„Ein unendliches Licht in der Weynachtszeit“ – Alexander Merian Winn spricht über seine Ikonen

Alexander Merian Winn’s Leidenschaft ist es Ikonen so zu bearbeiten, bis sie den leuchtenden Bildern entsprechen, die er nach eigener Aussage von Gott geschenkt bekommen hat. Der Bürgerverein Gohlis gibt einen Einblick in das Leben, die Philosophie und das Werk des Künstlers.
Mit dem Beginn des Oktobers, ist die Weihnachtszeit weniger als zwei Monate entfernt wieder in Gohlis einzuziehen. Wo andere damit Geschenke unter dem Baum oder Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt verbinden, hat Alexander Merian Winn, geboren 1958 in Leipzig, einen anderen Blick auf die Adventszeit. Für ihn ist die Weynacht (die für ihn bevorzugte mitteldeutsche Schreibweise für Weihnachten) eine Zeit der Hoffnung. Es ist für ihn die Zeit Jesus Christus in der Form seiner Ikonen zu begrüßen. Hierbei handelt es sich um Kult- und Heiligbilder der orthodoxen und katholischen Kirche welche in der Regel Jesus Christus, die Jungfrau Maria oder Heilige darstellen.
Indem er stundenlang heilige Abbilder am Computer bearbeitet, sie mit Farben und Lichtern schmückt und danach an Imagelight Berlin weitergibt zum Bearbeiten, entstehen Aluminiumrahmen deren inneres LED-Leuchten verbergen. Mit einem Knopfdruck kann so die ganze Welt die Bilder sehen, für die Alexander Gott dankt, sie geschenkt bekommen zu haben. Dabei stellt sich der 67-Jährige allerdings gegen die herkömmliche Interpretation von Glauben den meisten Religionen innewohnt, und sieht diese kritisch. „Ich komme nicht aus der Kirche. Ich bin kein Katholik. Ich glaube an die Idee Christus,“ so steht der getaufte Rentner zu seinem Glauben.
Alexander’s Beziehung zu Ikonen begann, als er mit 16 Jahren einen Ausflug mit den anderen Schülern seiner Mittelschule nach Leningrad antrat. „Diese Bilder haben zu mir gesprochen, aber ich habe es nicht verstanden,“ schildert der Künstler seine Faszination für die religiösen Bilder. Für ihn waren sie ein Mysterium, welches ihn durch seine Studienzeit als Künstler und Archäologe, begleitete. Obwohl er sie nicht verstand, wollte er sie besitzen, wobei der Kauf einer mehrere Tausend Euro teuren Ikone keine Möglichkeit war. Über die Jahre war er Teil einer Reihe von künstlerischen Ausstellungen und Werken, aber die für ihn größte Offenbarung, war es als er in einem Zustand von Halbschlaf und infolge eines persönlichen Trauerfalls, dass Bild hinter der Ikone sah.
Er beschreibt eben jenes Bild als etwas Unendliches. Ein Licht das er sah, aber keine Ikone sonst wiedergeben kann. „Kein Bild kann von sich heraus leuchten,“ meinte Alexander, als er seine ersten Entwürfe und Folien präsentierte. Für ihn haben Ikonen mehr als ein materielles Dasein. Er bezeichnet bewusst seine Werke als Geistesbilder, vergleicht sie mit einer Erinnerung im Menschlichen Kopf und die Lichter als etwas Ungreifbares und Endliches. Ein Licht in der Dunkelheit. Ein Zusammenspiel von Farben mit ihrer eigenen Bedeutung und Dialog miteinander. Alexander sieht beispielsweise in Violet die Farbe des Leidens und der anstehenden Kreuzigung des Jesuskindes, in Blau die Farbe des Ewigen, in Rot die Farbe der Heiligkeit und in einem grünen Jesus den, welcher die ganze Welt versöhnen soll.
„Der Leihe mag das nicht sehen. Das ist auch nicht das Entscheidende. Er soll lediglich vor einer Ikone stehen und sie auf sich einwirken lassen.“ Appelliert Alexander innerhalb des Gesprächs. Seine Werke haben schlussendlich das Ziel, die Menschen zu beruhigen. Idealerweise, sollen die Ikonen alle die sie sehen entschleunigen und auf sich positiv wirken lassen: „Mir geht es darum, dass die Menschen auch ein Stück Hoffnung haben sollen auf Glück und Liebe.“
Die für ihn unendlichen Bilder hatten sich in der Vergangenheit weit verbreitet. Ausgestellt hat Winn schon in der PAX Bank Berlin, Frankfurt und auch Italien. Eine App „Holy Icons“ war auch in Planung, mit dem Ziel 54 Ikonen kostenlos zum Herunterladen anzubieten. Ein Vorhaben welches, wie auch seine eigene Webseite, unterbrochen wurde als sein bester Freund und Technikexperte tragischerweise verstarb. Es sollte nicht der letzte Todesfall sein. Insgesamt erlitt Alexander allein in den letzten zwei Jahren vier Todesfälle, darunter auch seine Frau welche er 6 Jahre lang gepflegt hat. Erfahrungen, die ihm emotional belasten und derzeit in einen kreativen Tiefpunkt versetzt haben. Dennoch hofft Alexander in der Zukunft wieder seine Inspiration zu finden, mithilfe jener Ikonen, die ihn sein ganzes Leben begleitet haben. Wenn die Trauer abnimmt, will er sich wieder daran machen seine Ziele zu Erfüllen und schwärmt unter anderem von einer 120 x 80 großen Ikone statt der gewöhnlichen 60 x 80: „Wenn sie mal so groß wäre, dann hätte ich die größte digital bearbeitete LED Ikone in Leipzig, in Sachsen in ganz Deutschland.“
Sein Beruf als Künstler im hohen Alter bereut er nicht. Wen er die Wahl hätte würde Alexander fast alles genauso machen. Nicht weil er es wollte, sondern weil er es musste. Zitate von Menschen die seine Ikonen bewundert haben, als eines der schönsten Dinge die sie je gesehen haben, stärken ihn noch Jahre später. Für Winn ist Kunst eine Sache die der Mensch zum Leben braucht. Wenn er das Geld hätte, würde er dieses für die Kunst ausgeben.
Sofern er genug Geld besäße, würde Alexander eines Tages die ganze Lützowerstraße erleuchten mit allen 300 seiner Ikonen, um die Hoffnung und den Christusgeist zu verbreiten, welche er seit langem nicht in der Religion selbst sehen konnte. Statt den Gedanken Christus zu verbreiten, kritisiert er, dass jene Institutionen anderen Menschen schaden zufügen.
„Jeder Mensch ist ein Gedanke Gottes. Gott hat viele Gedanken. Und weil Gott so viele Gedanken hat sind die Menschen unterschiedliche in Brauch, Sitte und Sprache. Das heißt jeder Mensch der dir begegnet ist ein Gedanke Gottes. Mit welchem Recht nimmst du dir die Macht ein Gedanke Gottes zu töten. Wenn du einen Menschen tötest oder verletzt, dann tust du Gott weh.“
Sollte euer Interesse geweckt sein darin die ewigen Ikonen mit eigenen Augen zu sehen, in der ersten Woche vor der Adventszeit stellt Alexander diese wieder bei sich vor dem Fenster in der Lützowerstraße 42 aus. Gegebenenfalls können sie Ihn auch erreichen unter alexander.winn@gmx.net.
von Leon Noel Gärtner


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