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Marlene Alexander: Der Nachbarschaftsladen für guten Geschmack

Unternehmerporträt - Marlene Alexander: Der Nachbarschaftsladen für guten Geschmack

Unternehmerporträt - Marlene Alexander: Der Nachbarschaftsladen für guten Geschmack
Unternehmerporträt

Betritt ein Kunde den Laden von Marlene Alexander, wird er mit einem freundlichen Lächeln begrüßt. Die Einrichtung ist minimalistisch gehalten, frei von aufdringlichen Werbebotschaften und überladenem Produktangebot. Die Regale sind übersichtlich sortiert und mit Waren des täglichen Bedarfs bestückt. Alle Produkte wurden persönlich von der Inhaberin ausgewählt und für geeignet befunden, sie an ihre Kundschaft weiterzugeben. „Ich verkaufe nur, wovon ich selbst überzeugt bin“, lautet das Credo der gebürtigen Weimarerin.

Doch es geht ihr nicht nur um entspanntes Einkaufen. Die Kundschaft von „Lenes Regionalmarkt & Café“ soll sich wohlfühlen und gern auch verweilen. Dafür steht das integrierte Café zur Verfügung, das zum Essen, Entspannen und Plaudern einlädt. Jeden Dienstag kocht die 24-jährige Gründerin eine kleine Auswahl an Gerichten, die vor Ort warm serviert oder mit nach Hause beziehungsweise ins Büro genommen werden können. Alles soll bezahlbar sein, bei gleichzeitig hoher Qualität.

Auf die Frage, wie es zur Idee des eigenen Ladens kam, antwortet Marlene Alexander nüchtern: „Ich war eigentlich gar nicht auf der Suche nach einem eigenen Laden. Es hat sich einfach ergeben.“ Ihr Weg nach Leipzig begann 2020, zunächst aus biografischen Gründen, später aus Überzeugung. Leipzig erschien ihr als das größere, offenere Weimar. Eine Großstadt, die dennoch menschlich geblieben ist.

In den Räumen in der Michael-Kazmierczak-Straße 33 befand sich zuvor „Specks Markt und Café“. Dort sammelte sie als Angestellte erste praktische Erfahrungen im Einzelhandel. In dieser Zeit stellte sie fest, dass ihr der direkte Kontakt mit Menschen liegt und dass regionale Lebensmittel für sie mehr sind als bloße Ware.

Die damaligen Inhaber mussten sich aus wirtschaftlichen Gründen verkleinern. Marlene Alexander wurde entlassen, entschied sich jedoch bewusst dafür, den Bereich nicht zu verlassen. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau in einem Biomarkt in der Gohliser Straße. Parallel zu ihrem Ausbildungsabschluss im Jahr 2023 gaben die früheren Betreiber von „Specks Markt und Café“ bekannt, den Laden endgültig zu schließen. „Das war für mich eine Schicksalsfügung. Ich war gerade fertig mit der Ausbildung und habe den Laden übernommen.“ Seither führt sie das Geschäft allein und wird von vier Mitarbeitern unterstützt. Mit der bisherigen Entwicklung ist sie zufrieden. Ihr Geschäftsmodell setzt nicht auf maximale Geschwindigkeit oder Gewinn, sondern auf Beziehung. Einkaufen soll kein Stressmoment sein, sondern Teil des Alltags. Vor allem soll es wieder Freude machen.

Bio versteht die Unternehmerin nicht dogmatisch, sondern als bewusste Entscheidung. „Wenn jemand gut arbeitet, brauche ich nicht zwingend ein Zertifikat. Ich überzeuge mich selbst von der Qualität.“ Regionale Produkte werden bevorzugt. Kartoffeln stammen aus der Umgebung, Waschmittel dürfen auch aus Berlin kommen. Preise werden nicht kaschiert, sondern transparent vermittelt. Günstige Rohprodukte stehen bewusst neben teureren verarbeiteten Lebensmitteln. Genau dieser Kontrast ist Teil des Konzepts. „Ich will, dass man wieder versteht, was hinter einem Lebensmittel steckt.“

Auch wenn zeitweise mehrere Menschen an der Kasse stehen, nimmt sich Marlene Alexander für jeden Einzelnen Zeit, fragt nach Wünschen oder einfach danach, wie es geht. Diese bewusste Aufmerksamkeit ist ihr wichtig, auch wenn andere Kunden dafür ein paar Minuten warten müssen. Einkaufen soll bei ihr nicht nur Pflicht sein, sondern ein Moment der Begegnung von Mensch zu Mensch.

Text und Bild Ron Kuhwede

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