater hierher gestellt, irgendwann nachdem er 1928 das Haus baute und sein Ingenieurbüro darin betrieb. Der Stuhl hat Geschichte, wie auch die Hintergründe in den Bildern des Galeristen und Verlegers, der selbst als Künstler arbeitet: Als Malgrund nutzt er die Kontobücher des Großvaters und lässt so Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen. Der Name „Soll und Haben“ erinnert an diese Kontobücher – und ist zugleich eine Metapher für das Prinzip von Geben und Nehmen im Leben.

An den Wänden hängen Bilder von Gatzemeier selbst und von Künstlern wie Horst Kistner und Torsten Ueschner, mit denen er zusammenarbeitet. Ein klassischer Galerist sei er nicht, sagt er. Eher unterstütze er die wenigen Künstler, die er selbst gut findet und mit denen er inzwischen befreundet ist – jedoch ohne Anspruch auf Exklusivität. Jeder bleibt frei und ungebunden. Seine Galerie betreibt er nicht aus Zwang, sondern aus Überzeugung: „Wir sind nicht reich, aber es ist auskömmlich. In Hektik muss ich nicht verfallen.“

Die Idee zur Verlagsgründung entstand aus pragmatischer Not. Für seinen Roman „Der Sekretär“ benötigte Gatzemeier eine ISBN-Nummer. Da er als Absolvent der Hochschule für Grafik und Buchkunst ohnehin eine Affinität zum Buch hatte, gründete er kurzerhand seinen eigenen Verlag. Es folgten weitere Veröffentlichungen: Erzählbände, ein zweiter Roman, Kunstbücher – und schließlich ein Bildband für seinen Freund Horst Kistner, den er damit in den Kunstmarkt „eingeschleust“ hat: „Horst wollte gar nicht Künstler werden, der war damals als Werbefotograf tätig. Jetzt lebt er von der Kunst.“

Mit einem Augenzwinkern spricht der 71-Jährige von seiner Bewerbungsphobie, die ihn stets davon abhielt, sich für Stipendien, Wettbewerbe oder bei Verlagen zu bewerben. Dem Glück schreibt er einen großen Stellenwert zu – und der eigenen Selbstvermarktung. Dass er Wege abseits des Mainstreams geht, hat Gatzemeier früh gelernt: 1986 verließ er die DDR nach einem Ausstellungsverbot. Er widmete sich Themen, die nicht ins sozialistische Weltbild passten – wie beispielsweise dem Tod.

Seine Kunst und die seiner Mitstreiter vertreibt er über mehrere Kanäle: die eigene Internetseite, Partnergalerien und eine Zusammenarbeit mit Galerien auf Kreuzfahrtschiffen. Gleichzeitig bleibt er bodenständig und betrachtet den Kunstmarkt kritisch: „Ich maße mir nicht an, der große Galerist zu sein. Es gibt viele, die haben 15 Leute im Portfolio und können sich nur um zwei oder drei kümmern.“

Dass Thomas Gatzemeier von Kunst etwas versteht, zeigt nicht allein sein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, sondern auch seine Liste von Ausstellungen und Ankäufen. Seit 1980 arbeitet er als freier Künstler und konnte früh von seiner Kunst leben. Seine Werke befinden sich unter anderem im Besitz der Galerie Neue Meister in Dresden, des Kunstmuseums Karlsruhe, des Badischen Landesmuseums Karlsruhe und des Bundesgerichtshofs.

Wer die Galerie besuchen möchte, meldet sich vorher per E-Mail oder Telefon an und wird persönlich vom Inhaber empfangen. Da er direkt über der Galerie wohnt, kann er sich die nötige Zeit für jeden Besucher nehmen. Wer ihn schon vorab kennenlernen möchte, findet auf seinem Blog Kunstglossen, Reiseberichte – und eine eigene Kolumne über Bratwurstkultur. Denn ein Spleen, sagt er, gehöre zum Leben dazu.

https://soll-und-haben-verlag.de/
https://blog.thomas-gatzemeier.de/

von Ron Kuhwede

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