Seit fast 100 Jahren sind wir in Gohlis

Seit fast 100 Jahren sind wir in Gohlis
Wenn Isabell Reich im Viertel einkaufen geht, kommt es häufig vor, dass sie von fremden Menschen gegrüßt wird. Manche erinnern sich noch an ihren Ur-Ur-Großvater Gustav Reich, der im Jahr 1932 in Gohlis ein Klempnerunternehmen gründete. Heute, 93 Jahre später, ist der Betrieb für Sanitär, Heizung und Klima noch immer in Gohlis ansässig – mittlerweile in vierter Generation geführt von Urenkelin Babett Reich, der Mutter von Isabell.
Seit jeher steht das Familienunternehmen für Nähe zur Nachbarschaft. Es gehört zur Firmenphilosophie, ausschließlich für Endkunden zu arbeiten – also Mieter oder Eigentümer selbst genutzter Immobilien. „Das hat uns durch alle Krisen getragen, denn so waren wir nie abhängig von Schwankungen der Baubranche“, sagt Andreas Reich, der das Unternehmen von 1982 bis 2012 leitete. Für sein langjähriges Engagement in verschiedenen Branchen-Gremien wurde ihm 2013 von der HWK Leipzig die Goldene Ehrennadel mit Brillant verliehen.
Dass das Unternehmen so tief in Gohlis verwurzelt ist, liegt nicht nur an seiner langen Geschichte, sondern auch an seiner Kontinuität im Stadtteil: Seit der Gründung blieb es der Breitenfelder Straße treu. Lediglich die Straßenseite wechselte es 1945 – seitdem befindet sich der Betrieb auf dem firmeneigenen Grundstück mit der Hausnummer 74.
Die Arbeit hat sich grundlegend verändert, stellen die drei Generationen übereinstimmend fest. „Früher wurde mehr geschweißt und improvisiert, heute montieren wir meist Fertigteile.“ Doch auf Qualität wird weiterhin großer Wert gelegt – denn an diese, so Babett Reich, solle man sich erinnern, wenn man den Namen „Reich“ hört.
Dass Tradition und Fortschritt sich nicht ausschließen, zeigt die Geschäftsführerin unter anderem durch den Einsatz moderner Tablets, die die klassische Zettelwirtschaft ersetzt haben – eine Erleichterung für die Kollegen auf der Baustelle. „In der Verwaltung allerdings haben wir heute deutlich mehr Aufwand, da ständig neue Auflagen und gesetzliche Vorgaben hinzukommen, in die wir uns einarbeiten müssen.“
Die Begeisterung für das Unternehmen ist allen Beteiligten dennoch geblieben – sowohl den beiden Damen als auch dem Seniorchef a. D. Im Gegenteil: Sie alle betonen, wie sehr sie ihre Arbeit schätzen, vor allem den langfristigen Kontakt zu ihren Kunden. „Ein gutes Klima im Team ist wichtiger als 100 Euro mehr“, sind sich alle drei einig – und vom Thema „Klima“ verstehen sie bekanntlich etwas.
Auch die Mitarbeiter schätzen die familiäre Atmosphäre und die flachen Strukturen. Babett Reich freut sich, dass bislang immer neue Fachkräfte und Auszubildende gefunden werden konnten, die in die Fußstapfen der Vorgänger treten. Aktuell ist noch eine Fachkraftstelle unbesetzt.
Eines Tages wird Isabell Reich das Unternehmen in fünfter Generation übernehmen – mit derselben Begeisterung wie ihre Vorfahren und der nötigen fachlichen Kompetenz. Neben dem Gesellenbrief hat sie den Meistertitel sowie die Qualifikation zur Betriebswirtin des Handwerks erworben. Während ihrer Ausbildung wurde sie als Jahrgangsbeste ausgezeichnet.
Wenn sie dann später als Inhaberin einkaufen geht, wird sie wohl nicht mehr von Menschen gegrüßt, die noch ihren Ur-Ur-Großvater kannten – aber vielleicht von denen, denen sie schon einmal geholfen hat, einen tropfenden Wasserhahn oder eine defekte Heizung zu reparieren. www.reich-shk.de
von Ron Kuhwede

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