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Leipziger Architekturbüro gewinnt Wettbewerb

Das Gelände des Freiladebahnhofs wird Wohngebiet für 3.300 Menschen

Von Matthias Judt

Ende August kamen die gut 50 Mitglieder des Nachbarschaftsforums „Eutritzscher Freiladebahnhof“ und die 32 Mitglieder der Fachjury im stadtplanerischen Wettbewerb zum gleichen Ergebnis: Das „Octagon Architekturkollektiv“ aus Leipzig hatte den besten Entwurf für die stadt- und landschaftsplanerische Gestaltung des Areals entwickelt und das Büro Sahlmann & Partner aus Markleeberg den zweitbesten. Damit verwiesen die beiden lokalen Büros die Mitbewerber aus Berlin, Frankfurt/Main und Zürich auf die Plätze.

Octagon ist ein ganz neues Büro. So wie es aussah, konnte man davon ausgehen, dass allenfalls der Chef über 30 ist, alle anderen darunter. Und diese jungen Leute präsentierten den „alten Hasen“ im Metier ihren – den besten – Plan. Das Areal des ehemaligen Freiladebahnhofs umfasst eine Fläche, die in etwa halb so groß ist wie die Innenfläche des Rings im Zentrum. Im Verbund mit weiteren Geländen der Stadtwerke und auf der Westseite des Hauptbahnhofs entstehen auf ehemaligen Gewerbe- und Verkehrsflächen neue Wohngebiete, in die nichtstörendes Gewerbe integriert werden soll. Auf den etwa 25 ha des Freiladebahnhofs entstehen aber auch eine Grund- und eine weiterführende Schule, mehrere Kindergärten, jeweils verbunden mit den dazugehörigen Sporthallen und -flächen. Der Einzelhandel findet seinen Platz, und Octagon hat auch einen Bereich mit experimentellem Bauen und für zeitweiliges Wohnen (etwa in Form von Studentenwohnheimen) vorgesehen. Was am Entwurf der Leipziger Architekten aber besonders bestechend ist, konnte jeder Leipziger im September im Hauptbahnhof selbst betrachten, wo der Siegerentwurf ausführlich vorgestellt wurde. Es ist die ausgedehnte Grünfläche im Zentrum des Areals. Ganz offensichtlich haben die Architekten dabei das Maximum des Möglichen herausgeholt und noch dazu die Wohngebäude so darum herum gruppiert, dass ganz viele Einwohner des neuen Stadtteils selbst einen Blick auf den Park und die im direkten Anschluss angelegten städtischen Plätze werfen können. Erfreulich ist auch, dass traditionelle Klubs wie das „Soundso“ und der „TV-Klub“ erhalten bleiben. Neben deren Gebäuden werden auch ein ehemaliges Bedienstetengebäude, ein Stellwerksgebäude und ein Lokschuppen in das Konzept aufgenommen. Mit „Leipzig416“ (benannt nach der fortlaufenden Nummer des Bebauungsplanes, der erarbeitet wird) sind die Stadt und der Projektentwickler einen völlig neuen Weg gegangen. Noch bevor die reguläre – und eher bürokratisch gestaltete – Bürgerbeteiligung in Gang gesetzt wurde, haben beide Partner die Bürger ganz anders mit einbezogen. Am Anfang und am Ende der jetzigen Planungsphase wurde in der Mensa des Finanzamtes am Wilhelm-Leuschner-Platz je ein Bürgerforum durchgeführt. Zwischen beiden fanden insgesamt vier Nachbarschaftsforen statt, an denen Vertreter des Stadtrates, der beiden Stadtbezirksbeiräte, von Vereinen aus der Nachbarschaft (darunter der BV Gohlis) und ganz normale Bürger, die sich beworben oder nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und angeschrieben worden waren. In den Nachbarschaftsforen wurden zunächst die allgemeinen Anregungen der Bürger aufgenommen. Dem folgten zwei Foren während der sogenannten Werkstattwoche, zu der die fünf Architekturbüros eingeladen wurden: Hier konnten die Mitglieder des Nachbarschaftsforums im direkten Gespräch mit den Planern der Stadt und des Projektentwicklers und vor allem mit den Büro-Mitarbeitern ihre Ideen einbringen und diskutieren. Ende August konnte so das oben erwähnte Votum zustande kommen. Ende Oktober ist die Planung nun in ihre zweite Phase eingetreten. Nun wird nur noch mit und am Siegerentwurf gearbeitet. Ein Masterplan soll entstehen, mit dem eine Vielzahl von Details geregelt werden soll. Und wieder wird es Bürger- und Nachbarschaftsforen geben, denn Projektentwickler und Stadt sind inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass diese umfassende Bürgerbeteiligung von Beginn an und während des gesamten Planungsprozesses am Ende das Verfahren insgesamt beschleunigt. Die Hoffnung ist groß, dass bereits 2019 (und nicht erst ein Jahr später) die Bagger rollen werden.